Die Wissensplattform der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Brain-tec, business & training-network (Regio-Plus-Projekt von 2000 bis 2004)

Im Rahmen des Projekts Brain-tec wird ein neues Unternehmen für «Virtuelles Lernen» aufgebaut: die Brain-tec GmbH (Business and Training Network). Dabei sollen die Vorteile der neuen Informations- und Kommunikationstechnologie für verschiedene Bereiche wie Bildung, angewandte Forschung, Information, Wissenstransfer, Software, Verkauf usw. konsequent genutzt werden. Der «Virtuelle Lernraum» und das damit verbundene Dienstleistungs- und Produkteportfolio wird auf der Basis der Erfahrungen der Fernfachhochschule Schweiz und der Stiftung Fernstudien Schweiz entwickelt. Langfristig soll im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologie ein Kompetenzzentrum mit nationaler Ausstrahlung entstehen.

Trägerschaft

Region Brig-Aletsch.

Von Regio Plus unterstützte Teilprojekte: BildungsTV, Learnshop und Distance Education Center.

Trägerorganisationen

  • Fernfachhochschule Schweiz
  • Studienzentrum Brig (Stiftung Fernstudien Schweiz)

Beteiligte Branchen/Gruppen

  • In- und ausländische (Bildungs-)Institutionen
  • Öffentliche Hand
  • Angewandte Forschung
  • Dienstleistungssektor (insbesondere Spezialisten aus den Bereichen Wirtschaft, Recht, Telekommunikation und Multimedia)
  • Handel
  • KMUs

Kurzbeschrieb des Projekts

Das Projekt gliedert sich in sieben Teilprojekte:

  • Fernfachhochschulstudiengänge
  • Universitätsstudiengänge
  • Weiterbildungsangebote (Neue Bildungsmedien, E-Commerce)
  • BildungsTV
  • Bibliothek
  • Learnshop
  • Distance Education Center

Regio Plus unterstützt die drei Teilprojekte «BildungsTV», «Learnshop» und «Distance Education Center».

Brain-tec führt Pilotprojekte im Kanton Wallis durch. Die Produkte und Dienstleistungen werden danach in der ganzen Schweiz und teilweise sogar international angeboten. Auch die technische Plattform ist national ausgerichtet. Zudem ist das Projekt in ein europäisches Partnerschaftsnetzwerk eingebunden, d.h. die einzelnen Entwicklungsteams kooperieren mit in- und ausländischen Institutionen. Dadurch entstehen eine optimale Vernetzung verschiedener Bereiche und ein reicher Erfahrungsaustausch über die Landesgrenzen hinaus.

Gründe für das Projekt

Immer mehr hoch qualifizierte Arbeitskräfte wandern aus den Rand- und Bergregionen ab, denn es mangelt an attraktiven Arbeitsplätzen sowie guten Aus- und Weiterbildungsangeboten für Fachspezialisten. Besonders Experten auf dem Gebiet der neuen Informations- und Kommunikationstechnologie sind in diesen Regionen rar. Der Mangel an kompetenten Fachkräften führt dazu, dass die dort ansässigen Unternehmen ihre Innovationsfähigkeit und Flexibilität langsam verlieren und sich somit der Graben zwischen den wirtschaftlichen Ballungszentren und den Randregionen weiter öffnet. Der «Virtuelle Lernraum» im Kanton Wallis will diesem Trend bewusst entgegenwirken.

Im Rahmen des Gesamtprojekts konzentriert sich Regio Plus auf die Teilprojekte «BildungsTV», «Learnshop» und «Distance Education Center», weil sie unmittelbar zum Aufbau des Kompetenzzentrums im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologie beitragen und im Dienste einer breiten Öffentlichkeit stehen. Zudem zeichnen sie sich durch einen höheren Innovationsgrad aus als die übrigen Teilprojekte, besonders weil sie z.T. im Bereich der angewandten Forschung und Entwicklung angesiedelt sind. Ausserdem fallen die von Regio Plus nicht unterstützten Projekte eindeutig in den klassischen Bildungsbereich, dessen Unterstützung Aufgabe anderer Förderungsprogramme ist.

Projektziele

Mit dem «Virtuellen Lernraum» werden in erster Linie drei Ziele verfolgt:

  • Endogene Regionalentwicklung und Schrittmacherfunktion über das Wallis hinaus: Das Kompetenzzentrum im Bereich Virtualität und Bildung soll nationale Ausstrahlung haben.
  • Schaffung neuer Entwicklungsperspektiven für Berufstätige (insbesondere in den Randregionen) durch qualitativ hoch stehende, zukunftsträchtige Arbeitsplätze
  • Förderung des lebenslangen Lernens
  • Vorgehen und zeitlicher Rahmen

Projektdauer: 4 1/2 Jahre (Ende Juli 2000 bis Dezember 2004)

Vorgesehen sind folgende Massnahmen:

BildungsTV

  • Aufbau der Datensammlung zu den Europäischen Bildungssendungen
  • Entwicklung der Homepage
  • Anpassung nach einem Test im Herbst 2000
  • Organisation der Seniorenuniversität
  • Durchführung von zwei Veranstaltungen mittels ISDN-Technologie

Learnshop

  • Konzeption (Produktelinien, Organisation)
  • Verhandlungen und Verträge mit den Verkaufsorganisationen
  • Implementation der administrativen Abläufe
  • Design und graphische Gestaltung des «Virtuellen Shops»
  • Implementation der Verkaufsadministration
  • Implementation der Logistik (Tests)
  • Aufbau der Gateways zu den Bookshops
  • Durchführung des Verkaufs von zwei Produktelinien

Distance Education Center

  • Entwicklung der didaktischen Grundkonzeption zu den Lernmaterialien
  • Entwicklung eines ersten Produktionsdesigns
  • Entwicklung eines ersten Adaptionsdesigns
  • Gesamtorganisation der Produktion
  • Konzeption der Testinstrumente (inkl. Festlegung der Messvariablen)
  • Konzeption und Durchführung der Prozessverbesserungen innerhalb des Lernraums
  • Organisation des Know-how- und Wissenstransfers für die Projektpartner und interessierte Organisationen in der Schweiz

Marketingstrategie

  • Im Bereich des Marketings wird der Fokus bei den direkten Endkunden, den natürlichen Personen, auf die gesamte Schweiz ausgerichtet. Im Segment der intermediären Kunden hingegen, meist Unternehmen und Organisationen, wird in den ersten beiden Jahren eine Marketingstrategie für den Kanton Wallis und die angrenzenden Regionen entwickelt. Erst im dritten Jahr ist auch in diesem Segment eine Ausweitung auf die ganze Schweiz vorgesehen.

Finanzieller Rahmen

Gesamtkosten des ganzen Projekts: CHF 8'229'000.–

Anrechenbare Gesamtkosten für Regio Plus (bezogen auf die drei unterstützten Teilprojekte): CHF 2'467'000.–

Auswirkungen des Projekts

...auf den Arbeitsmarkt

Es wandern weniger Fachkräfte und Bildungsinteressierte ab. Ausserdem stehen dank des Internets mehr und günstigere Weiterbildungsangebote zur Verfügung. Dadurch verringern sich die regionalen Bildungsdisparitäten. Dank der höheren Qualifikation der Arbeitskräfte und der verbesserten Innovationsfähigkeit der einzelnen Firmen werden Arbeitsplätze gesichert.

Durch die Neuansiedlung von Unternehmen entstehen aber auch diverse zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten: Das Projekt generiert fünf bis sechs hoch qualifizierte Arbeitsplätze im Bereich Multimediaproduktion, Online-Materialdesign, Web-Training und Web-Logistik sowie ein bis zwei durchschnittlich qualifizierte Stellen im administrativ-organisatorischen Bereich. Hinzu kommen Lehraufträge für den Wissenstransfer. Nicht zuletzt haben auch Zulieferer einen positiven Einfluss auf die regionale Einkommens- und Beschäftigungssituation.

...auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Bestehende Firmen der Rand- und Bergregionen können durch das Projekt ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. So dürften z.B. die beiden Trägerorganisationen des Projekts die Führungsposition in ihren Kernbereichen festigen.

Die Standort- und Wohnattraktivität der Agglomeration um Brig-Glis nimmt generell zu. Dies führt zu einer Stärkung der Oberwalliser Wirtschaft. Insbesondere das Distance Education Center mit Standort Brig wird dem Raum Oberwallis wirtschaftliche Impulse verleihen. Dank der Rückkoppelung der Brain-tec-Aktivitäten auf die übrige Wirtschaft kann die neue Informations- und Kommunikationstechnologie in der Region sinnvoller genutzt werden. Langfristig werden sich angewandte Forschung und Lehre vermehrt an regionalen Interessen orientieren. Zudem sollte sich der Know-how- und Wissenstransfer verbessern.

...auf die Umwelt

Dank des Projekts, insbesondere durch die Internet-Nutzung, dürfte die physische Mobilität leicht abnehmen.

Modellcharakter des Projekts

Das Projekt ist in verschiedener Hinsicht beispielhaft. Sein Modellcharakter beruht insbesondere auf der «Portalstrategie», der «Kompetenzkonzentration» sowie dem regionalen als auch nationalen Bezugsrahmen:

Der «Virtuelle Lernraum» ist einzigartig, weil er nicht von einer klassisch horizontalen Segmentierung der Produkte und Dienstleistungen ausgeht. Das Produkte- und Dienstleistungsportfolio kann sowohl von der Landwirtschaft, der Industrie als auch dem Dienstleistungssektor genutzt werden. Zudem beschränkt es sich nicht auf ein einziges Bildungsniveau, sondern schliesst alle Aus- und Weiterbildungsstufen ein.

Von der Portalstrategie profitiert sowohl der Kunde als auch das Unternehmen, denn durch die Vernetzung entstehen Synergien, die sich positiv auf die Schlüsselkompetenzen auswirken. Nicht zuletzt ist die Offenheit des Projektes für die Schweiz neu. Zudem gibt es die Angebote des «Virtuellen Lernraums» in ihrer Kombination als «Gesamtkatalog» in der Schweiz bisher noch nicht. Die orts- und zeitunabhängige Verfügbarkeit qualitativ hoch stehender Produkte und Dienstleistungen machen das Projekt nicht nur regional, sondern auch national bedeutsam.

Projektleitung

Per Bergamin
Studienzentrum Brig
Überlandstrasse 12
Postfach 265
3900 Brig
Tel. 027 922 38 77
Fax 027 922 38 56
E-mail: per.bergamin@fernuni.ch
Website

Aus dem Schlussbericht

Das im Rahmen des Projekts konzipierte Kompetenzzentrum für Fernstudien und eLearning wurde erfolgreich umgesetzt. Zusammen mit der Fernfachhochschule Schweiz und der Stiftung Fernstudien Schweiz sowie der Valaiscom realisierten die Akteure didaktische Konzepte, Materialien und Produkte. Daneben wurde ein Rechenzentrum für die einwandfreie Abwicklung der Lehrgänge eingerichtet. Die im Rahmen des Projekts aufgebauten Produkte und Dienstleistungen lassen sich in drei Bereiche einteilen: eLearning-Support, IT-Support und Webapplikationen. Knapp 1'900 Personen haben sich für eine im Rahmen des Projekts unterstützte Aus- oder Weiterbildung eingeschrieben und 1'500 Nutzer oder Nutzerinnen verwenden ein von den Projekteilnehmern implementiertes Lern-System. Das Projekt initiierte mehr als 900 Stellenprozente. Knapp 500 Dozierende haben sich im Laufe des Projekts eine Qualifikation zum Unterricht mit modernen Medien erworben.

Im Juli 2005 entstand aus dem Projekt ein Institut für Fernstudien- und eLearningforschung, das von der Fernfachhochschule Schweiz und der Stiftung Fernstudien Schweiz getragen wird und die Forschungsbereiche des Projektes weiterführt. Im Juni 2006 wird zudem eine Aktiengesellschaft aufgebaut, welche die technologieorientierten Produkte und Dienste selbstständig anbietet.

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Bild: regiosuisse.

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