Die Wissensplattform der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Unterwegs sein auf Pilgerwegen (Regio-Plus-Projekt 1998 bis 2001)

Vereine, Künstler, Kirchen, Lehrer und andere Kulturträger führen auf den Pilgerwegen des Berner Oberlands in eigener Verantwortung Veranstaltungen durch, die Begegnungen von Pilgernden und anderen Wandernden aus dem In- und Ausland ermöglichen sollen. Angesprochen werden aber auch Touristen, die sich generell für Geschichte, Kultur, Kirche und Bevölkerung der Region interessieren. Vorgesehen sind Theateraufführungen, Konzerte, Wegbegleitungen usw. Ziel ist es, das touristische Angebot entlang den Routen vermehrt auf die Pilgerbewegung abzustimmen und laufend durch neue Veranstaltungen und Begleitangebote zu ergänzen. Ein Pilgerpass erlaubt den Zugang zum gesamten Pilgerangebot in der Region. Zur Vermarktung werden neben Printmaterialien ein Internet-Auftritt und eine CD-ROM realisiert.

Trägerschaft

Volkswirtschaftskammer Berner Oberland, Spurgruppe Jakobsweg Region BernGantrisch.

Beteiligte Branchen

  • Kirchlich-kulturelle und kulturhistorische Kreise
  • Hotellerie
  • Gewerbe
  • Detailhandel
  • Transportunternehmen

Gründe für das Projekt

Seit dem Mittelalter waren die Pilgerwege von grosser touristischer Bedeutung für das Berner Oberland. Pilgernde aus ganz Europa besuchten die Klöster in Interlaken und Rüeggisberg und weilten am Grab des heiligen Beatus am Thunersee. Zur Zeit der Reformation wurde das Pilgern verboten, und die Pilgerwege gerieten in Vergessenheit. Die Projektverantwortlichen nehmen das Internationale Jakobsjahr zum Anlass, um Einheimische und Gäste auf die Pilgertradition im Berner Oberland aufmerksam zu machen. Kirchlich-kulturelle und kulturhistorisch interessierte Kreise werden motiviert, mit auf Pilgernde zugeschnittenen Angeboten dem Tourismus neue Impulse zu verleihen. Mit dem Projekt will sich das Berner Oberland im Hinblick auf das «Heilige Jahr» 2000 und die wachsenden Pilgerströme nach Rom als attraktive Pilgerregion präsentieren.

Projektziele

  • Historische Pilgerwege aufwerten und sowohl Einheimischen als auch Gästen besser zugänglich machen.
  • Sinnstiftenden Tourismus fördern und damit in den Regionen neue Impulse auslösen.
  • Neue Pilger- und Wanderideen entwickeln und umsetzen.
  • Regionale Bevölkerung und Wirtschaft zum Mitmachen und zur Zusammenarbeit motivieren.
  • Begegnungen ermöglichen.
  • Regionale Kultur und Geschichte bewusster machen und damit die regionale Identität stärken.

Vorgehen und zeitlicher Rahmen

Die Projektdauer beträgt drei Jahre (September 1998 bis September 2001) und umfasst im Wesentlichen die folgenden Massnahmen:

  • Konzept, Budget, Finanzplan und Organisation werden erarbeitet.
  • Die Pilgerrouten werden im Rahmen von Beschäftigungsprogrammen für Erwerbslose markiert und begehbar gemacht.
  • Vereine, Künstler und andere Kulturträger werden motiviert, pilgerspezifische Veranstaltungen durchzuführen.
  • Für Pilgernde wird ein touristisches Rahmenangebot (Landwirtschaft, Gastronomie, Hotellerie etc.) geschaffen.
  • Gemeinsame Vermarktung der Pilgerrouten durch die beteiligten Regionen (Printmaterial, Internet-Auftritt, CD-ROM).
  • Öffentlichkeitsarbeit

Für die einzelnen Jahre sind folgende Schwerpunkte gesetzt worden:

1999: Auftakt – Jakobsweg bekannt machen; Positionierung als Pilgerregion.

2000: Erweiterung – Erschliessen neuer Zielgruppen (Rom-Pilgernde und Pilgernde aus Übersee); Anschluss neuer Regionen.

2001: Konsolidierung – Verbesserung und Ergänzung des Programms.

Finanzieller Rahmen

Gesamtkosten: CHF 795'000.–

Auswirkungen des Projekts

... auf den Arbeitsmarkt

Neue Gäste aus der EU und aus Übersee tragen dazu bei, mittel- bis langfristig Arbeitsplätze in der Region zu erhalten und neue zu schaffen, insbesondere im Tourismus.

... auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Das Projekt fördert die Zusammenarbeit verschiedener Branchen der Region. Auf die Zielgruppe zugeschnittene Produkte und Dienstleistungen steigern die Wertschöpfung in der Region.

... auf die Umwelt

Die Pilgerbewegung fördert den sanften Tourismus.

Modellcharakter des Projekts

Die überregionale Zusammenarbeit und Vernetzung kirchlich-kultureller und touristischer Kreise ist neu für das Berner Oberland. Weitere Regionen können sich jederzeit anschliessen. Für die Zielgruppe der Pilgernden innovativ ist auch die Promotion mit neuen Medien wie Internet und CD-ROM.

Projektleitung

Volkswirtschaftskammer Berner Oberland
Joe Weber
Jungfraustrasse 38
3800 Interlaken
Tel.: +41 33 828 37 38
Fax: +41 33 828 37 35
Email: jw@unterwegssein.ch

Aus dem Schlussbericht

Mit dem Projekt ist es gelungen, den lange Zeit vergessenen Jakobsweg im Berner Oberland in Stand zu stellen, attraktive Begleitangebote zu realisieren und damit den Pilgertourismus in der Region wieder zu beleben. Internetauftritt, Medienarbeit, mehr als 150 Veranstaltungen, Broschüren und andere Massnahmen haben dazu beigetragen, dass sich Pilger wieder vermehrt für die Route durch das Berner Oberland entscheiden. Mit «Unterwegs sein» ist es gelungen, ein regionales Entwicklungspotenzial auszuschöpfen und eine Marktnische (sinnstiftender Tourismus) zu besetzen. Das Angebot ist primär auf Individualtouristen ausgerichtet und bietet damit eine Alternative zum dominierenden Massentourismus.

«Unterwegs sein» wird wie geplant fortgesetzt. Weil aber weniger Mittel zur Verfügung stehen, werden Umfang und Organisation des Projektes etwas reduziert. Im Vordergrund steht dabei die Vermarktung der Pilger-Pauschalangebote. Zusätzlich sollen gemeinsam mit dem Wallis die historischen Routen über die Alpen unter dem Titel «Wege in den Süden» besser bekannt gemacht werden.

Das Projekt hat den Anstoss gegeben, mit benachbarten Regionen sowie mit den Kantonen, durch die der Jakobsweg führt, enger zusammenzuarbeiten. Auch über die Landesgrenzen hinaus sind Kontakte geknüpft worden. In den zahlreichen Teilprojekten haben Akteure verschiedenster Wirtschaftszweige und Gruppierungen kooperiert. Daraus ist ein Netzwerk entstanden, das für die Entwicklung der Region einen wertvollen Beitrag leisten kann.

Darüber hinaus hat das Projekt gezeigt, dass die Bevölkerung bereit ist, an der Umsetzung innovativer Ideen mitzuarbeiten. Die Nutzung historischer Wege in Verbindung mit wiederbelebten Traditionen ist auch für andere Regionen ein Potenzial, um neue Einkommensquellen zu erschliessen und damit Arbeitsplätze zu erhalten oder neue zu schaffen.

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Bild: regiosuisse.

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