Bilder: Bundesamt für Umwelt BAFU.

Den Landschaftswandel gestalten – Neue Publikation als Orientierungshilfe und Wegweiser

Vielerorts steht in der Schweiz die Landschaftsqualität unter Druck. Über unterschiedliche Sektoralpolitiken kann die Landschaftsqualität verbessert werden. Die neue Publikation «Den Landschaftswandel gestalten», die vom Bundesamtes für Umwelt (BAFU) publiziert wurde, bietet eine anschauliche Übersicht konkreter Handlungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Politikbereichen.

Schweizer Landschaften: Basis für Identität und Wertschöpfung

Wenn es um Wohnen, Freizeit oder Ferien geht, steht Landschaft bei der Bevölkerung weit oben auf der Wunschliste. Bewohnerinnen und Bewohner fühlen sich mit der Landschaft verbunden und für Gäste stellt sie den Reisegrund Nummer eins dar. Ob Matterhorn, Oberengadin, Jungfraujoch, die Berner Altstadt oder der Vierwaldstättersee und Lac Léman, die Schweizer Landschaften als Wahrzeichen geniessen Weltruf und sind einer der entscheidenden Aspekte der Marke «Schweiz». Gerade auch für die Regionen des Berggebiets und der ländlichen Regionen sind die Landschaften ein unschätzbares Kapital, das für manche Branche die Basis der Wertschöpfung darstellt. Doch die Landschaften sind einem raschen Wandel unterworfen. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen – insbesondere die anhaltende Siedlungsentwicklung und der rasante Strukturwandel in der Landwirtschaft – treiben die Veränderungen in der Raumnutzung voran. Dabei gehen Kulturland, Freiflächen und Erholungsräume, aber auch regionaltypische Landschaftselemente und -strukturen, verloren. Vielerorts – sowohl in den Agglomerationen, im ländlichen Raum und in den Tourismusgebieten – steht die Landschaftsqualität deshalb unter Druck. 

Kohärente Landschaftsentwicklung: Herausforderung für alle Beteiligten

Angesichts der Vielfalt an Einflüssen gibt es kein einfaches Rezept, um die Landschaftsqualität zu erhalten. Dies wiederspiegelt auch die Gesetzgebung. Bereits in der Bundesverfassung nehmen vier Artikel direkt oder indirekt Bezug auf die Landschaft, jener zum Natur- und Heimatschutz, zur Landwirtschaft, zur Raumplanung und zum Wald. Entsprechend zahlreich sind auf Gesetzesstufe die Bestimmungen und die Instrumente, die zum Ziel haben, die Landschaftsqualität zu erhalten und zu erhöhen: beispielsweise die verschiedenen Inventare gemäss dem Natur- und Heimatschutzgesetz, die Planungen auf verschiedenen Stufen, Schutzzonen und Bestimmungen zum Bauen ausserhalb der Bauzonen in der Raumplanung oder die Landschaftsqualitätsbeiträge der Landwirtschaftspolitik. Durch die Verankerung der Landschaftspolitik in den verschiedenen sektoriellen Gesetzen stellt sich auf allen Ebenen die Herausforderung, eine kohärente Landschaftsentwicklung zu erreichen. Eine solche setzt voraus, dass sich alle Akteurinnen und Akteure der Landschaftsrelevanz ihrer eigenen Instrumente und Handlungen bewusst sind. Damit dies gelingt, bedarf es auch gemeinsam erarbeiteter Vorstellungen, welche Landschaftsqualitätsziele in einer Region erreicht werden sollen. Durch die Beteiligung aller Akteure lassen sich die Instrumente effizient einsetzen, Synergien nutzen und durch Abwägung der Interessen Zielkonflikte lösen. 

Illustrative Übersicht zur Landschaftspolitik

Als Beitrag zu diesem Prozess bietet die Publikation «Den Landschaftswandel gestalten» des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) einen Überblick darüber, wo und mit welchen Instrumenten sich die Chancen bieten, den Landschaftswandel zu gestalten und die Landschaftsqualität zu steigern. Eine grafische Gesamtdarstellung ordnet über 30 Instrumente nach sachpolitischen Kriterien, aber auch in Bezug auf die Aktionsebene – Bund, Kanton, Region, Gemeinde. Doppelseitige Porträts stellen die Instrumente vor und stellen die Bezüge zu den Gesetzesgrundlagen, Hilfsmitteln für die Umsetzung sowie möglichen Synergien mit anderen Instrumenten her (Abbildungen siehe Galerie). Gegen 120 Anwendungsbeispiele aus den verschiedenen Landesgegenden illustrieren die konkrete Umsetzung im Einzelfall. Zur Sprache kommen die Instrumente des Natur- und Landschaftsschutzes wie Landschaftskonzepte oder Inventare, die verschiedenen raumplanerischen Instrumente, die Instrumente der Landwirtschafts-, Wald und Gewässerschutzpolitik, aber auch Instrumente der Inwertsetzung von Landschaften. Dazu gehören die Pärke von nationaler Bedeutung ebenso wie der Fonds Landschaft Schweiz, die Projekte zur regionalen Entwicklung (PRE) gemäss Landwirtschaftsgesetz, die Neue Regionalpolitik (NRP), aber auch die Velo-, Fuss- und Wanderwegnetze, die für das Landschaftserlebnis von zentraler Bedeutung sind. 

Daniel Arn, stellvertretener Leiter der Sektion Ländlicher Raum beim Bundesamt für Umwelt (BAFU), sieht die neue Publikation als wertvollen Wegweiser im Umgang mit der Landschaft. Sie zeige auf, welche Chancen sich für vor allem für Gemeinden und Regionen eröffnen, in ihren Handlungsbereichen zur Landschaftsqualität beizutragen und welche Synergien sich mit anderen Akteuren und Instrumenten eröffnen. Die Publikation biete eine wichtige Grundlage für das gemeinsame Engagement zur Stärkung der Landschaftsqualität, was zur Steigerung von Wohlbefinden und Wohlfahrt der Gesellschaft beitrage. Sie eigne sich aber auch, um sich in Landschaftsfragen aus- und weiterzubilden. An der ETH Zürich und an der HSR gehört sie bereits zum Pflichtstoff im Grundstudium. 

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Bilder: Bundesamt für Umwelt BAFU.

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