Die Wissensplattform der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Werkstatt Schenkenbergertal (Regio-Plus-Projekt 1999 bis 2003)

Das Schenkenbergertal im Kanton Aargau zeichnet sich durch eine einzigartige Kulturlandschaft mit historisch und heimatkundlich interessanten Objekten aus. Ziel der Projektträger ist es, das kulturelle Erbe zu nutzen, um die Arbeitsplätze in den Kleinbetrieben aller Branchen des Tales zu sichern sowie um neue zu schaffen. Gleichzeitig will man ein naturverträgliches Verhalten der Menschen fördern. In Schinznach-Dorf wird eine Erlebniswerkstätte zu verschiedenen Themen rund um die Kulturlandschaft und das Kulturgut des Schenkenbergertales eingerichtet. Das Projekt soll vor allem Schulkindern, aber auch Personen, die sich mit der Gestaltung der Kulturlandschaft befassen, sowie weiteren Interessierten Gelegenheit bieten, sich mit den Menschen und der Umwelt auseinanderzusetzen. Die erste Erlebniswerkstätte, zum Thema «Vom Korn zum Brot», sieht unter anderem das Backen von Brot vor. Dazu werden alte Getreidearten wieder angebaut und die wasserbetriebene Steinmühle aus dem 14. Jahrhundert eingesetzt. Ein weiteres Thema ist die Mostproduktion nach althergebrachter Weise. Dazu wird eine alte Packpresse saniert.

Trägerschaft

Verein Werkstatt Schenkenbergertal

Beteiligte Branchen/Gruppen

  • Landwirtschaft
  • Kleingewerbe und Handel
  • Tourismus
  • Kulturelle Institutionen
  • Kanton und Gemeinden

Gründe für das Projekt

Mit Geldern aus der Aktion «Schoggitaler» sowie Mitteln des Bundes und des Kantons Aargau konnte die Bevölkerung des Schenkenbergertals zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern des Natur- und Heimatschutzes in den vergangenen drei Jahren verschiedene historisch interessante, heimatkundliche Objekte sanieren oder wieder instand setzen. Diese Kulturgüter bleiben langfristig nur erhalten, wenn auch die entsprechenden Nutzungsformen der Kulturlandschaft erhalten bleiben. Beides will das Projekt sicherstellen. Gleichzeitig sollen die vom Strukturwandel betroffenen Kleinbetriebe des Tales unterstützt werden. Die Projektträgerschaft erhofft sich auch Impulse für den Tourismus.

Projektziele

  • Die traditionelle Kulturlandschaft des Schenkenbergertales erhalten
  • Historisch interessante, heimatkundliche Objekte instandsetzen und erhalten
  • Eine Erlebniswerkstätte mit wechselnden Themen betreiben
  • Menschen für die Umwelt sensibilisieren, indem Lebensgrundlagen (Erde, Wasser, Luft, Pflanzen u.a.) erlebbar gemacht, Zusammenhänge erklärt und Wege zum verantwortungsbewussten Handeln aufgezeigt werden
  • Die Herstellung, Verarbeitung und Vermarktung von Produkten aus vielfältigen Kulturlandschaften fördern und dadurch das Weiterbestehen der traditionellen Kleinbetriebe des Tales sichern
  • Wirtschaftliche Entwicklungsimpulse für den Tourismus auslösen
  • Die Schaffung ähnlicher Werkstätten in anderen Teilen des Landes anregen

Vorgehen und zeitlicher Rahmen

Das Projekt ist in die beiden Teilprojekte «Werkstatt Schinznach» (Projektdauer 5 Jahre: 1.1.1999 bis 31.12.2003) und «Mosti Veltheim» (Projektdauer 2 Jahre: 1. Juli 1999 bis 30. Juni 2001) gegliedert. Folgende Aktivitäten sind geplant:

Werkstatt Schinznach:

  • Aufbau eines Trägervereins
  • Information von Behörden, Landwirten und weiteren interessierten Kreisen über das Projekt
  • Moderation von Zusammenkünften und Besprechungen mit beteiligten und interessierten Organisationen
  • Mieten geeigneter Räumlichkeiten in Schinznach-Dorf
  • Entwicklung eines Konzeptes für die Erlebniswerkstätten
  • Bereitstellen der Einrichtungen und der Infrastruktur für die verschiedenen Werkstatt-Themen
  • Verfassen von Dokumentationen und Berichten
  • Aus- und Weiterbildung der Betreuungskräfte der Erlebniswerkstätte
  • Konzeption und Realisation geeeigneter Werbe- und Kommunikationsmassnahmen

Mosti Veltheim:

  • Aufbau einer Trägerschaft
  • Instandstellung der alten Packpresse
  • Mostobstproduktion und -vermarktung zur Erhaltung und Ergänzung der Hochstamm-Obstgärten und -Einzelbäume
  • Information der Behörden, Landwirte und weiterer interessierter Kreise über das Projekt
  • Moderation von Zusammenkünften und Besprechungen mit beteiligten und interessierten Organisationen
  • Verhandlungen mit Verarbeitern und Vermarktungsorganisationen
  • Konzeption und Realisation geeigneter Werbe- und Kommunikationsmassnahmen

Finanzieller Rahmen

Gesamtkosten: CHF 767'000.--

Auswirkungen des Projekts

…auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Die regionale Wirtschaftsstruktur wird kurzfristig nicht verändert. Es werden aber Impulse für den Tourismus erwartet.

…auf den regionalen Arbeitsmarkt

In den Bereichen Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, Gewerbe, Dienstleistungen und Tourismus wird das Weiterbestehen von rund 40 Arbeitsplätzen gesichert. Je nach Besucherfrequenzen der Werkstätten können im Bereich der Gästebetreuung zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

…auf die Umwelt

Das Projekt leistet einen Beitrag zur Verbesserung der Umweltqualität. Kurzfristig geschieht dies durch den umweltschonenden Anbau der Getreidesorten Emmer und Einkorn. Mittelfristig trägt auch die lokale Produktion und die Verarbeitung von hochwertigen Lebensmitteln dazu bei. Langfristig wirkt sich das bewusstere Verhalten der Werkstätten-Besucherinnen und -Besucher positiv auf die Umweltqualität aus.

Modellcharakter des Projekts

Das Projekt verknüpft die Pflege und den Erhalt von schützenswerten Kulturlandschaften und Kulturgütern mit dem Anliegen einer nachhaltigen Entwicklung von ländlichen Gebieten. Die Erlebniswerkstätten geben den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, sich mit den Lebensgrundlagen auseinanderzusetzen und Zusammenhänge zu erkennen. Dadurch wird eine nachhaltige Lebensweise gefördert. Die Werkstätten sind so konzipiert, dass sie problemlos in anderen Regionen nachgeahmt werden können.

Projektleitung

Robert Obrist

Rosenweg 18

5107 Schinznach-Dorf

Tel/Fax: +41 56 443 07 87

E-mail: robert.obrist@fibl.ch

Website

Stand des Projekts, Januar 2000

Die Werkstatt «Vom Korn zum Brot» wird am 26. Februar 2000 eingeweiht. Die Produkte werden in den VOLG-Läden der vier Gemeinden des Schenkenbergertals vermarktet.

Projektziele für das Jahr 2000:

  • 1000 Schülerinnen und Schüler besuchen die Werkstatt «Vom Korn zum Brot»
  • Der Förderverein erreicht einen Mitgliederbestand von 100 Einzelpersonen, 5 Firmen und 4 Gemeinden
  • Aus dem Produktverkauf resultiert ein Gewinn von 3000 Franken.

Aus dem Schlussbericht

Das Projekt «Werkstatt Schenkenbergertal» förderte den Anbau der Getreidesorten Emmer und Einkorn. Seit Projektbeginn vermarktete die Region davon mehr als 100 Tonnen. Vom Angebot «vom Korn zum Brot» machen pro Jahr mehrere Dutzend Schulklassen und Gruppen Gebrauch.

Dank der engen Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Gewerbe und Handel entstanden in der Region Netzwerke. Landwirte erhielten neue Einblicke in Marktmechanismen. Sie sind heute stärker für die Vorteile der Vermarktung lokaler Spezialitäten im Hochpreissegment sensibilisiert. Neue Wege des Marketings fanden auch Einzug in die Gastronomie. Die Lancierung von Spezialitätenwochen gab der Branche neue Impulse.

Die am Projekt beteiligten Betriebe profitieren heute von einem grösseren Umsatz und es entstanden Folgeprojekte und Angebote wie zum Beispiel Kurse für Schulen. So können Schulklassen für 14 Franken pro Schüler in einem dreistündigen Kurs Brot herstellen. Zum Programm gehören unter anderem das Mahlen des Getreides, das Heizen des Holzofens aber auch das Aufräumen der Backstube. Auch Gruppen (Firmenanlässe, Klassenzusammenkünfte) nehmen das Angebot wahr.

Die Anstrengungen des Fördervereins «Werkstatt Schenkenbergertal» werden auch nach der Unterstützung von Regio Plus weitergeführt. Die Bereitschaft des Grossverteilers COOP, regionale Produkte ins Sortiment aufzunehmen, verbessert die Ausgangslage der Landwirtschaft. Auch die Zusammenarbeit mit den lokalen Verarbeitungsbetrieben pflegt der Förderverein weiter. Die Homepage des Projekts bleibt bestehen und wird regelmässig aktualisiert.

Zurück zur Übersicht

Bild: regiosuisse.

Save the date: formation-regiosuisse-Konferenz 2017 «Regionalentwicklung konkret: Beispiele und Erfahrungen aus dem Terrain»

Die nächste Konferenz stellt Praxisbeispiele und -erfahrungen aus der Regionalpolitik und Regionalentwicklung ins Zentrum. Das detaillierte Programm ist ab Ende August 2017 hier auf der regiosuisse-Website verfügbar, wo man sich ab diesem Zeitpunkt auch anmelden kann.
Artikel teilen