Jakobsweg (Regio-Plus-Projekt 1997 bis 1999)

Das Projekt gründet auf der Jahrhunderte alten Tradition, nach Santiago de Compostela in Spanien zu pilgern. Der Jakobsweg besteht aus einem europaweiten Pilgerwegnetz. Die Verantwortlichen haben die Projektstrecke Einsiedeln − Schwyz − Brunnen − Luzern − Werthenstein − Willisau − Huttwil − Burgdorf − Gümligen − Rüeggisberg ausgewählt. In einer ersten Phase sanieren und signalisieren Angehörige eines Beschäftigungsprogrammes für Erwerbslose den Weg. Anschliessend wird ein pilgerspezifisches Animationsprogramm geschaffen, das den Besucherinnen und Besuchern ermöglicht, sich mit aktuellen Themen und Werten des gesellschaftlichen Lebens auseinanderzusetzen. So werden entlang der Projektstrecke 14 Pilgerstationen zu Themen wie Arbeit, Zeit, Geld, Solidarität, Hoffnung usw. eingerichtet. Wichtige Grundlage des Projekts bilden die weitgehend intakte Landschaft, das reichhaltige kulturelle und kulturhistorische Erbe sowie weitere touristische Potenziale der beteiligten Regionen. Landwirtschaft, Handel, Gewerbe, Hotellerie und Transportunternehmen entlang der Strecke haben die Chance, ihr Angebot auf den Pilgertourismus abzustimmen.

Trägerschaft

Caritas Schweiz und Bethlehem Mission Immensee

Beteiligte Branchen

  • Soziale Institutionen
  • Regionale Wirtschaftsverbände
  • Gastgewerbe
  • Hotellerie
  • Tourismus
  • Transportunternehmen
  • Gemeinden
  • Landwirtschaft

Gründe für das Projekt

Pilgern ist im Trend. Auch der Jakobsweg zieht Jahr für Jahr mehr Besucherinnen und Besucher an, die auf der Suche nach spirituellen Werten sind. Die Projektverantwortlichen möchten die Pilgernden darüber hinaus für aktuelle soziale Themen sensibilisieren. Der wachsende Pilgertourismus bietet gleichzeitig die Möglichkeit, um in den beteiligten Regionen wirtschaftliche und kulturelle Impulse auszulösen, ohne die Umwelt zu belasten. Landwirtschaft, Detailhandel, Gastronomie, Hotellerie, Gewerbe und Transportunternehmen verfügen diesbezüglich über ein Potenzial, das es auszuschöpfen gilt. Das Projekt bietet sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten für Erwerbslose und kann überdies die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Heimat stärken.

Der Europarat hat die Bewahrung und Wiederbelebung der Jakobswege zur gesamteuropäischen Kulturaufgabe erklärt. Sie sind zudem auf der Liste der UNESCO-Weltkulturgüter.

Projektziele

  • Die Chancen arbeitsloser Menschen auf dem Arbeitsmarkt mit Beschäftigungsprogrammen erhöhen und dadurch ihre wirtschaftliche Situation verbessern.
  • Wirtschaftliche Entwicklungsimpulse in den beteiligten Regionen auslösen, insbesondere durch die Nutzung und Vermarktung touristischer Angebote entlang des Jakobsweges.
  • Pilgerinnen und Pilgern die vielfältige Geschichte, Kultur, Landschaft und Wirtschaft der beteiligten Regionen näher bringen.
  • Ein attraktives Angebot bereitstellen, das den materiellen und immateriellen Bedürfnissen der Pilgerinnen und Pilger entgegenkommt.
  • Möglichst vielen Menschen unabhängig von Herkunft, Alter und Weltanschauung die Gelegenheit bieten, sich mit spirituellen, sozialen, ökologischen und ökonomischen Themen sowie mit aktuellen Menschenrechtsfragen zu beschäftigen.

Vorgehen und zeitlicher Rahmen

Die Realisierungsdauer beträgt 32 Monate (Januar 1997 bis August 1999). Sie umfasst folgende Massnahmen:

  • Projektkonzept; Festlegen der strukturellen Rahmenbedingungen
  • Bestandesaufnahme des Pilgerwegs sowie interessanter Themen und Objekte aus Kultur, Geschichte, Landschaft und Architektur entlang der Route.
  • Sicherstellung der Projektfinanzierung, Gesuche an die öffentliche Hand, an Stiftungen, Spenderinnen und Spender sowie an Sponsoren.
  • Instandstellen, Ergänzen und Signalisieren des Wegs.
  • Produktion von Informations- und Werbematerial (Pilgerbroschüre)
  • Bereitstellen des Animationsprogrammes entlang der Strecke
  • Planen und Initiieren der Öffentlichkeitsarbeit.
  • Durchführen diverser Anlässe im «Jakobsjahr» 1999
  • Eröffnung des Jakobsweges zwischen Einsiedeln und Schwarzenburg: Juli 1999.

Finanzieller Rahmen

Gesamtkosten: CHF 750'668.–

Auswirkungen des Projekts...

... auf den Arbeitsmarkt

Der Jakobsweg ist ein Impulsprojekt, das sich vor allem auf den Tourismus positiv auswirkt. Insbesondere eröffnet sich dem Gastgewerbe und der Parahotellerie ein neuer Gästekreis. Den Landwirtinnen und Landwirten bieten sich neue Einkommensquellen durch Direktverkauf und «Verpflegung auf dem Bauernhof». Arbeit entsteht aber auch durch die Instandstellung und den Unterhalt des Pilgerwegs.

... auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Der Jakobsweg bietet eine attraktive Plattform, ...

... den Absatz landwirtschaftlicher Produkte und Dienstleistungen zu fördern, ... die Produkte- und Dienstleistungspalette der Landwirtschaft zu diversifizieren, ... die Parahotellerie auszubauen, ... den Detailhandel durch pilgerspezifische Angebote zu diversifizieren, ... die Rentabilität der öffentlichen Verkehrsmittel zu steigern und ... die kulturellen Aktivitäten zu fördern.
Der Pilgertourismus kann Synergien auslösen und den Anstoss zu weiteren innovativen Projekten geben. Die Aufwertung des kulturellen und kulturhistorischen Angebotes steigert auch die Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung.

... auf die Umwelt

Die Pilgerbewegung fördert den sanften Tourismus. Das Projekt zielt nicht auf grosse, konzentrierte Anlässe. Landschaft und Natur entlang der Route werden durch die zeitliche und räumliche Verteilung der Besucherinnen und Besucher geschont.

Modellcharakter des Projekts

Das Projekt adaptiert das Pilgern auf die heutigen spirituellen, sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten. Es verbindet materielle mit immateriellen Werten. Gleichzeitig fördert die Wanderbewegung den Austausch zwischen Stadt und Land sowie zwischen verschiedenen sozialen Gruppen. Der Jakobsweg gibt Impulse, um andere Pilger- oder Wanderwege neu zu beleben.

Projektleitung

Monika Studer
Caritas Schweiz
Löwenstrasse 3
6002 Luzern
Tel. +41 41 419 22 22
Fax: +41 41 419 24 24
Email: info@caritas.ch

Aus dem Schlussbericht

Das Projekt wurde kostengünstiger realisiert als budgetiert und gab der Region wertvolle Impulse in verschiedener Hinsicht:

Wirtschaftlich

Die Projektstrecke von Einsiedeln über Luzern nach Rüeggisberg wirkte sich vor allem bei den Tourismusanbietern, dem Gastgewerbe, der Hotellerie, dem Detailhandel sowie bei den landwirtschaftlichen Betrieben positiv aus. Dank dem Pilgertourismus konnten diese ihr Übernachtungs-, Verpflegungs- und Transportangebot ausbauen. Das Projekt trug wesentlich dazu bei, den Jakobsweg in der Region bekannter zu machen. Allein die von Caritas herausgegebene Publikation «Ein gutes Stück Weg - Auf dem Jakobsweg zwischen Einsiedeln und Rüeggisberg» ist bisher weit über 1000 Mal verkauft worden. Detailliert beschrieben wird die Streckenvariante der Caritas Schweiz und der Bethlehem Mission Immensee auch auf der Website www.jakobsweg.ch, die von der Volkswirtschaftskammer Berner Oberland initiiert wurde.

Kulturell und spirituell

Zur Attraktivität des Jakobswegs tragen vor allem die vielfältigen Angebote entlang der Projektstrecke bei. Dazu gehören insbesondere die so genannten Einstiegsrituale, Pilgerstationen und Wegzeichen, die bei den Besucherinnen und Besuchern sehr gut ankommen. Die Angebote regen zur Auseinandersetzung mit kulturellen, spirituellen und sozialpolitischen Themen an. Das Projekt fördert aber auch den Austausch zwischen Menschen aus der Stadt und vom Land sowie aus unterschiedlichen sozialen Gruppen.

Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten

Der Erfahrungsaustausch mit anderen Beteiligten - namentlich mit der Volkswirtschaftskammer Berner Oberland und regionalen Wirtschaftsverbänden - hat sich gut eingespielt. Eine sehr gute Zusammenarbeit ergab sich insbesondere mit der Organisation RegioHER (Hinterland-Entlebuch-Rottal) sowie mit der Region Trachselwald und vielen Gemeinden am Weg.

In den Medien ist das Projekt auf ein sehr gutes Echo gestossen. Zudem konnten Kontakte zu verschiedenen Personen geknüpft werden, die sich schon lange intensiv mit dem Pilgern befassen. Dank ihrem Engagement und den diversen «Patinnen» und «Paten», die sich regelmässig um den Wegabschnitt kümmern, bleibt das Pilgerangebot zwischen Einsiedeln und Rüeggisberg auch in Zukunft erhalten und wird zum Teil sogar weiter ausgebaut.

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Bild: regiosuisse.

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