Die Wissensplattform der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Micro Center Central-Switzerland (Regio-Plus-Projekt 2000 bis 2003)

Im globalen Wettbewerb ist die Industrie mehr denn je auf den engen Kontakt zu Universitäten, Fachhochschulen und anderen wissenschaftlichen Institutionen für Forschung und Entwicklung angewiesen. Auf dem Gebiet der Mikrosystemtechnik fehlen in der Zentralschweiz entsprechende Ansprechpartner. Diese Lücke wollen die Projektverantwortlichen mit dem Micro Center Central-Switzerland (MCCS) schliessen. Ende April 2000 wurde die Micro Center Central-Switzerland AG gegründet, die zusammen mit dem Forschungspartner Centre Suisse d'Electronique et de Microtechnique SA (CSEM) in Alpnach (OW) ein Kompetenzzentrum für Mikrosystemtechnik aufzubauen will. Dort soll speziell im Bereich Mikrorobotik geforscht und andwendungsorientiert entwickelt werden. Ein zentrales Technologiemanagement fördert die Vernetzung des vorhandenen Know-hows und ermöglicht einen grenzübergreifenden Austausch zwischen den beteiligten Unternehmen und Ausbildungsstätten. Das Center soll zudem die Ansiedlung neuer Unternehmen unterstützen sowie Spin-Offs und Start-Ups begünstigen. Dies um einerseits die Basistechnologien zu ergänzen und andererseits das Angebot an Produkten mit Mikrosystemtechnik zu erweitern.

Trägerschaft:

Micro Center Central-Switzerland AG (13 Zentralschweizer Industriebetriebe)

Beteiligte Branchen/Gruppen

  • Industrie aus verschiedenen Branchen
  • Gewerbe
  • Wissenschaft
  • Öffentliche Hand
  • Bildungseinrichtungen

Gründe für das Projekt

Die Mikrosystemtechnik eröffnet der Industrie in den nächsten Jahren völlig neue Möglichkeiten. Leistungsstarke Mikrokomponenten werden die Fertigungskosten für technisch anspruchsvolle Systeme markant senken. Das MCCS trägt dazu bei, die Zentralschweiz zu einer Kompetenzregion für Mikrosystemtechnik mit internationaler Bedeutung zu entwickeln. Regionale Unternehmen, bei denen die Mikrosystemtechnik strategische Bedeutung hat, sollen dadurch langfristig wettbewerbsfähiger werden. Gleichzeitig will man günstige Rahmenbedingungen für die Ansiedlung neuer Unternehmen in diesem Bereich schaffen. Schliesslich geht es darum, das relevante Bildungsangebot auszubauen und zu optimieren.

Projektziele

  • 1. Aufbau eines Kompetenzzentrums für Mikrosystemtechnik mit Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in der Zentralschweiz; Schwerpunktthema: «Mikrorobotik».
  • 2. Vernetzung des Know-hows der in der Zentralschweiz ansässigen Firmen und Ausbildungsstätten mit Interesse an Mikrosystemtechnologie durch zentrales Technologiemanagement.
  • 3. Förderung der Ansiedlung neuer Unternehmen, Spin-Offs und Start-Ups zur Ergänzung der Basistechnologien und Ausweitung des Angebots an Produkten mit Mikrosystemtechnik.
  • Zeitlicher Rahmen und Vorgehen

Projektdauer: 2000 bis 2003

Die wichtigsten Aktivitäten sind:

2000: Schaffung der rechtlichen Grundlagen, Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit, Aufnahme der Tätigkeit durch das CSEM

2001: Verbreiterung der Aktionsbasis (Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, Vernetzung der Unternehmen etc.), Sicherung der finanziellen Basis

Finanzieller Rahmen

Für die im Rahmen von REGIO PLUS unterstützte Projektentwicklung wird mit Gesamtkosten von CHF 1'000'000.– gerechnet.

Das MCCS gliedert sich in zwei Bereiche: Forschung und Entwicklung. Die (Grundlagen- und angewandte) Forschung rechnet mit jährlichen Kosten von rund CHF 3.5 Mio., die durch die öffentlichen Hand bzw. Dritte gedeckt werden müssen. Die Entwicklung finanziert sich aus Industrieaufträgen.

Das MCCS nimmt seine Tätigkeit in gemieteten Räumlichkeiten auf und erwägt mittelfristig den Bau eines Businesspark.

Auswirkungen des Projekts ...

... auf den Arbeitsmarkt

Dank dem Projekt entstehen innerhalb der nächsten fünf Jahre rund hundert, zum Teil hoch qualifizierte Arbeitsplätze direkt beim MCCS. Gleichzeitig kann das Stellenangebot bei den technologie-orientierten Unternehmen in der Zentralschweiz ausgebaut und langfristig gesichert werden.

... auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Das MCCS trägt dazu bei, in der Zentralschweiz einen Mikrosystemtechnologie-Cluster zu realisieren, welcher der Region eine neue Entwicklungschance bietet. Für Unternehmen sollen damit aber auch die Wettbewerbsbedingungen angesichts des ausgetrockneten Arbeitsmarktes (Arbeitslosigkeit Anfang 2000: 0,5%) optimiert werden.

... auf die Umwelt

Die Projektverantwortlichen streben ein qualitatives Wachstum unter Schonung der natürlichen Ressourcen an.

Modellcharakter des Projekts

Mit dem MCCS will Obwalden ein regionales Wettbewerbspotenzial ausschöpfen. In der Regel werden derartige Projekte von (Fach-)Hochschulen gestartet. Hier kam die Initiative von privater Seite. Neu ist, dass Unternehmen, die sich teilweise sowohl auf dem Absatz- wie auch auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzieren, in Forschung und Entwicklung zusammenarbeiten wollen. Die angestrebte Unterstützung durch die Zentralschweizer Kantone ist zudem wegweisend für kantonsübergreifende Kooperationsprojekte. Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie Privatwirtschaft und öffentliche Hand zusammengehen, um eine regionale Entwicklungschance zu nutzen.

Projektkoordination

Micro Center Central-Switzerland
Bruno R. Waser
Postfach 730
6060 Sarnen 2
Tel. +41 41 672 75 60
Fax. +41 41 672 75 61
Email: info@mccs.ch
Website

Aus dem Schlussbericht

Am 27. April 2000 wurde die Micro Center Central-Switzerland AG (MCCS AG) mit Sitz in Alpnach gegründet. Inzwischen beteiligen sich 12 Unternehmen als Aktionäre, darunter namhafte Produktions- und Technologie-Unternehmen der Zentralschweiz sowie das Centre Suisse d'Electronique et de Microtechnique S.A (CSEM) und die Obwaldner Kantonalbank.

Im Oktober 2000 konnte in Alpnach eine Forschungsstätte in Betrieb genommen werden: 24 festangestellte Ingenieure und Physiker, fünf Doktoranden, ein Post Doc und ein Maturand arbeiten zurzeit im CSEM Alpnach.

Bis im Jahr 2005 soll in der Zentralschweiz ein Schwerpunkt für technische Berufslehren in der Mikrotechnologie geschaffen werden. Mehrere Weiterbildungsangebote sind im Rahmen des Projekts bereits entstanden: So schrieb zum Beispiel die Hochschule für Technik und Architektur (HTA) der Fachhochschule Zentralschweiz (FHZ) im Herbst 2002 erstmals zwei Seminare sowie ein Nachdiplomstudium zum Themenbereich Mikrotechnologie aus. Die Hochschule für Wirtschaft (HSW) der Fachhochschule Zentralschweiz (FHZ) konnte im Rahmen der Management-Weiterbildungsstufe (MWS executive MBA) für Betriebsökonomen ein einwöchiges Modul für Innovations- und Technologie-Management konzipieren und durchführen.

Aus dem CSEM konnten in der Zentralschweiz drei Start-Ups gegründet werden. Auch die Wirtschaftspartner der MCCS AG wurden aktiv: In einzelnen Unternehmen entstanden in der Folge spezielle Mikrotechnologie-Abteilungen. Beim Roche Instruments-Center in Rotkreuz wurde beispielsweise ein Mikrotechnologie-Zentrum mit 18 Arbeitsplätzen aufgebaut. Insgesamt entstanden bei den MCCS-Aktionären in den Jahren 2001 bis 2003 rund 75 Arbeitsplätze im Zusammenhang mit Mikrotechnologie-Aktivitäten. Dazu kommen 24 Arbeitsplätze am CSEM in Alpnach sowie rund 20 Arbeitsplätze bei zwei Start-Up-Unternehmen des CSEM.

Der Verwaltungsrat der MCCS AG hat im Jahr 2000 beschlossen, den Bau eines eigenen Gebäudes für Forschung, Entwicklung und Arbeitsraum für Jungunternehmen vorerst aufzuschieben, bis die Aktivitäten des CSEM richtig in Gang sind und sich die Bedürfnisse besser einschätzen lassen. Bis dahin hat sich das CSEM in einer bestehenden Industrieliegenschaft in Alpnach-Dorf eingerichtet.

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Bild: regiosuisse.

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