LandschaftsLab

LandschaftsLab: Mit dem Landschafts-Canvas regionalwirtschaftliche Potenziale erschliessen

Wie können Regionen ihre landschaftlichen Qualitäten besser erkennen, gezielt weiterentwickeln und für die regionale Wertschöpfung nutzen? Diese Frage stand im Zentrum eines Workshops an der 6. Tagung Parkforschung Schweiz in Siders (VS). Im «LandschaftsLab» testeten die Teilnehmenden erstmals den Landschafts-Canvas als Tool für den Einstieg in die landschaftsbezogene Regionalentwicklung – mit überzeugenden Ergebnissen.

Landschaftsbezogene Regionalentwicklung als gemeinsame Reise – diesen Ansatz haben das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) mit dem Vademecum «Den Qualitäten und Werten von Landschaften auf der Spur» eingeführt. Die Grundidee: In den Regionen machen sich Akteurinnen und Akteure zusammen auf den Weg, um landschaftliche Qualitäten sichtbar zu machen, Entwicklungsziele zu definieren und konkrete Projekte umzusetzen. Die Reise ist in sechs aufeinander aufbauende Stationen gegliedert.

Im LandschaftsLab – eingebettet in die Tagung Parkforschung mit Schwerpunkt Tourismus und Naherholung am 30. Oktober 2025 in Siders – wurde dieser Ansatz erstmals praktisch erprobt. Dabei kam der Landschafts-Canvas zum Einsatz, der in Anlehnung an den Business Model Canvas die zentralen Fragestellungen eines landschaftsbezogenen Entwicklungsprozesses auf einer Seite bündelt. Damit lassen sich landschaftliche Qualitäten, Nutzungspotenziale, Beteiligte, mögliche Angebote und Umsetzungsschritte gleichzeitig betrachten und miteinander in Beziehung setzen. Für Regionen bietet der Canvas damit eine strukturierte Grundlage, um rasch ins gemeinsame Denken und Handeln zu kommen.

Im LandschaftsLab arbeiteten die Teilnehmenden – Vertreterinnen und Vertreter von Regionen, Pärken, Fachbüros und der Wissenschaft – in moderierten Kleingruppen an drei realen Praxisbeispielen:

  • Ernen (VS): Die Gruppe setzte sich mit der Frage auseinander, wie bestehende touristische Angebote im Landschaftspark Binntal weiterentwickelt werden können, ohne Überkapazitäten zu schaffen. Als konkreter Ansatz entstand die Idee, die Gemeinschaftsgärten in Ernen gezielt als verbindendes Element zwischen Landschaft, Siedlung und Kultur zu nutzen.
  • Lavaux (VD): Im Fokus stand die Verbindung von ökologischen Qualitäten und wirtschaftlicher Nutzung in der Weinbaulandschaft des Lavaux. Die Diskussion mündete in der Erkenntnis, dass landschaftliche Veränderungen aktiv als Chance für Weiterentwicklung genutzt werden können. Es wurde aber auch deutlich, dass die Landschaft – ergänzend zum Wein – stärker als kulturelles Produkt positioniert werden sollte.
  • Tschlin (GR): Ausgehend von Nutzungskonflikten entwickelte die Gruppe konkrete Ideen zur qualitativen Aufwertung bestehender Wege durch die Berglandschaft, etwa durch die Schaffung attraktiver Orte mit landschaftlichen Gestaltungselementen, die zum Verweilen und Geniessen der Umgebung einladen. Gemeinsame Begehungen von Wegen wurden zudem als einfacher Ansatz identifiziert, um Konflikten vorbeugen und Synergien zu schaffen.

Der Praxistest zeigte, dass der Landschafts-Canvas ein pragmatisches Instrument ist, um in die landschaftsbezogene Regionalentwicklung einzutauchen und landschaftliche Qualitäten systematisch in regionale Entwicklungsprozesse einzubringen. Die Methode hilft, komplexe Fragestellungen zu strukturieren, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und den Fokus von abstrakten Diskussionen auf konkrete Potenziale, Stakeholder und Umsetzungsschritte zu lenken. Besonders geschätzt wurde, dass der Canvas einen klaren Rahmen vorgibt, ohne die Offenheit für kreative Ideen einzuschränken. Die Teilnehmenden konnten an verschiedenen Stellen einsteigen, Zusammenhänge sichtbar machen und gemeinsam an einer regionalen Landschafts-Story arbeiten.

Nach dem niederschwelligen Start braucht es allerdings Ressourcen und Kompetenzen für die Ausarbeitung und Umsetzung von Projekten. Genau dafür gibt es das von BAFU und SECO finanzierte Angebot der Impuls-Landschaftsberatung. Es steht sowohl Gemeinden als auch privaten Akteurinnen und Akteuren offen – etwa zur Entwicklung neuer Projektideen oder zur Optimierung bestehender Vorhaben.

Weitere Informationen:

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