Die Wissensplattform der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Gastfreundschaft nach Cäsar Ritz (Regio-Plus-Projekt von 1999 bis 2001)

Der aus Niederwald im Goms stammende Hotelpionier Cäsar Ritz hat das Image des Schweizer Tourismus nachhaltig geprägt. Seinen 150. Geburtstag nehmen die Projektträger zum Anlass, um sein idelles Erbe im Goms wieder zu beleben. Mit einer Broschüre, einem Themenpfad, mit Events im Rahmen der Erlebnisgastronomie sowie mit diversen Massnahmen zur Qualitätssteigerung in der Hotellerie soll das Goms für Ausflugs- und Feriengäste attraktiver werden. Für den Ausbildungsbereich wird zusätzlich eine «Cäsar-Ritz-Modellstunde» realisiert. Um die Gastfreundschaft nach dem Vorbild von Cäsar Ritz langfristig für die Region nutzbar zu machen, haben sich nicht nur Vertreter aus Tourismus, Hotellerie und Gastronomie, sondern auch aus Landwirtschaft, Gewerbe und Kultur zu diesem Gemeinschaftsprojekt zusammengeschlossen.

Trägerschaft

Goms Tourismus.

Beteiligte Branchen/Gruppen

  • Tourismus
  • Hotellerie
  • Gastronomie
  • Landwirtschaft
  • Kultur
  • Gewerbe
  • Schulen

Gründe für das Projekt

Niederwald, die Geburtsgemeinde von Cäsar Ritz, hat 62 Einwohnerinnen und Einwohner. Sie ist weder finanziell noch personell in der Lage, das Erbe ihres berühmtesten Bürgers zum wirtschaftlichen Wohle des Goms zu nutzen. Um das touristische Potenzial trotzdem ausschöpfen zu können, hat Goms Tourismus das branchenübergreifende Projekt gestartet. Dieses soll insbesondere dazu beitragen, die Qualität der Dienstleistungen und der Arbeitsplätze sowie die Wertschöpfung in der Region zu steigern.

Projektziele

  • Ideelles Erbe von Cäsar Ritz zeitgemäss präsentieren und sich damit bei neuen Zielgruppen und in neuen Zielmärkten profilieren
  • Tagesausflugs- und Feriengästen eine sinnvolle Betätigung anbieten
  • Zusammenarbeit zwischen Tourismus, Kultur und der übrigen Wirtschaft fördern
  • Qualitätsverbesserung
  • Wertschöpfung in Hotellerie, Gastronomie, Landwirtschaft und im Gewerbe steigern
  • Neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen
  • Vermehrte Rekrutierung Jugendlicher für die Gastronomie- und Hotellerieberufe

Vorgehen und zeitlicher Rahmen

Projektdauer: 3 Jahre (Sommer 1999 bis 2001)

Projektphasen

1. Ideenwerkstatt
2. Konstitution der Projektorganisation
3. Finanzierungsmassnahmen
4. Umsetzung im Hinblick auf den 150. Geburtstag
5. Umsetzung im Hinblick auf die Kontinuität
6. Evaluation und Weiterentwicklung

Vorgehen

a. 23. Februar 2000: 150. Geburtstag von Cäsar Ritz als Auftakt

  • Massnahmen: Entwicklung, Adressenbeschaffung, Einladung, Porti, Transport, Rahmenprogramm, Speisen und Getränke, Miete/Reinigung, Drucksachen, Medienbetreuung etc.

b. Broschüre Cäsar Ritz

  • Massnahmen: Konzept, Recherchen, Verfassen, Illustrationen, Fotos und Rechte, Übersetzung, Herstellung, Marketing und Verkauf.

c. Themenpfad Cäsar Ritz

  • Massnahmen: Konzept, Rekognoszieren, Postenmaterial, Installation, Redaktion eines Führers mit Wettbewerb, Übersetzungen, Marketing, Unterhalt und Pflege für ab dem Jahr 2001.

d. Erlebnisgastronomie rund um Cäsar Ritz und seinen Küchenchef Auguste Escoffier

  • Massnahmen: Konzept, Partnersuche, Entwicklung Menus, Gedecke, Service- und Produktequalität, Menukarten, Grafik, Druck, Marketing, Medienarbeit, externe Qualitätskontrolle für die Jahre 2000 und 2001.

e. Modellstunde zu Cäsar Ritz für Schülerinnen und Schüler

  • Massnahmen: Konzept, Partnersuche, Verfassen der Dokumente, Information der Schulen, Wettbewerb.

f. Merchandising

  • Konzept, Kreation und Umsetzung, Organisation der Distribution und des Verkaufs, Marketing und Controlling.

Finanzieller Rahmen

Gesamtkosten: CHF 380'000.–

Auswirkungen des Projekts...

...auf den Arbeitsmarkt

Das Projekt macht die Region Goms deutlich attraktiver für seine Feriengäste, und die Verantwortlichen rechnen mit entsprechend höheren Besucherfrequenzen. Davon profitieren vor allem Hotellerie, Gastronomie und Gewerbe. Dies sichert Arbeitsplätze und schafft neue. Speziell in der Hotellerie und Gastronomie dürfte zudem die Arbeitsplatzqualität gesteigert werden.

...auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Die Zusammenarbeit von Hotellerie, Gastronomie, Landwirtschaft und Gewerbe will die Wertschöpfung in den verschiedenen Branchen steigern. Zudem sollen junge Gommer, die in der Hotellerie oder Gastronomie arbeiten möchten, durch das Projekt motiviert werden, nach ihrer Ausbildung vermehrt wieder in die Region zurückzukehren.

...auf die Umwelt

Das Projekt fördert den bewussten Umgang mit Umweltressourcen und den Absatz landwirtschaftlicher Produkte aus der Region.

Modellcharakter des Projekts 

Das Goms wird erstmals über eine Persönlichkeit bekannt gemacht, die man im Ausland wohl besser kennt als in der Schweiz. Zwar weist das Vorgehen gewisse Parallelen auf zu Projekten wie das «Gotthelf-Jahr» oder «Heidiland». Im Unterschied dazu ist die «Gastfreundschaft nach Cäsar Ritz» aber nicht zeitlich beschränkt (Gotthelf-Jahr) und bezieht sich nicht auf eine Legende (Heidiland), sondern auf eine Person, die wirklich gelebt hat. Die Idee, das touristische Angebot mit in Vergessenheit geratenen Persönlichkeiten zu beleben und attraktiver zu machen, lässt sich auch andernorts verwirklichen.

Projektleitung

Andreas E. Allenspach
Geschäftsführer Goms Tourismus
Haus Rondo
3984 Fiesch
Tel. 027/970 10 70
Fax 027/970 10 75
Natel: 079/610 87 00
E-Mail: tourismus@goms.ch
Website

Aus dem Schlussbericht

Alle Projektziele wurden erreicht.
Die Projektidee ist von der einheimischen Bevölkerung auffallend stark getragen worden. Eine öffentliche «Geburtstagsfeier», die Herausgabe des Ritz Buchs, die Anlegung des «Lebenswegs», und die gemeinsamen Messe-Besuche sind nur einige der erfolgreich verlaufenen Projektetappen.
Dank dem Projekt ist es gelungen, das ideelle Erbe von Cäsar Ritz zeitgemäss zu präsentieren und das Goms bei neuen Zielgruppen bekannt zu machen. Mit dem «Ritz Lebensweg» wurde ein ideales Ausflugsziel für Tages- und für Feriengäste geschaffen. Die Zusammenarbeit in den Bereichen Tourismus, Kultur und Wirtschaft ist intensiviert worden. Durch die konsequente Umsetzung der qualitativen Richtlinien in bezug auf die Herkunft der verwendeten Lebensmittel konnte die Wertschöpfung in Gastgewerbe und Hotellerie gesteigert werden. Indirekt ist zudem eine Beitrag zur Arbeitsplatzerhaltung geleistet worden.
Die Projektidee wird auch in Zukunft fortbestehen: Die Teilprojekte Erlebnisgastronomie, Archiv und Themenpfad werden künftig in Eigenregie weitergeführt.

Bild: regiosuisse.

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