Die Wissensplattform der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Handwerks- und Dienstleistungscenter Goms (Regio-Plus-Projekt von 2000 bis 2002)

Das Projekt sieht vor, in der Region Goms ein Handwerks- und Dienstleistungscenter zu errichten, das die kleingewerblichen Unternehmen aus der Region als Plattform für die wirkungsvolle Vermarktung ihrer Produkte und Dienstleistungen nutzen können. Grundsätzlich steht diese Plattform allen einheimischen Betrieben aus dem Handwerks- und Dienstleistungssektor zur Verfügung. In erster Linie ist sie jedoch für diejenigen Betriebe gedacht, die nicht rein baugewerblich ausgerichtet sind, sondern vermehrt dienstleistungsorientiert arbeiten und Nischenprodukte anbieten wollen – vom Schreiner, der selbst entworfene Möbel aus einheimischem Holz herstellt über den Schlosser, der nach Vorlagen eines Künstlers oder eigenen Vorstellungen kunstgewerbliche Gegenstände anfertigt bis zum Heizungsunternehmer, der eng mit der Forstwirtschaft zusammenarbeitet und neuartige, mit Holz betriebene Heizgeräte entwickelt. Allen Teilnehmern am Handwerks- und Dienstleistungscenter werden Grunddienstleistungen angeboten, so z.B. Ausstellungsräume, Sekretariatsdienste sowie Besprechungs- und Seminarräume. Zudem wird das Center als solches eine Marketingstrategie verfolgen, d.h. die Leitung wird in ihren Publikationen regelmässig für die Produkte und Dienstleistungen aller beteiligten Unternehmer werben und je nach Saison spezielle, themenbezogene Promotionsanlässe organisieren. Die Qualität des Projektes besteht also hauptsächlich darin, dass die für den Erfolg des einzelnen Unternehmers entscheidende Marketingorganisation gemeinsam und damit kostengünstig und effizient gestaltet und durchgeführt werden kann.

Trägerschaft

Genossenschaft Handwerks- und Dienstleistungscenter Goms.

Beteiligte Branchen/Gruppen

  • Öffentliche Hand
  • Gewerbe
  • Holzgewerbe
  • Metallverarbeitendes Gewerbe
  • Baugewerbe
  • Malergewerbe
  • Gastgewerbe
  • Haustechnik
  • Energiewirtschaft
  • Forstwirtschaft
  • Kunst
  • usw.
  • Handel
  • Tourismus

Gründe für das Projekt

Das Gewerbe in den Berg- und Randregionen befindet sich in einem Umstrukturierungsprozess. Die in diesen Regionen ansässigen Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen können in Zukunft nicht ausschliesslich in der Baubranche tätig sein, sondern müssen dienstleistungsorientierter arbeiten und vermehrt Marktnischen füllen. Im Baugewerbe hat sich die Auftragslage in den letzten Jahren derart verschlechert, dass sich die einzelnen Betriebe dem Dienstleistungssektor zuwenden müssen, wollen sie nicht Gefahr laufen, viele Arbeitsplätze zu verlieren. Hinzu kommt, dass das einzelne kleingewerbliche Unternehmen in der Regel nicht in der Lage ist, die für den Verkauf seiner Produkte und Dienstleistungen notwendige Infrastruktur bereitzustellen und ein effizientes Marketing zu betreiben.

Projektziele

1. Umstrukturierungsprozess
Eines der Hauptziele des Projektes besteht darin, den Umstrukturierungsprozess der gewerblichen Wirtschaft in allen Sektoren zu fördern.

2. Marktzugang
Die gemeinsame Plattform soll den beteiligten Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen den Marktzugang erleichtern.

3. Markteffizienz
Ein gemeinsamer und auf lange Sicht ausgelegter Marktauftritt soll die Effizienz für alle Beteiligten erhöhen und nachhaltig stärken.

4. Synergien
Durch die Zusammenarbeit innerhalb der gewerblichen Wirtschaft sollen zahlreiche Synergien entstehen: Vor allem im Bereich Marketing wird es zu Synergien kommen, da die am Park beteiligten Unternehmen dank der geplanten Verkaufsplattform regelmässig gemeinsam auftreten können und mit ihren Angeboten im Park ständig präsent sein werden. Nicht zuletzt entstehen auch im organisatorischen Bereich Synergien, da die beteiligten Betriebe die administrative und verkaufstechnische Infrastruktur gemeinsam nutzen.

Vorgehen und zeitlicher Rahmen

Projektdauer: 2 Jahre ab Februar 2000

Phase 1: Konzeption (Juli bis September 2000)

Grundlagenbericht und Grobkonzept (Juli 2000):

  • Inhalt
  • Trägerschaft
  • Form
  • Statuten

Detailkonzept und Genossenschaftsgründung (August und September 2000):

  • Betriebliche Gestaltung, Organisation, Führung
  • Architektonische Gestaltung
  • Kommunikationskonzept
  • Auftritt Internet

Phase 2: Umsetzung (Oktober 2000 bis Dezember 2001)

Marktauftritt 1. Teil (Oktober und Dezember 2000)

  • Angebote an alle Interessenten der Region, die sich am Center beteiligen möchten
  • Erweiterung der Genossenschaft

Marktauftritt 2. Teil (Januar bis Dezember 2001)

  • Parkteilnehmer präsentieren ihre Produkte und Dienstleistungen

Phase 3: Auswertung und Fortführung (ab Januar 2002)

  • Festlegung der langfristigen Strategie

Finanzieller Rahmen

Gesamtkosten: CHF 203'100.–

Auswirkungen des Projekts

...auf den Arbeitsmarkt

Die Arbeitsplätze in den gewerblichen Betrieben werden gesichert, und es entstehen langfristig neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Zudem wird die Qualität der Arbeit gesteigert, weil vermehrt Qualitäts- und Nischenprodukte hergestellt werden.

...auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Das Projekt fördert die regionale Wirtschaft und führt zu einer höheren Wertschöpfung, da im Produktions- und Dienstleistungssektor Kooperationsmöglichkeiten und damit Synergieeffekte entstehen. Langfristig wird sich das lokal ansässige Gewerbe vermehrt auf Dienstleistungen und Marktnischen konzentrieren und nicht mehr ausschliesslich auf die Baubranche ausgerichtet sein, d.h. der Strukturwandel in der Wirtschaft wird durch das Projekt aktiv unterstützt.

...auf die Umwelt

Es wird kein zusätzlicher Boden beansprucht, denn der Handwerks- und Dienstleistungspark liegt gut erschlossen an Bahn und Strasse. Die Räumlichkeiten werden angemietet und müssen nicht vorgängig erstellt werden. Auch Parkplätze sind genügend vorhanden.

Was die Angebote der am Park beteiligten Betriebe angeht, sind vor allem im Bereich Energie verschiedene innovative Produkte und Dienstleistungen vorgesehen, bei denen der schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen im Mittelpunkt steht. So wollen die einheimischen Elektrizitätsunternehmen z.B. Möglichkeiten und Techniken für den rationellen Energieverbrauch aufzeigen und auf die Bedeutung der einheimischen Wasserkraft hinweisen.

Modellcharakter des Projekts

Das Projekt ist neuartig, da es erstmals konkret die Zusammenarbeit von Betrieben verschiedener Branchen fördert. Neben wirksamen Kooperationsformen unterstützt das Projekt ausserdem die Innovationsbereitschaft der einzelnen Unternehmen – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe in den Berg- und Randregionen auch in Zukunft bestehen und sich kontinuierlich weiterentwickeln können. Das Projekt ist folglich nicht nur regional, sondern auch überregional von Bedeutung.

Projektleitung

Alphons Imhasly
Beratung, Planung und Treuhand AG (BPT)
3994 Lax
Tel. 027/971 14 10
Fax 027/971 33 07

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Bild: regiosuisse.

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