Die Wissensplattform der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Öko-Projekt Nordbünden (Regio-Plus-Projekt 1996 bis 1998)

Nach ökologischen Kriterien entsteht ein regionaler, geschlossener Wirtschaftskreislauf. Das heisst: Ökologische Produkte werden in der Region hergestellt, verarbeitet, vermarktet und konsumiert. Zu diesem Zweck werden Unternehmen zertifiziert, die sich zur ökologischen Betriebsführung und zur Abnahme ökologisch hergestellter Produkte verpflichten. In weiteren Projektschritten soll die Idee des regionalen Wirtschaftskreislaufes auf den ganzen Kanton ausgedehnt werden. Auch die Transportlogistik ist nach ökologischen Kriterien zu organisieren.

Trägerschaft

Verein Ökomarkt (VÖM) Graubünden sowie verschiedene regionale Organisationen und Ämter

Beteiligte Branchen

  • kurzfristig: Landwirtschaft und Tourismus
  • mittelfristig: praktisch alle in der Region angesiedelten Branchen 

Gründe für das Projekt

Die Region Nordbünden hat mit Abwanderung zu kämpfen. Als Folge ist die Bewirtschaftung und damit die Erhaltung der Landschaft gefährdet.

Bei bisherigen Projekten, vor allem in der Landwirtschaft, wurden Betriebe und Produkte unterstützt, während das Problem der Vermarktung in den meisten Fällen ungelöst blieb; weitere Subventionen wurden notwendig. Der VÖM will mit geeigneten Mitteln (z.B. Hotelzertifizierungen) zuerst die Nachfrage schaffen. Die Erfahrung zeigt, dass die Produzenten ihr Angebot sehr rasch dem Markt anpassen.

Projektziele

  • Wertschöpfung erhöhen und damit Arbeitsplätze in der Region erhalten und neue schaffen
  • Nachfrage nach ökologisch hergestellten Produkten stärken
  • Umweltbelastung vermindern
  • Tourismus fördern
  • Abwanderung vermindern
  • Landschaft erhalten
  • Selbstbewusstsein der Region fördern

Vorgehen

Zunächst wird die Nachfrage des Gastgewerbes (später auch des Detailhandels) nach regionalen, ökologisch hergestellten Produkten gefördert. Hotels, die sich zur Abnahme der entsprechenden Produkte verpflichten, werden nach einem detaillierten Kriterienkatalog mit einem speziellen Öko-Label ausgezeichnet. Hersteller und Produkte erhalten ebenfalls Öko-Zertifikate oder -Deklarationen, um den Kreislauf qualitativ hochwertiger Produkte zu schliessen. Schritt für Schritt sollen weitere Branchen in den Öko-Produkte-Kreislauf einbezogen werden.

Zeitlicher Rahmen

  • Gründung des Vereins Ökomarkt Graubünden (VÖM) 1993.
  • Projektstart im Frühjahr 1996.
  • Zertifizierung von (Pilot-)Hotels bereits seit 1995
  • Zertifizierung von Produkten und Landwirtschaftsbetrieben seit Mitte 1996
  • Einrichtung der Nachfrage-Angebots-Vermittlungsstelle im April 1997
  • Zertifizierung weiterer Betriebe ab Ende 1998

Finanzieller Rahmen

Gesamtkosten: Fr. 802'000.–

Auswirkungen des Projekts...

... auf den Arbeitsmarkt

Weil die Wertschöpfung in der Region bleibt, werden Arbeitsplätze erhalten oder geschaffen. Um der Abwanderung entgegenzuwirken, soll insbesondere die Qualität der Arbeitsplätze (abwechslungsreichere Arbeit) gesteigert werden.

... auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Es wird eine neuer Wirtschaftskreislauf aufgebaut, von dem zunächst nur die Landwirtschaft und der Tourismus betroffen sind. Längerfristig, wenn vermehrt Zulieferfirmen zertifiziert sind, sollen aber praktisch alle Branchen am Projekt teilhaben können.

Zertifizierte Betriebe können sich auf dem Markt ökologisch profilieren.

... auf die Umwelt

Ökologisch hergestellte Produkte werden möglichst nah am Produktionsort verwendet, wodurch sich die Transporte zwangsläufig vermindern. Niedrigerer Energieverbrauch und geringere Luftbelastung sind die Folge.

Die Förderung der ökologischen Produktion im primären Wirtschaftssektor beeinflusst die Landschaft direkt: Extensive Nutzung und Bewirtschaftung sonst brachliegender Flächen sind nur zwei Beispiele dafür.

Modellcharakter des Projekts

Das Öko-Projekt Nordbünden basiert nicht auf der direkten Vermarktung von ökologischen Produkten im herkömmlichen Sinne. Vielmehr wird versucht, einen gesamten Wirtschaftskreislauf aufzubauen und zu fördern. Durch die Nachfrage nach ökologischen Leistungen sollen Produzenten und Verarbeiter einen Anreiz erhalten, eher auf neue Produkte umzustellen; sie müssen sich den Markt nicht erst noch schaffen.

Betriebe werden ganzheitlich nach ökologischen Kriterien beurteilt. Die verbesserten Leistungen in Landwirtschaft und Hotellerie tragen zur Qualitätssteigerung im Bündner Tourismus bei.

Projektleitung

Christoph Jaag
Hof de Planis
7226 Stels
Tel./Fax: +41 81 328 11 49

Stand des Projekts, Januar 2000

Das bewährte Hotelzertifizierungssystem wird grundlegend überarbeitet, modular aufgebaut, mit ISO-Zertifizierungen abgestimmt und auf weitere Branchen ausgedehnt. Das System steht am Anfang der Testphase und wird im Frühling 2000 im Hotelbereich und in einer zusätzlichen Branche lanciert. Im Sinne der Nachhaltigkeit werden nicht mehr nur umweltrelevante, sondern auch soziale und wirtschaftliche Fragestellungen bei der Zertifizierung berücksichtigt. Die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe bleibt ein wichtiges Anliegen.

Aus dem Schlussbericht

Wissen, wie umweltfreundlich man seine Ferien verbringt  zur Kennzeichnung ökologisch sinnvoll geführter Betriebe in Nordbünden hat der Verein ein neues Logo entwickelt: den Steinbock. Hotels und Restaurants erhalten damit einen Anreiz für eine ökologisch sinnvolle Führung ihres Betriebs und Kunden können sich ihr Feriendomizil gezielt aussuchen.

Die Projektleiter hatten verschiedene Hürden zu nehmen: Die ersten Erfahrungen in der Hotelbranche waren zwar positiv. Gleichzeitig zeigte sich aber, dass der erforderliche Aufwand für jede weitere Branche zu gross gewesen wäre. Die ursprünglich vorgesehenen Bedingungen für eine Zertifizierung erwiesen sich zudem als nicht realistisch. Ausschliesslich streng nach ökologischen Richtlinien geführte Hotels hätten mit dem Steinbock-Logo ausgezeichnet werden können. Das Konzept wurde deshalb überarbeitet: Soziale und wirtschaftlich Komponenten erhielten bei der Zertifizierung grösseres Gewicht.

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Bild: regiosuisse.

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