Nachhaltige Siedlungswasserwirtschaft (Regio-Plus-Projekt 2000 bis 2003)

In Teichanlagen wird Regenabwasser (Mischung aus Abwasser und Regenwasser) für die Produktion von Rohrkolben genutzt. Diese lassen sich zu einem ökologischen hochwertigen Dämmmaterial oder zu einem Zusatzstoff für den Lehmbau verarbeiten. Damit bietet das Projekt nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im Baugewerbe neue Erwerbschancen. Gleichzeitig wollen die Verantwortlichen zeigen, wie man mit derartigen kombinierten Abwassernutzungs- und Retentionsteichen Probleme des Siedlungswasserbaus kostengünstig und ökologisch sinnvoll bewältigen kann.

Trägerschaft

Kulturland 21 GmbH und Luzerner Gemeinde

Beteiligte Branchen/Gruppen

  • Landwirtschaft
  • Natur- und Umweltschutz
  • Bildung
  • Baugewerbe
  • Öffentliche Hand

Kurzbeschrieb des Projekts

In Teichanlagen wird Regenabwasser (Mischung aus Abwasser und Regenwasser) für die Produktion von Rohrkolben genutzt. Diese lassen sich zu einem ökologischen hochwertigen Dämmmaterial oder zu einem Zusatzstoff für den Lehmbau verarbeiten. Damit bietet das Projekt nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im Baugewerbe neue Erwerbschancen. Gleichzeitig wollen die Verantwortlichen zeigen, wie man mit derartigen kombinierten Abwassernutzungs- und Retentionsteichen Probleme des Siedlungswasserbaus kostengünstig und ökologisch sinnvoll bewältigen kann.

Gründe für das Projekt

Die aktuelle Schweizer Agrarpolitik zielt darauf ab, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Landwirtschaft zu fördern. Das Projekt ist eine konkrete, neuartige und partnerschaftliche Umsetzung dieser Politik. Es bietet den Landwirten neue Erwerbsmöglichkeiten: zum einen durch die Diversifizierung ihrer Produktion und zum anderen durch neue Dienstleistungen für das Gemeinwesen. Genutzt werden kann dieses Potenzial aber erst durch die Kooperation mit dem Gewerbe und der öffentlichen Hand.

Projektziele/Vorgehen

Das Projekt soll die Grundlagen liefern, um in der Region eine kombinierte Abwassernutzungs- und Retentionsanlage zu erstellen. Die Erfahrungen der dreijährigen Pilotphase werden in einem Realisierungskonzept zusammengefasst, das anderen Gemeinden und Regionen als Planungs- und Umsetzungsinstrument dient. Die Ziele der Pilotphase im einzelnen:

  • Eine kombinierte Abwassernutzungs- und Retentionsanlage bauen
  • Erfahrungen mit dem Betrieb sammeln
  • Bewirtschaftungskonzepte entwickeln
  • Verarbeitungskonzepte für Rohrkolben entwickeln
  • Vermarktungsketten für Rohrkolben als Dämmstoff aufbauen
  • Wirtschaftlichkeit des Systems ermitteln
  • Wertschöpfungsketten optimieren
  • Erweiterungsphase vorbereiten
  • Interessenten für die Erweiterungsphase ausbilden
  • Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Fachhochschulen/Technika aufbauen
  • Know-how-Transfer und Ausbildung fördern
  • Bevölkerung informieren

Im Rahmen der Vorarbeiten zum Projekt wurden landschaftsökologische Aspekte untersucht und geeignete Flächen für die Realisierung bestimmt. Ein Systemmodell ermöglicht es, Wasser- und Stoffflüsse zu simulieren und wichtige Kennzahlen wie zum Beispiel die optimale Wasserdurchlässigkeitsrate von Teichanlagen zu berechnen. Auch eine erste Wirtschaftlichkeitsstudie ist bereits erstellt worden.

Vergleichbare Anlagen werden zur Zeit in Süddeutschland und Estland erfolgreich betrieben. Mit den Verantwortlichen dieser Projekte besteht ein intensiver Kontakt. Know-how und Erfahrungen lassen sich so direkt für das Projekt im Kanton Luzern nutzen.

Zeitlicher und finanzieller Rahmen

Projektdauer: 2000 bis 2003

Gesamtkosten: CHF 283 000.–

Auswirkungen des Projekts...

... auf den Arbeitsmarkt

Das Projekt erschliesst in der Landwirtschaft (Anbau von Rohrkolben) und im Baugewerbe (Verarbeitung und Vertrieb von Dämmstoffen) ein neues Einkommenspotenzial.

... auf die regionale Wirtschaftsstruktur

Dank dem Projekt haben Landwirte eine weitere Möglichkeit zu diversifizieren und die Wertschöpfung zu steigern. Die beteiligten Landwirte werden zu Dienstleistern, welche die verschiedensten Aufgaben für die Gesellschaft (Abwasserreinigung und Retention) übernehmen. Dies als Beitrag zur Neuausrichtung der landwirtschaftlichen Produktions- und Dienstleistungsstrukturen und damit zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit.

... auf die Umwelt

Der Anbau von Rohrkolben leistet nicht nur einen Beitrag zur effizienten Ressourcennutzung, sondern auch zur Extensivierung der Landwirtschaft. Während die Nährstoffbelastung der Oberflächengewässer reduziert wird, erhöht sich die Retentionsleistung der Landschaft. über die CO2-Bindung in der Torfschicht tragen Rohrkolben ausserdem zum Klimaschutz bei. Die Rohrkolbenteiche bilden aber auch interessante Lebensräume in der Kulturlandschaft. Schliesslich lassen sich die Rohrkolben zu einem bauökologisch und -technisch hochwertigen Dämmstoff verarbeiten.

Modellcharakter des Projekts

Die branchenübergreifende Kooperation ermöglicht die Entwicklung eines neuartigen Dämmstoffes und trägt dazu, Probleme in den Bereichen Siedlungswasserwirtschaft, Gewässer- und Landschaftsschutz zu lösen. Die Regenabwasserbehandlung ist für viele Gemeinden ein nach wie vor ungelöstes Problem. Bestehende Infrastrukturen müssen mit grossem finanziellen Aufwand den steigenden Abflussmengen aus den Siedlungen angepasst werden. Das Projekt dient als Modell dafür, wie sich diese Aufgabe kostengünstig und umweltverträglich bewältigen lässt.

Projektleitung

Dr. Johannes Heeb
Kulturland 21 GmbH
c/o seecon GmbH
Bahnhofstr. 2
6110 Wolhusen
Tel. +41 41 490 46 88
Fax: +41 41 490 80 74
E-Mail: johannes.heeb@seecon.ch
Website

Schlussbericht

Auf der Rohrkolbenretentionsanlage Geuensee hat sich in den ersten zwei Betriebsjahren ein dichter Pflanzenbestand mit einer interessanten Biotopstruktur entwickelt. Negative Randerscheinungen wie Geruch, Mücken oder Froschquaken blieben gänzlich aus.

Die Anlage erfüllt die erwarteten Retentionsleistungen. Das multifunktionale System ist gleichzeitig Hochwasserschutz und Wasserrückhaltebecken. Nährstoffe des eingeleiteten Oberflächen- und Mischwassers werden durch das Selbstreinigungspotenzial des Retentionsbeckens zurückgehalten und teilweise bakteriologisch abgebaut beziehungsweise von den Pflanzen aufgenommen.

Im September 2003 konnten erstmals Rohrkolben geerntet werden. Das gehäckselte und getrocknete Material soll im August 2004 beim Bau eines Einfamilienhauses eingesetzt werden.

Der Einsatz von Rohrkolben als nachwachsender Rohstoff für Heizzwecke soll auch in Zukunft weiterverfolgt werden. Insbesondere in Regionen mit Brennstoffmangel könnte der schnell wachsende, weltweit vorkommende Rohrkolben eine ökologische und wirtschaftliche Bedeutung erlangen.

Zurzeit wird in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Wirtschaft Luzern ein Marketingkonzept für Rohrkolbenprodukte erstellt. Der Schwerpunkt dieses Konzeptes liegt auf der Verwertung der Fasern und des Stängelmaterials in Baumaterialien, Kunststoffen und Kleidern sowie als Brennstoff. In den nächsten Jahren soll die Anlage optimiert und die Anwendung an weiteren Standorten geprüft werden.

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Bild: regiosuisse.

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