Die Wissensplattform der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Miscanthus: Biologisch abbaubare Werkstoffe (Regio-Plus-Projekt 2001 bis 2006)

Die Miscanthus-Pflanze (Chinaschilf) ist ein nachwachsender und biologisch abbaubarer Rohstoff. Die Projektträger haben daraus ein Granulat entwickelt, das sich für die industrielle Fertigung von Kunststoff-Spritzgussteilen (vor allem Chip- und Kreditkarten) eignet. Ziel ist es, diesem Granulat als ökologische Variante zu den herkömmlichen Kunststoffprodukten auf Erdölbasis auf dem Markt zum Durchbruch zu verhelfen. Das Marktpotenzial für entsprechende Produkte ist riesig; so hat allein die Swisscom einen jährlichen Bedarf an Chipkarten von bis zu 20 Millionen Stück. Ein anderes Miscanthus-Produkt ist Faserleichtbeton. Hier geht es vor allem darum, die relevanten Zielgruppen (Bauherren, Architeken, Baufachleute) von den Vorteilen dieses biologischen Baustoffes zu überzeugen und entsprechende Partnerschaften aufzubauen. Gleichzeitig sollen die bestehenden Miscanthus-Produkte – Einstreu für Tiergehege sowie Miscanthus als Gartenpflanze – besser vermarktet werden. Darüber hinaus will man aber auch neue Produkte entwickeln. So etwa ein Kultursubstrat für den Gartenbau, Schilfplatten oder Pressteile.

Trägerschaft

IG Miscanthus

Beteiligte Branchen

  • Landwirtschaft
  • Gewerbe
  • Handel
  • Industrie
  • Wissenschaft/Bildung
  • Umweltschutz

Gründe für das Projekt

Der Anbau und die Verarbeitung von Miscanthus bietet Landwirten die Chance, im Sinne der aktuellen Agrarpolitik in neue Märkte zu diversifizieren und so den Absatzrückgang bei anderen Produkten zu kompensieren. Das Marktpotenzial ist vorhanden, dies zeigt die zunehmende Nachfrage nach ressourcenschonenden Rohstoffen.

Das Miscanthus-Granulat kann weitgehend auf den gleichen Produktionsanlagen und Werkzeugen verarbeitet werden wie der Rohstoff auf Erdölbasis. Trotzdem hat sich die Entwicklung marktreifer Produktlinien als sehr schwierig und aufwändig erwiesen. Trotz grossen Vorleistungen durch die Miscanthus-Produzenten ist es bis heute nicht gelungen, eine Verwertungslinie mit hoher Wertschöpfung zu realisieren. So wurde der jährlich anfallende Miscanthus lediglich als Einstreu für Tiergehege oder als Gartenbaumulch verwertet. Mit professionellen Strukturen soll sich dies nun ändern. Das Know-how für neue Produkte ist vorhanden. Nun geht es darum, diese auch umzusetzen und in der Industrie und im Bau zu vermarkten.

Ausserdem leistet das Projekt einen Beitrag zur Lösung von Umwelt-, insbesondere Entsorgungsproblemen.

Projektziele

  • Wertschöpfung aus dem Miscanthus steigern
  • Langfristige Partnerschaften zwischen Miscanthus-Produzenten sowie den industriellen und gewerblichen Vertretern aufbauen
  • Ökologische Alternativen zu den herkömmlichen Bau- und Kunststoffen fördern und besser vermarkten
  • Durch den Aufbau ökologischer Produktlinien das Image der Landwirtschaft generell verbessern
  • Heutige Miscanthus-Flächen erhalten - aus agrarpolitischer Sicht (Reduktion von Getreideflächen, Entwicklung innovativer Produktelinien) sowie aus ökologischer Sicht (Schutz vor Erosion und Auswaschung, Lebensraum für verschiedenste Tierarten, keine chemischen Eingriffe notwendig, geringe mechanische Belastung der Anbauflächen)
  • Zusammenhalt unter den Miscanthus-Produzenten stärken

Vorgehen

Wichtigste Tätigkeiten 20022005: 

  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Entwicklung neuer Produkte und Aufbau neuer Kooperationen im Bereich Granulat und Faserleichtbeton
  • Anpassung der Miscanthus-Produktion an die Nachfrage

Eine Geschäftsstelle mit entsprechendem Pflichtenheft besteht bereits. Zudem erhielten die Projektträger bereits die ISO-Zertifizierung für das Granulat und die Faserleichtbeton-Bauweise. Mit der Swisscom (jährlicher Chipkartenbedarf von bis zu 20 Millionen Stück) wurden bereits erste Gespräche geführt.

Zeitlicher Rahmen

Projektdauer: 5 Jahre ab Januar 2001

Finanzieller Rahmen

Gesamtkosten: CHF 1'135'000.–

Auswirkungen des Projekts...

... auf den Arbeitsmarkt und die regionale Wirtschaftsstruktur

Sowohl im Kunststoffbereich als auch bei den Baustoffen besteht ein grosses Marktpotenzial für nachwachsende Rohstoffe. Aber auch die enge Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Gewerbe, Industrie und Handel sowie der überregionale und -kantonale Charakter des Projektes schaffen die Voraussetzungen für neue Arbeitsplätze. Miscanthus bietet Landwirten die Chance mit einem wertschöpfungsintensiven Produkt zu diversifizieren. Bis zu einem gewissen Grad können sie zudem einzelne Verarbeitungsschritte übernehmen. Profitieren dürften auch KMUs, die sich mit ökologischen Produkten auf dem Markt positioniert haben.

... auf die Umwelt

Mit «Miscanthus» wird ein nachwachsender und biologisch abbaubarer Rohstoff gefördert, vorab für die Kunststoffindustrie und die Baubranche. Um den Transport zu minimieren, soll der Anbau möglichst dezentral erfolgen.

Modellcharakter des Projekts

Das Projekt entspricht den Kriterien der Nachhaltigkeit und hilft den ländlichen Regionen, ein brachliegendes Entwicklungspotenzial auszuschöpfen. Die durchschnittliche Benutzungsdauer von Chip- und ähnlichen Karten beträgt heute drei Tage. Deren Kompostierbarkeit ist für ökologisch ausgerichtete Unternehmen in diesem Markt ein wichtiges Marketingargument. Miscanthus-Bauelemente schonen die Ressourcen, genügen baubiologischen Ansprüchen und bieten dem lokalen/regionalen Gewerbe neue Absatzchancen. Gleichzeitig ist «Miscanthus» ein Beitrag, um die Ziele der Agrarpolitik umzusetzen.

Projektleitung

Kurt Hügi
Inforama Seeland
3232 Ins
Tel. +41 32 312 91 11/12
Fax +41 32 312 91 03

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Bild: regiosuisse.

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