Die Wissensplattform der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Vermarktung von Milch- und Käsespezialitäten aus der Region Zürcher Berggebiet (Regio-Plus-Projekt von 1993 bis 2000)

Das Projekt fördert die Produktion und die Vermarktung von Käse, Milchprodukten und Spezialitäten aus der Region Zürcher Berggebiet. Zu diesem Zweck wird ein eigenständiges Verkaufsnetz aufgebaut. Die Produkte der Mitglieder werden gemeinsam unter dem Label «natürli us de Region Zürcher Berggebiet» vermarktet. Zudem organisiert die Käservereinigung Degustationen und nimmt an Messen teil.

Trägerschaft

Käservereinigung der Region Zürcher Berggebiet.

Beteiligte Branchen/Gruppen

  • Landwirtschaft
  • Käsereien
  • Gewerbe
  • Gastronomie
  • Detailhandel
  • Verteiler
  • Tourismus

Gründe für das Projekt

Traditionell wurde die anfallende regionale Milch im Zürcher Berggebiet in 50 Käsereien verarbeitet. Die meisten Käsereien sind im Besitz der Landwirte. Durch die agrarpolitischen Massnahmen sind Bauern und Käser stärker dem freien Wettbewerb ausgesetzt und zu wirtschaftlichem Handeln gezwungen. Nicht alle Käsereien werden weiter bestehen. Einige initiative Käser in der Region haben bereits Spezialitäten in kleineren Mengen produziert, um ihren Betrieb für die Zukunft zu sichern. Dies hat die Vereinigung Pro Zürcher Berggebiet (PZB) dazu bewogen, mit diesen Käsern Möglichkeiten einer gemeinsamen Vermarktung ihrer Spezialitäten zu prüfen. Abklärungen haben zudem ergeben, dass bei den Konsumenten eine grosse Nachfrage nach regionalen Spezialitäten aus dem Zürcher Berggebiet besteht.

Projektziele

  • Die Vermarktung von Milch- und Käsespezialitäten aus der Region Zürcher Berggebiet durch verkaufsfördernde Massnahmen langfristig sichern
  • Leistungsstarke Strukturen für die Vermarktung und die Verteilung der Produkte aufbauen
  • Die Verarbeitung der wertvollen und qualitativ hoch stehenden Rohmilch (silofreie Fütterung) auch in Zukunft garantieren
  • Mittel- bis langfristig den Bauern für ihre abgelieferte Milch einen überdurchschnittlichen Preis bezahlen
  • Stufenweiser marktorientierter Ausbau des Projektes sicherstellen (Infrastrukturen bei den Käsern und beim Vermarkter)
  • Qualität der Produkte sicherstellen

Vorgehen und zeitlicher Rahmen

1993:

  • Erste Abklärungen der PZB über die Käsereistrukturen im Zürcher Berggebiet

1994:

  • Diskussionen über die Zukunft der Käsereien
  • Beteiligung an der «Käse 94» (Internationale Käsemesse)

1995:

  • Gründung der Käservereinigung
  • Aufbau der Produktion, Verteilungsorganisation und der Absatzkanäle
  • Vermarktung der Produkte

1996:

  • Fortsetzung des Aufbaus und Teilnahme an diversen Messen

1997:

  • Ausbau der Infrastrukturen (Käsereien); personelle Aufstockung für die Vermarktung
  • Umsetzung neuer Marketingstrategien

1998:

  • Ausbau der Kundenkontakte (Frischwarenmärkte)
  • Erarbeitung von Qualitäts- und Produkterichtlinien
  • Initiierung neuer Produkte
  • Verstärkter Einbezug der Landwirtschaft in das Projekt

1999:

  • Verstärkter Einbezug der Detaillisten und Gastrobetriebe in das Projekt
  • Verbesserung der Logistik (neues Verteilzentrum); Verbesserung des Bestell- und Abrechnungswesens
  • Produkteausweitung
  • Zusammenarbeit mit der Tourismus Region Zürcher Oberland

2000:

  • Marketingmassnahmen: Ausbau Frischwarenmärkte, Beteiligung an fünf Messen, neue Broschüre, Foto-Preiskatalog für Detaillisten
  • Events/PR-Massnahmen: Käseschiff auf dem Greifensee zusammen mit der Tourismus Region Zürcher Oberland, Käse-Teilet, diverse Zeitungsartikel über Produkte und Produzenten
  • Neue Produkte: Acht neue Käsesorten, Aufnahme der Glacé-Produktion, diverse neue Molkereiprodukte
  • Arbeitsplätze in den Käsereien und beim Vermarkter: Schaffung einer Vollzeitstelle und zweier Lehrstellen (vermehrt werden Aushilfskräfte aus der Region für die Mitarbeit auf den Frischwarenmärkten und Messen eingestellt)
  • Infrastrukturen: Zweiter Kühllastwagen wird vom Vermarkter in Betrieb genommen
  • Überprüfung der bestehenden Organisationsstrukturen: Der Umsatzzuwachs und die sich abzeichnenden notwendigen Invetitionen in die Logistik zwingen die Käservereinigung, die Gesellschaftsform zu überprüfen

Finanzieller Rahmen

Projektkosten Käserveinigung bis 2002: CHF 600'000.–

Investitionen von Käsern und Vermarkter bis Ende 2000: ca. CHF 2 Mio.

Auswirkungen des Projekts...

...auf den Arbeitsmarkt

Das Projekt hilft in erster Linie, bestehende Arbeitsplätze zu sichern. Bei den Mitgliedern der Käservereinigung und beim Vermarkter sind bis anhin pro Jahr mindestens drei neue Stellen geschaffen worden. Dank dem Projekt werden weiterhin Käsespezialitäten aus Rohmilch und Milchspezialitäten im Zürcher Berggebiet produziert. Die Verarbeitung der Milch in der Region führt zu einer höheren Wertschöpfung. Mittel- bis langfristig erzielen die Landwirte dank dem Regionalmarketingprojekt höhere Milchpreise. Im Streusiedlungsgebiet sind die Käsereien eine wichtige Versorgungsmöglichkeit für die Bevölkerung.

...auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Für die Detaillisten inner- und ausserhalb der Region Zürcher Berggebiet bietet sich eine einmalige Chance, sich mit den regionalen Spezialitäten von der "Einheitsware" der Grossverteiler abzuheben und sich auf dem Markt neu mit Spezialitäten aus einer als naturnah bekannten Region zu positionieren. Das örtliche Gewerbe profitiert von der stetigen Investitionstätigkeit der Käser.

...auf die Umwelt

Ökologische Kriterien bestimmen je länger je mehr das Kaufverhalten der Konsumenten. Das Vermarktungskonzept aus dem Zürcher Berggebiet ist speziell darauf ausgerichtet. Kurze Transportwege erhalten nicht nur die Qualität der Produkte, sondern belasten auch die Umwelt bedeutend weniger. Um qualitativ hoch stehende Milch zu produzieren, werden Wiesen und Weiden im Einklang mit der Natur bewirtschaftet.

Modellcharakter des Projekts

Die Produktion von mehreren Spezialitäten pro Betrieb und die damit verbundene eigene Vermarktung stellt die Käser immer wieder vor neue Aufgaben. Diese können in der Regel nur gemeinsam und unter Berücksichtigung marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen gelöst werden. Von den dadurch gewonnen Erfahrungen können auch andere Projekte profitieren.

Schlussbericht

Im Rahmen des Projekts «Natürli us der Region Zürcher Berggebiet» ist es gelungen, 36 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das dabei berücksichtigte Berufsfeld reicht vom Käser und Werber bis hin zum Lastwagenchauffeur. «Ursprünglich gab es im Zürcher Berggebiet 45 Käsereien», sagt Projektleiter Alfred Gerber. «Dank unseren Anstrengungen können wir wenigstens 23 davon erhalten.» Gerber ist überzeugt: Ohne die Käservereinigung «Natürli» hätten höchstens 15 der Betriebe überlebt. Dank den bleibenden Käsereien sind die Landwirte auch in Zukunft nicht gezwungen, ihre Milch ausserhalb der Region zu vermarkten. Die Wertschöpfung bleibt dem ländlichen Gebiet erhalten. «Bei der Bevölkerung sind unsere Rohmilchprodukte heute bekannt und beliebt», so Gerber. Den Detaillisten ermöglicht das attraktive Angebot, sich von der Konkurrenz der Grossisten abzuheben. «Natürli us de Region Zürcher Berggebiet» wird auch in Zukunft weiter geführt.

Projektleitung

Pro Zürcher Berggebiet
Regionalmanagement
Heinrich Guyerstrasse 20
8494 Bauma
Telefon: +41 52 396 50 90
Fax: +41 52 396 50 98
info@prozb.ch

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Bild: regiosuisse.

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