Ausbildung Betreuungsleistungen im ländlichen Raum (ABL) (Regio-Plus-Projekt 1999 bis 2003)

Immer mehr erbringen Bauernfamilien auch Dienstleistungen im Bereich der Resozialisierung Straffälliger, der Rehabilitation Drogensüchtiger sowie der Betreuung von Behinderten, Senioren und Pflegekindern. Einen entsprechenden Ausbildungsgang gibt es allerdings nicht. Dies wollen die kantonalen landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentren (LBBZ) und die Landwirtschaftliche Beratungszentrale Lindau (LBL) ändern. Ihr Ziel ist es, zusammen mit sozialen Fach(hoch)schulen in der ganzen Schweiz Lehrgänge zu realisieren, die vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) anerkannt sind. Die Ausbildung soll Interessierten ein fundiertes Know-how vermitteln und sie befähigen, qualitativ hoch stehende Betreuungsleistungen zu erbringen. Die Projektverantwortlichen haben das Emmental als Pilotregion für den ersten Ausbildungsgang gewählt, weil diese Art der Betreuung hier bereits seit einiger Zeit von verschiedenen Bauernfamilien angeboten wird. Der erste Lehrgang wird am Inforama Emmental in Zusammenarbeit mit der Abteilung Sozial- und Sonderpädagogik der BFF Bern (Berufs-, Fach und Fortbildungsschule Bern) durchgeführt.

Trägerschaft

Region Oberes Emmental

Beteiligte Branchen/Gruppen

  • Landwirtschaft
  • Soziale Fachschule

Gründe für das Projekt

Die Rehabilitation Drogenabhängiger, die Resozialisierung Straffälliger sowie die Betreuung von Behinderten, Pflegekindern und Senioren ist eine wichtige gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Aufgabe. An entsprechenden Betreuungsplätzen fehlt es aber immer mehr. Bauernfamilien können einen wichtigen Beitrag leisten, um diese Engpässe im Gesundheitssektor zu bewältigen oder eine alternative Betreuungsform zu Heimplatzierungen anbieten. Erfahrungen zeigen, dass sich das ländliche Umfeld besonders für diese Art der Betreuung eignet. Gleichzeitig sind diese Betreuungs-Dienstleistungen eine Möglichkeit für Bauernfamilien, den Strukturwandel im ländlichen Raum zu bewältigen. Das Interesse in bäuerlichen Kreisen, in diese Richtung zu diversifizieren, ist gross. Entsprechend hat auch die Nachfrage nach einer fachlichen Ausbildung zugenommen.

Projektziele

Allgemeine Ziele:

  • Der dreisemestrige Pilot-Lehrgang im Emmental soll 16 bis 20 Personen das nötige Know-how für qualifizierte Betreuungsleistungen vermitteln.
  • Die Erfahrungen des ersten Lehrgangs sollen für die Durchführung von Folgekursen im Emmental und in anderen Regionen der Schweiz genutzt werden.

Qualitätsziele:

Die Ausbildung soll:

  • vom BBT anerkannt werden 
  • berufsbegleitend und praxisbezogen sein, d. h. die Bauernfamilien betreuen jemanden bereits während der Ausbildung
  • dezentral angeboten werden
  • in Zusammenarbeit mit einer Fach(hoch)schule für Soziales angeboten werden
  • den Absolventinnen und Absolventen eine allgemeine Basis für ihre Betreuungsarbeit bieten und Einblick in die Bandbreite möglicher Betreuungsangebote im ländlichen Raum  geben
  • der individuellen Situation der Absolventen, insbesondere ihrer Schulbildung und Berufserfahrung angepasst sein
  • dazu beitragen, die Stadt-Land-Kooperation zu verstärken

Finanzieller und zeitlicher Rahmen

Gesamtkosten: CHF 353'000.–

Projektdauer: 5 Jahre (ab Mai 1999 bis 2003)

Auswirkungen des Projekts ...

... auf den Arbeitsmarkt

Die Ausbildung qualifiziert laufend neue bäuerliche Familien, soziale Betreuungsleistungen zu erbringen. Damit eröffnet sich den Absolventen eine neue Einkommensquelle, wodurch die Abwanderung von sozial engagierten Leuten aus der Region vermieden werden kann. In der Region entsteht ein neues Weiterbildungsangebot.

... auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Das Projekt trägt dazu bei, qualifizierte Arbeitsplätze in der Region zu sichern. Gleichzeitig haben landwirtschaftliche Betriebe die Möglichkeit, in den Gesundheitssektor zu diversifizieren und dadurch die regionale Wertschöpfung zu erhöhen.

Modellcharakter des Projekts

Wegen ihren Verpflichtungen im Betrieb haben Bauernfamilien nur sehr wenig Zeit, eine Ausbildung in Angriff zu nehmen. Erschwerend hinzu kommen die oft langen Anfahrtswege ins Zentrum. Das dezentrale Angebot der Lehrgänge soll diese Hürden abbauen. Der Ausbildungsgang kann in jeder Region der Schweiz an einem LBBZ oder INFORAMA nach dem gleichen Konzept durchgeführt werden. Innovativ ist die Zusammenarbeit zwischen landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungsinstitutionen sowie sozialen Fachhochschulen.

Projektleitung

Inforama Emmental
Marlies Budmiger-Stirnemann
Bäregg
3552 Bärau
Tel. +41 34 409 37 11
Fax: +41 34 409 37 10
E-Mail: marlies.budmiger@vol.be.ch

Aus dem Schlussbericht

Dem von Regio Plus unterstützten Projekt Ausbildung Betreuungsleistungen im ländlichen Raum gelang der Aufbau von Kursen für Familien in landwirtschaftlich geprägten Regionen, die in Zusammenarbeit mit professionellen Fachstellen Leute mit speziellen Bedürfnissen betreuen. Den ersten im Rahmen des Projektes angebotenen Kurs schlossen 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgreich ab. Aufgrund des regen Interesses startete im Jahr 2002 ein zweiter Lehrgang mit 18 Teilnehmenden. 2004 begann die dritte Klasse mit 19 Auszubildenden. Die Kurse werden laufend aktualisiert und optimiert.

Der Lehrgang verleiht den Betreuerfamilien die nötige fachliche Sicherheit und fördert die Qualität der Betreuungsleistungen. Die Angebote für Pflegebedürftige Menschen verschaffen den Landwirtsfamilien einen willkommenen Zusatzverdienst. Bereits haben andere Regionen das Modell übernommen. Im Herbst 2003 starteten entsprechende Kurse in der Ostschweiz und im Kanton Aargau. Die neuen Angebote beruhen auf den im Emmental gemachten Erfahrungen.

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Bild: regiosuisse.

Projektdatenbank: Neue Projekte und neues Gewand

Über 400 neue Projekte und ein überarbeitetes Design: Die NRP-Projektdatenbank von regiosuisse kommt erweitert und in einem neuen Gewand daher, neue Projekte werden laufend integriert.
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