Die Wissensplattform der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Standortmarketing Schwarzbubenland (Regio-Plus-Projekt 2000 bis 2004)

Bisher blieb die regionale Entwicklung im Schwarzbubenland weitgehend dem Zufall überlassen. Dies vor allem weil es an einer Plattform für die Zusammenarbeit der Gemeinden fehlte und Projekte deshalb meistens unabhängig voneinander durchgeführt wurden. Erstmals haben sich nun die insgesamt 23 Gemeinden verpflichtet, die strukturellen Probleme gemeinsam anzugehen und die Standortattraktivität des Schwarzbubenlandes als Wirtschafts- und Wohnregion zu steigern. In einem ersten Schritt geht es darum, die regionalen Ziele zu definieren und ein entsprechendes Leitbild zu erarbeiten, an dem sich das künftige Standortmarketing orientieren soll. Gleichzeitig will man die organisatorischen Voraussetzungen schaffen, um die Kooperation langfristig zu verankern. Dazu gehört unter anderem eine Infoplattform im Internet. Ausserdem soll ein gemeindeübergreifendes Beziehungsnetzwerk aufgebaut werden. Das Ziel ist ein umfassendes Regio-Management, das Projekte lanciert für die Verbesserung der Standortfaktoren. Im Vordergrund stehen dabei: Bildung, Kultur, Sozial- und Gesundheitswesen, Service public sowie infrastrukturelle Vorhaben.

Trägerschaft

Ammännerkonferenz Dorneck/Thierstein

Beteiligte Branchen/Gruppen

  • Gemeinden/Region
  • Gewerbe
  • Handel
  • Industrie
  • Landwirtschaft
  • Kultur
  • Soziale Institutionen

Gründe für das Projekt

Das Schwarzbubenland ist in mehrfacher Hinsicht eine Randregion: politisch gegenüber Solothurn und wirtschaftlich gegenüber Basel. Die Abhängigkeit von der Wirtschaftsregion Basel zeigt sich vor allem im hohen Pendler-Anteil vieler Gemeinden. Trotzdem ist es eine Region mit eigener Tradition und eigenen Werten. Das Schwarzbubenland versteht sich nicht als blosse Wohnregion für Basel. Vielmehr wird eine wirtschaftliche Eigenständigkeit angestrebt. Da die Gemeinden aber nicht verpflichtet sind, Mitverantwortung für übergeordnete regionale Aufgaben zu tragen, haben sie sich bisher auf die Erfüllung ihrer angestammten Aufgaben beschränkt. Die regionale Entwicklung blieb deshalb weitgehend dem Zufall überlassen. Dadurch läuft das Schwarzbubenland Gefahr, zum Spielball interregionaler und -kantonaler Interessenkonflikte zu werden und den Anschluss an die wirtschaftliche Entwicklung zu verpassen. Um sich als eigenständige Region behaupten zu können, müssen die verschiedenen Interessen zuerst gebündelt werden.

Vorgehen

Vorbereitungsarbeiten

  • Problemstellung/Projektbeschreibung
  • Konsensbildung (Gemeinden Dorneck und Thierstein, Behörden, Wirtschaft)
  • Entscheid der Gemeinden zur Projektdurchführung

Vorbereitung Projektbeginn

  • Organisatorische Massnahmen
  • Personalrekrutierung
  • Detailabsprachen zu Schnittstellen und Zusammenarbeit
  • Formelle Entscheide (Bund/Solothurner Regierungsrat)

Bearbeitung der Projekte mit 1. Priorität und Implementierung

  • Leitbild
  • Marketing- und Promotionskonzept
  • Rahmenbedingungen/Attraktivitätssteigerung
  • Beratende Unterstützung Service public
  • Flankierende Massnahmen: Workshops, Erfa/Info-Meetings und Medienarbeit

Bearbeitung der Projekte mit 2. Priorität und Einführung

  • Marketing- und Promotion: Detailkonzept und konkrete Umsetzung
  • Rahmenbedingungen/Attraktivitätssteigerung: Konkrete Massnahmen
  • Beratende Unterstützung im Bereich Service public
  • Organisationskonzept Regio-Management
  • Flankierende Massnahmen: Workshops, Erfa/Info-Meetings und Medienarbeit

Parallel-Schritte

  • Enge Zusammenarbeit des Projektteams mit der Projektlenkung («Forum Regio Plus Schwarzbubenland») sowie den Gemeinden, der Ammännerkonferenzen und der Wirtschaft
  • Einsatz von Experten und Fachleuten für die Erarbeitung von Entscheidungsgrundlagen sowie Nutzen von Synergien: z. B. Zusammenarbeit mit dem Regio-Plus-Projekt Management Fricktal)
  • Erweiterung des Beziehungsnetzes und Kontaktpflege
  • Aufbau und Vernetzung des Info-Datenbanken
  • Beratende Unterstützung von Einzelinitiativen an der Basis
  • Umsetzung von Lösungen/neue Vorschläge im Rahmen der Projektarbeit
  • Durchführung von Seminaren und Info-Veranstaltungen

Projektziele

Die Projektträger wollen das Schwarzbubenland primär bekannt machen als Standort mit günstigen Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen sowie als familienfreundliche Wohnregion und attraktiver Naherholungsraum. Das Projekt soll dazu beitragen, die Folgen des Strukturwandels zu bewältigen und dadurch die wirtschaftliche Eigenständigkeit der Region zu erhalten.

Finanzieller Rahmen

Gesamtkosten: CHF 600'000.–

Projektdauer: 3,5 Jahre (ab Juli 2000)

Auswirkungen des Projekts

...auf den Arbeitsmarkt

Die Aufwertung der Region als Wirtschafts- und Wohnstandort trägt dazu bei, die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte zu verhindern. Mit verstärkter Standortpromotion will man zudem bestehende Unternehmen in der Region halten sowie Neugründungen und -ansiedlungen fördern und so das Arbeitsplatzangebot erhöhen

... auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Um eine eigenständige Entwicklung der Wirtschaft zu ermöglichen und eine Steigerung der regionalen Wertschöpfung zu erreichen, sollen die Rahmenbedingungen für Unternehmen aller Branchen wesentlich verbessert werden.

Modellcharakter des Projekts

Für das Schwarzbubenland ist das Projekt neuartig. Erstmals haben sich die 23 Gemeinden der Region verpflichtet, die Probleme der strukturellen Veränderungen gemeinsam anzugehen und die wirtschaftliche Entwicklung zielgerichtet zu unterstützen. Durch die Kooperation lassen sich Synergiepotenziale ausschöpfen, und die Förderung der Standortattraktivität wird effizienter.

Projektleitung

Dr. Anton Grimm
Fachstellenleiter
Wirtschaftsförderung Schwarzbubenland
Höllenstrasse 15
4313 Möhlin
Tel: +41 61 851 29 91
Fax: +41 61 853 06 17
E-Mail: agrimm@tiscalinet.ch  


Mitglieder der Projektlenkung (übergeordnetes Leitungsgremium) Vertreter der Gemeinden, Wirtschaft, Politik und Institutionen

Dr. Hans Büttiker, Direktor EBM, Dornach (Präsident)
Klaus Fischer, Gymnasiallehrer, Kantonsrat, Hofstetten-Flüh (Ressort Bildung)
Kuno Gasser, Leiter Baloise-SoBa Dornach, Gemeindepräsident Nunningen (Ressort Infrastruktur)  
Rolf Grütter, Gymnasiallehrer, Kantonsrat, Breitenbach (Bereich Wirtschaft)
Daniel Gaemperle, Kunstmaler, Kleinlützel (Ressort Kultur)
Helene Gianola, Dr.iur, Gemeindepräsidentin und Kantonsrätin, Himmelried (Ressort Sozialwesen)
Peter Hänggi, ehem Regierungsrat. Solothurn, Nunningen, (Ressort Regio Plus)
Kurt Henzi, Gemeindepräsident Dornach, Kantonsrat (Ressort Verbindung zu den Gemeindepräsidenten)
Ruedi Kohler, Unternehmer, Zullwil (Ressort Wirtschaft, Gewerbe)
Thomas Kübler, lic.rer.pol., stv.Direktor BAK Basel, Büsserach (Ressort Wirtschaft)
Willi Menth, Dr.rer.pol., Direktor Herba-Plastic AG, Nunningen (Ressort Gesundheitswesen und Wirtschaft)
Fritz Schuhmacher, Dr. iur, Rechtsanwalt und Notar, Hochwald (Ressort Medien)
Josef Zeltner, Consultant, Dornach (Ressort Finanzen und Projektcontrolling)
Adrian Schmidlin, Fachstellenleiter Wirtschaftsförderung Laufental (Ressort: Verbindung zum Laufental)


Aus dem Schlussbericht

Im Rahmen des Standortmarketings Schwarzbubenland konnten Strukturen für die zukünftige Weiterentwicklung der Region geschaffen werden. Während die einzelnen Gemeinden ihre Interessen früher tendenziell für sich allein vertraten, pflegen regionale Politik und Wirtschaft heute gemeindeübergreifend einen regen Austausch mit der Regierung und sind auch untereinander gut vernetzt 22 von 23 Gemeinden des Schwarzbubenlandes beteiligten sich bei Abschluss des Projektes an der gemeinsamen regionalen Entwicklung.

Aufbauend auf den neuen regionalen Strukturen und der intensivierten Zusammenarbeit aller Akteure konnten zahlreiche Teilerfolge verbucht werden.

Aus der Projektarbeit sind zum Beispiel die beiden Wirtschafts- und Gewerbe-Zentren Meltingen und Witterswil entstanden. In der Region konnte die Wertschöpfung generell gesteigert werden, was innerhalb der letzten Jahre zur Schaffung von rund 300 neuen Arbeitsplätzen geführt hat.

Unter anderem wurde eine überkantonale Arbeitsvermittlungsstelle für die Regionen Schwarzbubenland und Laufental eröffnet. Als Erfolg verbuchen die Projektakteure auch den per Volksabstimmung gefällten Entscheid, im aufgehobenen Spital Breitenbach ein Pflegeheim für Demenz-Patienten einzurichten.

Die Projektarbeit hat den Bekanntheitsgrad der ganzen Süd-Region von Basel innerhalb der Schweiz sowie im nahen Ausland erhöht und steht heute auf sicheren finanziellen Füssen, um die künftige Entwicklung in geplanter Form durchsetzen zu können. Wichtige anstehende Projekte sind unter anderem der Erhalt des Gymnasiums in Laufen und der Aufbau eines regionalen Ausbildungs- und Weiterbildungsangebots für kleine und mittlere Unternehmen.

Zurück zur Übersicht

Bild: regiosuisse.

Save the date: formation-regiosuisse-Konferenz 2017 «Regionalentwicklung konkret: Beispiele und Erfahrungen aus dem Terrain»

Die nächste Konferenz stellt Praxisbeispiele und -erfahrungen aus der Regionalpolitik und Regionalentwicklung ins Zentrum. Das detaillierte Programm ist ab Ende August 2017 hier auf der regiosuisse-Website verfügbar, wo man sich ab diesem Zeitpunkt auch anmelden kann. Merken Sie sich den Termin schon jetzt vor!
Artikel teilen