Bild: regiosuisse.

Was unterstützt die NRP in der Industrie?

Egal ob eine Firma im Onlinebereich, ein Sanitär-Betrieb oder eine Schreinerei – KMU generieren Wertschöpfung. Gerade in ländlichen Räumen und Berggebieten der Schweiz kommt ihnen deshalb eine hohe Bedeutung zu. In der Neuen Regionalpolitik (NRP) bilden der Industriebereich und das Gewerbe deshalb einen Förderschwerpunkt. Der Fokus liegt dabei auf der Innovationsförderung für KMU in den Regionen. Dies beinhaltet unter anderem Produkt-, Prozess- oder Geschäftsinnovationen.

Der Bund stellt in der Periode 2016–2023 im Rahmen der NRP folgende Finanzierungshilfen zur Verfügung:

  • A-fonds-perdu-Beiträge: CHF 40 Mio. pro Jahr
  • Darlehen: CHF 50 Mio. pro Jahr

Gemäss Erfahrungswerten fliessen über die Hälfte der à-fonds-perdu Beiträge in Projekte im Förderschwerpunkt «Industrie».

Die Kantone sind verpflichtet, die Mittel des Bundes in jeweils mindestens gleicher Höhe zu ergänzen.

Mehr zu den Finanzhilfen im Rahmen der NRP finden Sie in der Rubrik «Finanzhilfen und räumlicher Förderbereich».


Was wird gefördert?

Die Unterstützung läuft einerseits über sogenannte «Regionale Innovationssysteme (RIS)»: diese werden über die NRP finanziell unterstützt und bieten dann wiederum Dienstleistungen zur Innovationsförderung für KMU an. Andererseits werden auch Projekte direkt gefördert.

1. Die NRP fördert den Wissenstransfer und die Innovationsfähigkeit von KMU durch «Regionale Innovationssysteme (RIS)»

Innovationen, das heisst das Hervorbringen von neuen Produkten und Dienstleistungen oder Prozessen, liegt in erster Linie in der Verantwortung der Unternehmen. Einen wichtigen Nährboden für Innovationen bildet jedoch der regionale Austausch zwischen Unternehmen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie der öffentlichen Hand. Um diesen Austausch anzutreiben, legt die NRP deshalb bei der Förderung einen Schwerpunkt auf die Innovationsunterstützung in «Regionalen Innovationssystemen (RIS)».

RIS beziehen sich auf funktionale – in der Regel überkantonale und teilweise Landesgrenzen überschreitende – Wirtschaftsräume, in denen die für Innovationsprozesse wesentlichen Akteure in Netzwerken zusammenarbeiten: Unternehmen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie die öffentliche Hand. RIS fördern die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der KMU, indem sie koordinierte Unterstützungsangebote und Dienstleistungen in den Bereichen Information, Beratung, Vernetzung, Infrastruktur und Finanzierung anbieten (konkrete Beispiele finden Sie bei den Beschreibungen der einzelnen RIS unten). Zudem bündeln sie andere, bereits bestehende Förderangebote und vermitteln KMU bei Bedarf an andere Förderstellen.

Die NRP ist für KMU da, weshalb sie in die RIS investiert, die wiederum Dienstleistungen für Unternehmen anbieten. Die NRP wirkt auf die Entwicklung der RIS ein, indem sie die strategische Steuerung und Entwicklung von RIS durch RIS-Managements fördert und bestimmte Dienstleistungen der RIS-Managements direkt unterstützt. Die Innovationsstrategie sowie die Innovationsförderangebote der RIS werden von den beteiligten Kantonen definiert. 

Insgesamt wurden in der Schweiz sechs RIS lanciert resp. befinden sich im Aufbau: 

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SECO
Bild: SECO
Basel-Jura (BL, BS, JU)

Kernorganisationen im RIS Basel Jura sind «BaselArea.swiss» als Agentur für alle Innovationsdienstleistungen und der «Switzerland Innovation Park Basel Area» als Anbieter von Innovationsinfrastrukturen. BaselArea.swiss fokussiert auf die Themen Standortförderung und Innovation:

  • Stärkung des Wirtschaftsstandorts Nordwestschweiz, 
  • Beratung von ausländischen Firmen bei Ansiedelungen, 
  • Ausbau eines dynamischen Innovations- und Start-up-Ökosystems,
  • Pflege eines Netzwerks von Entscheidungsträgerinnen und -trägern, Innovatorinnen und Innovatoren, Expertinnen und Experten und Multiplikatoren
  • Unterstützung bei Start-up- und Innovationsvorhaben.

Besonders gefragt sind «Innovation Events» zu aktuellen Innovations- und Unternehmensthemen: Diese dienen als neutrale Plattformen, an denen sich Akteurinnen und Akteure informieren, vernetzen oder sogar bereits konkrete Kooperationen anbahnen können. Ausserdem gibt es das neue Programm «BaselLaunch»: das 15-monatige Programm beschleunigt und entwickelt vielversprechende Vorhaben von Healthcare-Start-ups.

Kontakt:
BaselArea.swiss
Dufourstrasse 11
4010 Basel
Tel.: +41 61 295 50 05
christof.kloepper@baselarea.swiss 
www.baselarea.swiss

Mittelland (BE)

Die be-advanced AG ist die zentrale Koordinationsstelle im RIS Mittelland und steht im engen Kontakt mit verschiedenen Partnern wie der Universität Bern, der Berner Fachhochschule, Clustervereinen, Wirtschaftskammern und -verbände usw. be-advanced steht für einen unabhängigen und überregional vernetzten Impulsgeber, stärkt die Innovationskraft sowie Wettbewerbsfähigkeit der im Kanton Bern angesiedelten Unternehmensgründerinnen und -gründer, Start-ups und KMU sowie Firmen, die sich hier ansiedeln möchten. Das Angebot umfasst

  • Beratungen für Neugründerinnen und -gründer,
  • ein auf zwei Modulen aufbauendes Startup-Förderprogramm (be-advanced Challenge & HighFlyer-Programm),
  • sowie KMU-Coaching.

Kontakt:
be-advanced AG
Bern Hub
Spitalgasse 28
3011 Bern
Tel.: +41 31 335 62 62
info@be-advanced.ch
www.be-advanced.ch

Ost (AI, AR, GL, GR, SH, SG, TG, Zürcher Berggebiet)

Das RIS Ost befindet sich derzeit im Aufbau. Detaillierte Informationen werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.

Kontakt:
Wirtschaftsförderung Thurgau
Promenadestrasse 8
8510 Frauenfeld
Tel.: +41 58 345 55 00
wifoe@tg.ch 
www.wifoe.tg.ch

Sistema regionale d’innovazione SRI (TI)

Die Stiftung AGIRE koordiniert im Rahmen eines kantonalen Mandats das RIS Südschweiz. Sie vernetzt die wirtschaftlichen, akademischen und institutionellen Akteure und stärkt damit ein innovatives Ökosystem inner- und ausserhalb des Kantons Tessin. Die Koordination von kantons- und grenzüberschreitenden Programmen mit dem Kanton Graubünden oder Norditalien gehören ebenso zu den Aufgaben wie das Betreiben des «Tecnopolo Ticino» in Manno, welcher Coaching und Büroräumlichkeiten für Start-ups anbietet. Die Leistungen umfassen ausserdem Unterstützung von regionalen Firmen beim Wissens- und Technologietransfer, bei der Suche nach Partnern und Mitarbeitenden, beim Schutz des geistigen Eigentums sowie beim Zugang zu Technologie. Neben dem Standort Manno führt AGIRE den Tecnopolo in Chiasso für digitale Start-ups. Ein weiterer Standort im Medtech-Bereich ist in Lugano im Aufbau, während in Bellinzona Räumlichkeiten für Biomed-Start-ups geplant sind.

Kontakt:
Fondazione AGIRE
Via Cantonale 18
Stabile Suglio (East entrance)
6928 Manno
Tel.: +41 91 610 27 10
info@agire.ch 
www.agire.ch

Westschweiz (BE, FR, VD, VS, NE, GE, JU)

Die Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz der Westschweiz (VDK-WS) hat das Regionale Innovationssystem der Westschweiz (RIS-SO) lanciert. Ziel ist, KMU und Start-ups der Westschweiz in den Bereichen sektorielle Förderung und Coaching-Dienstleistungen eine wirkungsvolle und kundennahe Unterstützung zu bieten. Zwei Herausforderungen sind dabei zentral:

  • die für KMU und Start-ups angebotenen Dienstleistungen konsolidieren und optimieren;
  • die Entwicklung von Synergien zwischen den am RIS beteiligten Akteurinnen und Akteuren und deren Angeboten unterstützen.

Instrumente der VDK-WS im Rahmen der NRP:

  • Sektorielle und intersektorielle Förderung: vier branchenspezifische Plattformen (BioAlps, Alp ICT, Micronarc, CleantechALPS) entwickeln und begünstigen Partnerschaften, um die Innovationsfähigkeit von KMU und Start-ups der Westschweiz zu erhöhen und zu beschleunigen. Um dieses Ziel zu erreichen, agieren die Plattformen als Verbindungsglieder zwischen den Unternehmen, Forschungsakteuren, politischen Akteuren und Geldgebern.
  • Coaching-Dienstleistungen: Die beiden Coaching-Organe «platinn» und «Alliance» unterstützen KMU und Start-ups in ihren Innovationsvorhaben. Sie decken die drei Bereiche technologische Innovation (Alliance), Geschäftsinnovation (platinn) sowie Suche nach Geldgebern und Vernetzung mit Investoren (platinn matchINVEST) ab.
  • Synergie- und Kollaborationsprojekte: KMU und Start-ups sollen genau die Unterstützung erhalten, die ihren Bedürfnissen entspricht. Die kantonalen Anlaufstellen und der Zugang zu einem Projektpool für die Akteurinnen und Akteure des RIS-SO verfolgen deshalb das Ziel, die Effizienz der Synergien zwischen den Dienstleistern des Programms und deren Angeboten zu verbessern.

Kontakt:
CDEP-SO 
Bd de Pérolles 33
1700 Fribourg
Tél.: +41 26 305 51 06
cdep-so@fr.ch  
www.cdep-so.ch

Zentralschweiz innovativ (LU, NW, OW, SZ, UR, ZG)

«zentralschweiz innovativ» ist das gemeinsame Programm der sechs Zentralschweizer Kantone zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Mit dem Programm werden kleine und mittlere Unternehmen bei der Realisierung ihrer innovativen Ideen und Projekte unterstützt. Das Kernangebot von zentralschweiz innovativ besteht aus einer kostenlosen Unterstützung für KMU: Die Unternehmung oder auch Einzelperson präsentiert ihre Idee in einem persönlichen Gespräch den erfahrenen Innovationscoaches. Diese recherchieren und unterstützen in der Folge bis zu 20 Stunden kostenlos, unverbindlich und vertraulich. Zeigen die Vorarbeiten ein grosses Potential, so werden die KMU bei der Umsetzung bis hin zum Projektmanagement weiter kostenlos unterstützt. zentralschweiz innovativ bietet zudem Folgendes an:

  • «Zinno Ideenscheck-Wettbewerb» für die Idee mit dem höchsten Wertschöpfungspotential, pro Quartal wird ein Scheck in Höhe von CHF 15'000.- gesprochen für die beste Idee.
  • Organisation von Themen- und Netzwerkanlässen (ca. 10-12 Anlässe pro Jahr mit über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern)
  • Unterstützung bei KTI Anträgen (KTI Mentoring)

Kontakt:
zentralschweiz innovativ
Ebenaustrasse 20
6048 Horw
Tel.: +41 41 349 50 60
inno@zinno.ch 
www.zentralschweiz-innovativ.ch

Seit 2015 wurden zentrale Fragen und Themen zur Koordination und Entwicklung der RIS im Rahmen der NRP in der regiosuisse-Wissensgemeinschaft (WiGe) «RIS» bearbeitet. Angesichts der Bedeutung der RIS für die NRP und um den initiierten Informations- und Erfahrungsaustausch dauerhaft aufrechtzuerhalten und zu unterstützen, wurde die WiGe «RIS» im Jahr 2017 in die neue, dauerhafte Plattform «RIS-Netzwerk» überführt. 

2. Die NRP fördert Industrie-Projekte in verschiedenen Themenbereichen

Im Industriebereich und dem Gewerbe werden im Rahmen der NRP unter dem Förderschwerpunkt «Industrie» konkrete Projekte direkt gefördert. In welchen Themenbereichen sich diese Projekte bewegen und welche Kriterien sie erfüllen müssen, unterscheidet sich je nach Kanton (siehe unten). Grundsätzlich können regionale Akteurinnen und Akteure jeglicher Art – Regionen, Gemeinden, Unternehmen, weitere Institutionen, Organisationen usw. – NRP-Projekte lancieren und umsetzen. KMU kommen als potenzielle Projektträger also ebenfalls in Frage. Einzelbetriebliche Förderung ist grundsätzlich jedoch nicht erlaubt: Projekte sollen die Entwicklung einer Region als Ganzes fördern.

Mehr zum Umsetzungsprozess und wer alles NRP-Projekte initiieren kann, finden Sie in der Rubrik «Umsetzungsprozess und Akteure».


Förderschwerpunkt «Industrie» in den Kantonen und Projektbeispiele

Welche Förderschwerpunkte und -inhalte die Kantone im Rahmen der NRP priorisieren, können diese unter Beachtung der Vorgaben des Bundes selbst entscheiden. Die Industrie nimmt bei allen an der NRP beteiligten Kantone in deren Umsetzungsprogrammen einen wichtigen Stellenwert ein. Welche Massnahmen in welchem Kanton genau umgesetzt werden, kann dem jeweiligen Umsetzungsprogramm entnommen werden. Projektbeispiele im Förderbereich «Industrie» finden Sie in der regiosuisse NRP- und Interreg-Projektdatenbank.


Förderschwerpunkt «Industrie» in anderen Politiken und Programmen

Interreg / ETZ: Der Förderschwerpunkt «Industrie» resp. die Innovationsförderung spielt in praktisch allen Programmen der Europäischen territorialen Zusammenarbeit (ETZ) resp. Interreg mit Schweizer Beteiligung eine wichtige Rolle. Jedes Programm verfolgt dabei seine eigenen Ziele: Mehr Informationen finden Sie in den Rubriken der einzelnen Programme.

Kohärente Raumentwicklung: Im Rahmen der kohärenten Raumentwicklung ist der Schwerpunkt «Industrie» resp. die Innovationsförderung ebenfalls ein wichtiger Punkt: Dies beinhaltet die Agglomerationspolitik (AggloPol) sowie die Politik für die ländlichen Räume und Berggebiete (P-LRB). Mehr Informationen finden Sie in der entsprechenden Rubrik.

Weitere Politiken und Programme: In der Rubrik «Schnittstellen der NRP mit anderen Politiken» finden Sie Informationen zu weiteren Politiken und Programmen der Schweizer Innovationspolitik.

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