Bild: Claudia Brandenberger.

«Es braucht manchmal nicht viel»

Markus Glättli bietet Wander-, Schneeschuh- und E-Bike-Touren in der ganzen Schweiz und dem Ausland an. Er berichtet, wie er mit Herzblut und Eigeninitiative sein Hobby zum Beruf machen konnte, wie er dadurch etwas mehr Wertschöpfung in weniger bekannte Regionen bringt und welche Erfolgsfaktoren zum Gelingen seines Vorhabens beigetragen haben.

Ein Artikel der sanu in Zusammenarbeit mit regiosuisse.

«Ich befinde mich aktuell gerade auf einer Wandertour in Finnisch-Lappland», sagt Markus Glättli per Telefon. «Ich hoffe, Sie können mich verstehen.» Ja, die Verbindung passt – und wenn das Interview zu einem anderen Zeitpunkt stattgefunden hätte, wäre die Verbindung vielleicht weniger ein Problem: Viele von Markus Glättlis geführten Touren finden in der Schweiz statt, an der Lötschberg Südrampe, im Val Müstair oder im Naturpark Doubs. «Ich versuche, meine Wandertouren nicht in touristischen ‘Hotspots’ durchzuführen, sondern in etwas weniger bekannten Regionen», sagt Glättli. Das habe den Vorteil, dass es dort weniger Konkurrenz gäbe. Allerdings sei es dadurch aber auch etwas schwieriger, genügend Teilnehmende für seine Touren zu gewinnen. «Schliesslich ist es mir aber wichtig, auch meinen bescheidenen Teil dazu beizutragen, dass diese Regionen etwas mehr vom Tourismus profitieren können, die Teilnehmenden weniger bekannte Orte in der Schweiz kennenlernen und ich sie mit lokalen Geschichten begeistern kann», so der ausgebildete Wanderleiter mit eidg. Fachausweis.

Vom Hobby zum Beruf

Bereits seit vielen Jahren organisiert Markus Glättli geführte Wander-, Schneeschuh- und E-Bike-Touren. Angefangen hat es als Hobby, das sich zur Teilzeitarbeit entwickelte. Vor fünf Jahren kam jedoch ein Wendepunkt. «Ich musste mich entscheiden, ob ich meine ständig wachsende Tätigkeit als Tourenleiter zu meinem Vollzeiterwerb machen möchte oder sie reduziere», sagt Glättli. Denn damit sei ein gewisser administrativer Aufwand unabhängig vom Pensum verbunden. Was ihn bisher daran hinderte, war fehlendes Know-how: Wie kann man sichergehen, dass genügend Leute das Angebot buchen? Wie kann man es besser vermarkten? Was bieten seine Angebote den Kunden für einen Mehrwert? Hier kam ihm der sanu-Zertifikatskurs «Tourismus. Ganz natürlich» zugute. «Ich besuchte den Kurs, um zu lernen, wie ich meine Angebote und deren Vorteile besser kommunizieren kann», sagt Glättli. Resultiert ist eine systematische Kommunikation seiner Touren über die Website von Schweiz Tourismus, die Verbreitung seiner Angebote über bestehende Kunden, die eigene Website und Werbung bei verschiedenen Organisationen und lokalen Tourismusbüros. «Dadurch konnte ich tatsächlich mehr Buchungen generieren.» Der fachliche Input habe ihm viel gebracht und ihn schliesslich dazu bewogen, den Sprung in den Vollzeiterwerb zu wagen.

Etwas mehr Wertschöpfung in weniger bekannten Regionen

Mittlerweile kann Markus Glättli von seinen Touren leben. Und davon profitieren auch die Leute in den Regionen. «Wir übernachten in Berghütten, für Teilstrecken engagiere ich lokale Bergführer und natürlich sind wir auf die Bergbahnen angewiesen, die uns einen knieschonenden Abstieg ermöglichen», erzählt Glättli. Zudem versuche er, seine Touren immer mit lokalen Geschichten zu verbinden. Ihm sei bewusst, dass sein Beitrag zur lokalen Wertschöpfung bescheiden sei. «Aber ich habe auch schon positive Rückmeldungen von der lokalen Bevölkerung erhalten, dass ich mit meinen Wandergruppen ihre Region besuche – es braucht manchmal eben nicht so viel.»

Möglichkeiten zur Förderung der Angebots- und Produktentwicklung im Tourismus im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Unterstützt wird die Entwicklung marktfähiger Tourismusprodukte und -dienstleistungen wie Erlebnis-Packages, Indoor-/ Outdoor-Aktivitäten oder Markenentwicklungsprozesse. Neue Produkte und Angebote reichern die regionalen Wertschöpfungssysteme an bzw. schaffen neue und generieren damit zusätzliche Einkommensmöglichkeiten. Projekte können auch Abklärungen zu Wertschöpfungsprozessen und Marktpotenzialen oder Bündelungen von Angeboten zu erweiterten Wertschöpfungsketten umfassen.

Mehr Informationen

Bild: Markus Glättli (Quelle: Claudia Brandenberger).

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