Die Wissensplattform der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Tropehuus Ruswil (Regio-Plus-Projekt 1999 bis 2001)

Mit der Abwärme der Gasverdichtungsstation (GVS) in Ruswil sollen dereinst Gewächshäuser mit gemässigtem und subtropischem bis tropischem Klima betrieben werden. Das Projekt sieht den Bau eines ca. 1500 m2 grossen Pilotgewächshauses inkl. Schulungs- und Demonstrationsbereich vor. Im Teil mit gemässigtem Klima sollen, Trauben, Erdbeeren, Kirschen usw. produziert werden. Der (sub-)tropische Bereich ist als Polykultur konzipiert, in dem Früchte wie etwa Mangos, Annonen, Papayas aber auch Pilze und Tilapias (wertvoller Frischwasserfisch) produziert werden. Gülle dient als Nährstoff für das gesamte Gewächshaussystem. Abnehmer der Produkte sind hauptsächlich die Qualitätsgastronomie, die lokalen Dorfläden sowie der Spezial- und Gourmethandel. Weitere Vermarktungsmöglichkeiten sollen erschlossen werden.

Pilotprojekt für die landwirtschaftliche Nutzung der Abwärme der Transitgas Gasverdichtungsstation Ruswil

Trägerschaft

Interessengemeinschaft Abwärmenutzung Gasverdichtungsstation (GVS) Ruswil (in Zusammenarbeit mit: Transitgas AG, Kanton Luzern (FfE/AfU), Gemeinden Ruswil, Wolhusen und Buttisholz)

Beteiligte Branchen/Gruppen

  • Landwirtschaft
  • Detailhandel
  • Grossverteiler
  • Gastgewerbe
  • Gemeinden

Gründe für das Projekt

Wie eine von der Transitgas AG in Auftrag gegebene Studie gezeigt hat, sind Gewächshäuser mit gemässigtem und tropischem Klima eine interessante Variante für die gesetzlich vorgeschriebene Nutzung von Abwärme. Mit dem Projekt sollen die Grundlagen für eine umfassende Nutzung der Abwärme der GVS Ruswil in Gewächshäusern geschaffen werden. Die Erfahrungen der zwei- bis dreijährigen Pilotphase werden in einem «Realisierungskonzept für die Abwärmenutzung der Transitgas Gasverdichtungsstation Ruswil in Gewächshäusern» zusammengefasst.

Projektziele der Pilotphase 1999 bis 2001

  • Erfahrungen mit gemässigten und (sub-)tropischen Gewächshauskulturen und Polykultursystemen (Produktion von Pflanzen und Tieren) sammeln
  • Optimalen Nutzungsmix und Bewirtschaftungskonzept entwickeln
  • Ressourcen/Umwelt optimal nutzen
  • Hilfsmitteleinsatz minimieren
  • Vermarktung aufbauen
  • Wirtschaftlichkeit der Nutzungssysteme unter Berücksichtigung der kostengünstigen Verwendung von Abwärme und des Arbeitspotenzials ermitteln
  • Erweiterungsphase (Projektion der Ergebnisse, Standortwahl, Trägerverein) vorbereiten
  • Interessenten für die Erweiterungsphase ausbilden
  • Know-how-Transfer, Ausbildung, Information der Bevölkerung
  • Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit mit landwirtschaftlichen und technischen Fachhochschulen aufbauen

Die Inbetriebnahme des Gewächshauses ist für April 1999 geplant.

Finanzieller Rahmen

Gesamtkosten: CHF 285'000.–

Auswirkungen des Projekts ...

... auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Mit den Produkten aus dem Gewächshaus wird ein Nischenmarkt erschlossen und die Wertschöpfung in der Region erhöht.

... auf den Arbeitsmarkt

Das Projekt kann als Modellfall für die Schaffung neuer, innovativer Arbeitsplätze im ländlichen Raum dienen. Marktanalysen zeigen, dass eine Nachfrage nach lokal und umweltfreundlich produzierten (sub-)tropischen Produkten besteht.

... auf die Umwelt

Die Nutzung der Abwärme ist ein wichtiger Beitrag, um die Ressourcen effizient zu nutzen.

Modellcharakter des Projekts

Das Projekt ist sowohl für die Schweiz als auch für Europa einmalig. Es ist partnerschaftlich konzipiert mit der Transitgas AG als Abwärmeproduzentin und der lokalen Landwirtschaft als Nutzerin der Energie sowie mit den Gastronomiebetrieben, dem Detailhandel, den Grossverteilern etc. als Abnehmer der Produkte.

Der Hochtemperaturanteil der Abwärme kann z. B. mit Fernwärme- oder Verstromungssystemen kombiniert werden; Gewächshäuser nutzen den geringwertigeren Tieftemperaturanteil. Die Aquakultursysteme dienen als Energiespeicher und -puffer.

Projektleitung

Dr. Johannes Heeb
Beratung, Auftrasgforschung, Ausbildung GmbH
Bahnhofstrasse 2
6110 Wolhusen
Tel.: +41 41 490 40 81
Fax: +41 41 490 40 74
E-mail: johannes.heeb@seecon.ch
Website

Aus dem Schlussbericht

Das europaweit einzigartige Tropehuus Ruswil erlebte seit seiner Eröffnung im Frühjahr 1999 einen wahren Besucheransturm. Die Projektphase verlief sehr positiv: Der grösste Teil der tropischen und subtropischen Pflanzen hat sich gut entwickelt. Das Polykultur-Konzept funktioniert und erlaubt eine intensive, aber trotzdem umweltfreundliche Produktion. Chemische Pflanzenbehandlungsmittel sind nicht notwendig. Die Ertragswerte zeigen, dass sich tropische Gewächshäuser unter den bestehenden Rahmenbedingungen wirtschaftlich betreiben lassen. Dabei hat die Qualität der Produkte die Erwartungen übertroffen. Die Nachfrage nach den Tropehuus-Produkten übersteigt das Angebot bei weitem. Hauptabnehmer sind zurzeit lokale Gatronomiebetriebe und Lebensmittelläden sowie die zahlreichen Besucher des Tropehuus. In diesem Zusammenhang zeigt sich die Bedeutung der Besucherführungen für die Vermarktung der Produkte. Auch Grossabnehmer haben ihr Interesse an den Produkten aus den «Ruswiler Tropen» angemeldet. Mit den Produkten hat man eine Marktnische besetzt. Der Vorteil gegenüber den importierten Waren liegt in der Qualität. Die Produkte sind frischer und weisen eine bessere Ökobilanz auf.

Den Verantwortlichen ist es gelungen, eine stabile und engagierte Projektträgerschaft zu bilden, in der die verschiedensten Interessengruppen vertreten sind. Sowohl die lokale Landwirtschaft als auch das regionale Gewerbe haben Interesse signalisiert, das Projekt zu erweitern. Verschiedene Studien, die zusammen mit der Hochschule für Wirtschaft Luzern, der Hochschule Wädenswil und dem Landwirtschaftstechnikum Zollikofen erarbeitet wurden, belegen die ökologischen Vorteile der Produktion tropischer Früchte durch die Nutzung von Abwärme. Ausserdem zeigen die Studien, wie sich die Produkte noch besser vermarkten lassen. In den nächsten Jahren soll die Gewächshausfläche auf fünf bis zehn Hektaren erhöht werden.

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Bild: regiosuisse.

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