Plattform Kreislaufwirtschaft: Areale als Hebel für zirkuläre Ansätze
Rund 50 Fachpersonen aus der Regionalentwicklung, der öffentlichen Verwaltung Arealentwicklung, Raumplanung, Wirtschaftsförderung und weiteren Bereichen nutzten die Gelegenheit, sich anhand von Praxisbeispielen aus der ganzen Schweiz mit den Potenzialen und Herausforderungen von Arealentwicklungen auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt standen konkrete Ansätze zur Aktivierung, Positionierung und Weiterentwicklung von Arealen sowie deren Potenzial für Kreislaufwirtschaft.
Areale aktiv gestalten: Das Beispiel MFO-West in Zürich
Den Auftakt der Praxisbeispiele machte das Projekt MFO-West und das Haus für Kultur und Kreislaufwirtschaft in Zürich. Tian Hartmann (Projektstab Stadtrat Stadt Zürich) und Tobias Häne (Liegenschaften Stadt Zürich) zeigten auf, wie Stadt und Regionalentwicklung gemeinsam die Transformation eines Areals aktiv gestalten können.
Im Zentrum standen Fragen zur langfristigen Entwicklung des Areals, zur Rolle öffentlicher Akteure sowie zur Integration von Kreislaufwirtschaft in Planung und Nutzung. Besonders hervorgehoben wurde das Bestreben, das Areal als experimentellen Raum für eine intelligente Ressourcenwirtschaft zu nutzen, wo durch den Erhalt von Bausubstanz, modulare Nutzungen und pionierhafte Projekte wie das zukünftige «Haus für Kreislaufwirtschaft» neue Standards für eine nachhaltige Stadtentwicklung gesetzt werden sollen.
Ecoparc de Daval: Ein Areal als Standort für Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft
Anschliessend stellte Stéphane Revey der Wirtschaftsförderung Siders/Sierre den Ecoparc de Daval vor. Das Projekt zeigt, wie ein Areal langfristig mittels Leitbild gezielt als Standort für Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft positioniert werden kann.
Im Fokus standen die strategische Ausrichtung des Areals, die Ansiedlung passender Unternehmen sowie die Schaffung von Synergien zwischen verschiedenen Nutzenden. Besonders diskutiert wurde die praktische Umsetzung industrieller Symbiosen, bei denen Stoffströme wie Abwasser oder Energie zwischen den Ansiedlern gekoppelt werden, sowie die strategische Herausforderung, durch ein verbindliches Leitbild und eine aktive Bodenpolitik genau jene Unternehmen auszuwählen, die diesen ökologischen und wirtschaftlichen Mehrwert vor Ort realisieren.
Das Beispiel verdeutlicht, dass die Wirkung einer Arealentwicklung eine ganze Region prägen und strategische und thematisch positionieren kann.
EcoCircular Lyss: Kreislaufwirtschaft über Unternehmensgrenzen hinweg
Grosses Interesse weckte das Beispiel EcoCircular Lyss. Georg Herriger zeigte auf, wie sich ein Industriegebiet schrittweise im laufenden Betrieb zu einem Hub für überbetriebliche Kreislauflösungen entwickelt.
Im Zentrum standen die Nutzung gemeinsamer Infrastrukturen, die Schaffung neuer Kooperationen sowie die Entwicklung von Stoff-, Energie- und Nutzungskreisläufen über Unternehmensgrenzen hinweg.
Für die Regionalentwicklung bietet das Projekt wertvolle Erkenntnisse, da es zeigt, wie regionale Akteure eine koordinierende und vernetzende Rolle übernehmen können, um neue Formen der Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Einblick in das Innovationsökosystem BaselCircular und das FRANCK Areal
Am Nachmittag stellte Anja Nieveler das Innovationsökosystem BaselCircular vor. Die so in der Schweiz einzigartige Initiative fördert die Vernetzung von Unternehmen, Forschung, Verwaltung und Zivilgesellschaft und schafft damit in Basel wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung zirkulärer Lösungen.
Im Anschluss folgte wohl das Highlight der Veranstaltung: Die Teilnehmenden erhielten einen eindrücklichen Rundgang durch das FRANCK Areal und Einblick in innovative Nutzungskonzepte, Materialkreisläufe und Ansätze des zirkulären Bauens. Christoph Peter und Julia Füzesi erläuterten die Entwicklung des ehemaligen Industrieareals und zeigte auf, wie bestehende Strukturen weitergenutzt und neue Nutzungen integriert werden können.
Die verschiedenen Räume mit ihren alten Maschinen, knarzenden Treppenstufen und hohen Decken vermittelten einen eindrücklichen Eindruck der industriellen Vergangenheit des Areals. Sie regten die Vorstellungskraft der Teilnehmenden an, wie hier vor über 100 Jahren Tag für Tag das Kaffeeersatzprodukt «Franck Aroma» aus den Wurzeln der einheimischen Zichorienpflanze, auch Wegwarte genannt, hergestellt wurde.
Von der Inspiration zur Umsetzung
Im abschliessenden Workshop diskutierten die Teilnehmenden, welche Kreislaufpotenziale in ihren eigenen Regionen bestehen und welche Rolle Regionalentwicklungen bei der Entwicklung von Arealen übernehmen können.
Die Diskussionen machten deutlich, dass Areale weit mehr sind als reine Wirtschafts- oder Entwicklungsstandorte. Sie können als Plattformen für Innovation, Zusammenarbeit und Kreislaufwirtschaft wirken und dadurch einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung von Regionen leisten.