Dienstleistungsbörse Thal (Regio-Plus-Projekt 1998 bis 2002)

Mit einer regionalen Dienstleistungsbörse wird der Informationsaustausch zwischen potenziellen Anbietern und Nachfragern von Dienstleistungen sichergestellt. Dies soll zu effizienterer Leistungserbringung sowohl bei der öffentlichen Hand als auch bei privaten Unternehmen führen. Mit Umfragen will man die Bedürfnisse abklären. Zu oft genannten Sachbereichen werden dann Arbeitsausschüsse eingesetzt, um herauszufinden, wo eine engere ortsübergreifende Zusammenarbeit in der Region möglich ist.

Trägerschaft

Verein Region Thal, Einwohnergemeinde Thal.

Beteiligte Branchen/Gruppen

Gemeinden und Verwaltungen, Industrie, Gewerbe, Handel, Schulen

Gründe für das Projekt

Der allgemeine Spardruck bei der öffentlichen Hand wie bei privaten Unternehmen verlangt zunehmend kostenbewusstes Handeln. Verwaltungsstellen und Unternehmen sollen sich auf ihre Stärken und Kernkompetenzen konzentrieren. Dienstleistungen werden idealerweise nur dann selber vollbracht, wenn sie von keinem Dritten günstiger angeboten werden. Angebot und Nachfrage spielen aber nur dann, wenn der Austausch von Informationen sichergestellt ist. Dazu braucht es eine regionale Dienstleistungsbörse.

Projektziele

Vorhandene Dienste, welche zu gewissen Zeiten nicht ausgelastet sind, sollen Dritten gegen Entgelt zur Verfügung gestellt werden. Anbieter und Abnehmer profitieren gleichermassen. Zwei Beispiele:

  • Das gemeindeeigene, moderne Strassenreinigungsfahrzeug wird zur besseren Auslastung anderen Gemeinden zur Verfügung gestellt. Dies erhöht zum einen den Kostendeckungsgrad des Reinigungsdienstes und erspart zum andern einer kleineren Gemeinde die teure Anschaffung eines ebenbürtigen Geräts.
  • Zur Förderung der dezentralen Kompostierung wird einem externen Kompostberater ein entsprechender Auftrag erteilt. Eine eigene Gemeindestelle wäre nicht rentabel.

Vorgehen

Der Verein Region Thal erstellt einen Frageraster, auf dem die anzubietenden und nachgefragten Dienstleistungen aufgelistet werden können. Die Adressaten: Gemeinden (Gemeindeverwalter, Finanzverwalter, Bauverwalter, Werkkommissionspräsidenten, Wehrdienste, Schulen), Bürgergemeinden, Kirchgemeinden, Oberamt, Notariate, Amtschreiberei, Gerichtsinstanzen der Amtei, Kreisschulverwaltungen, Ingenieurschule, Industrie, Gewerbe, Handel, Gründerzentrum Kanton Solothurn u.a.m.

Für vielgenannte Sachbereiche werden Arbeitsausschüsse zur Abklärung einer engeren überörtlichen Zusammenarbeit eingesetzt. Darin vertreten sind Exponenten der betroffenen Sachbereiche sowie Experten aus dem jeweiligen Fachgebiet.

Die Betreuung der Dienstleistungsbörse via Datenbank für die übrigen Bereiche wird vom Projektträger übernommen. Periodische Erfolgskontrollen geben Aufschluss über den Verlauf des Projekts.

Zeitlicher Rahmen

  • Februar 1998: 1. Umfrage
  • März 1998: Vorstellung der Umfrageergebnisse, Vorgehensvorschlag zuhanden der Gemeindepräsidentenkonferenz
  • Frühjahr 1998: Erstellen einer Gesamtübersicht nach Sachbereichen, Inbetriebnahme der Börse
  • Frühjahr 1998 bis ca. 2000: Einberufung und Moderation von Arbeitsausschüssen für die meistgenannten Sachbereiche (Zivilschutz, Feuerwehr)
  • Mai 1999: 2. Umfrage; Evaluation 1. Umfrage
  • Sommer 1999: Abschluss Arbeiten Fachausschuss Zivilschutz; Vorschläge zuhanden der Gemeindepräsidentenkonferenz
  • Frühjahr 2000: Abschluss Arbeiten Fachausschuss Feuerwehr, Einberufung Fachausschuss Oberstufenschulkreis Thal
  • Frühjahr 2001: neues Börsenkonzept erarbeiten (unter Einbezug der Virtuellen St@dt); 3. Umfrage, Evaluation 2. Umfrage
  • Dezember 2002: Dauerauftrag Dienstleistungsbörse

Finanzieller Rahmen

Gesamtkosten: CHF 45'000.–

Auswirkungen des Projekts…

...auf den Arbeitsmarkt

Die Börse hilft in erster Linie Kosten zu sparen, ohne bestehende Arbeitsplätze zu gefährden. Die bessere Auslastung vorhandener Dienste sichert Arbeitsplätze. Wo Dienstleistungsangebote regionalisert werden, können neue Arbeitsplätze entstehen. Private Anbieter haben zudem die Chance, neue Aufträge zu erschliessen.

... auf die Umwelt

Bestehende Infrastrukturen werden besser genutzt. Neuanschaffungen und viel «graue Energie» erübrigen sich. Dies führt indirekt zu einer Entlastung der Umwelt.

Modellcharakter des Projekts

Das Projekt verbindet öffentliche und private Akteure aus verschiedenen Wirtschaftszweigen mit dem Ziel, vorhandene Dienstleistungsangebote effizienter zu nutzen. Es entstehen neue gemeinde- und branchenübergreifende Formen der Zusammenarbeit. Doppelspurigkeiten und schlechte Auslastung können so vermieden werden. Das Kooperationsprojekt ist – mit entsprechenden Anpassungen – vielerorts nachahmbar und hat dadurch Modellcharakter.

Projektleitung
Verein Regio Thal
Martin Stokar
Tiergartenweg 1
4710 Balsthal
Tel.: +41 62 386 12 30
Fax: +41 62 386 12 13
Email: region.thal@datacomm.ch
Website

Aus dem Schlussbericht

Das Projekt umfasste zwei sehr unterschiedliche Elemente, wobei der Zielerreichungsgrad sehr unterschiedlich ausfiel.

Zum einen wurden Informationen über Angebot und Nachfrage von Infrastruktur und Dienstleistungen im Thal erhoben und allen Beteiligten zur Verfügung gestellt. Die erwartete Eigendynamik der Dienstleistungsbörse stellte sich jedoch nicht ein, und die erreichten Kosteneinsparungen blieben gering. Der Vorstand des Vereins Region Thal hat deshalb beschlossen, diesen Teil des Projekts nicht mehr weiter zu führen.

Sehr positiv entwickelten sich hingegen die verschiedenen überkommunalen Zusammenarbeitsprojekte. In den Bereichen Zivilschutz, Oberstufenschulkreis, Jugendarbeit und Betagtenbetreuung ist die Kooperation der 9 Gemeinden heute auf gutem Weg. Der Gemeindepartikularismus wurde zu Gunsten der regionalen Zusammenarbeit eingedämmt. Mit der Schaffung eines gemeinsamen Projekttopfes konnte auch die finanzielle Grundlage für die Zusammenarbeitsprojekte langfristig gesichert werden. So hat das Projekt wesentlich zur Kooperation der Gemeinden im Thal beigetragen.

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Bild: regiosuisse.

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