1. Themendossier Nachhaltige Entwicklung
  2. Klima, Energie & Biodiversität
Nachhaltigkeit in der Regionalentwicklung
 

Ökologische Dimension der nachhaltigen Entwicklung im Kontext der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Im Verständnis der nachhaltigen Regionalpolitik bedingt wirtschaftlicher Erfolg langfristig auch, dass die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten, klimatische Risiken berücksichtigt und die Potenziale von Biodiversität und Landschaft gezielt genutzt werden. Die ökologische Dimension der nachhaltigen Entwicklung bildet dabei eine zentrale Grundlage für die langfristige Leistungsfähigkeit und Attraktivität von Regionen.

Im Kontext der NRP bedeutet dies zunächst, dass die Akteurinnen und Akteure in den Zielgebieten die Risiken und Chancen des Klimawandels sowie die Chancen der Inwertsetzung von Biodiversität, Landschaft und Baukultur erkennen und verstehen. Nachhaltige Regionalentwicklung setzt daher voraus, dass Regionalmanagements und weitere Akteurinnen und Akteure, wie Unternehmen und Gemeinden, über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um diese Entwicklungen frühzeitig zu erfassen und strategisch darauf zu reagieren.

Neben dem Klimawandel gewinnen Biodiversität, Landschaft und Baukultur als regionale Entwicklungsfaktoren zunehmend an Bedeutung. Qualitätsvolle Landschaften und Ortsbilder, vielfältige Ökosysteme und attraktive Natur- und Kulturräume leisten nicht nur wichtige ökologische Funktionen, sondern stellen auch bedeutende Standortfaktoren für Wohnen, Arbeiten, Tourismus und Freizeit dar. Die Fähigkeit, diese Qualitäten zu erkennen und ihre Potenziale in Entwicklungsstrategien einzubeziehen, wandelt sich zunehmend von einem Vorteil zu einer Notwendigkeit.

Die Aktivitäten beschränken sich jedoch nicht auf die Sensibilisierung für Chancen und Risiken. Von zentraler Bedeutung ist auch, dass Investitionen und Entwicklungsprojekte hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Klima, Energie, Ressourcenverbrauch, Landschaft und Biodiversität optimiert werden. Infrastrukturvorhaben, industrielle und touristische Einrichtungen prägen die Entwicklung einer Region oft über Jahrzehnte hinweg. Die Nutzung bestehender (Gebäude-)Strukturen und der Einbezug ökologischer Aspekte bereits in frühen Planungsphasen ermöglicht - mit geringerem Aufwand als bei Nachbesserungen - den Energieverbrauch zu senken, Ressourcen effizient einzusetzen und negative Auswirkungen auf Biodiversität, Ortsbilder und Landschaft möglichst zu vermeiden oder zu minimieren sowie die baukulturellen Qualitäten zu erhöhen.

Darüber hinaus sollen auch die wirtschaftlichen Chancen von Biodiversität, Landschaft und Baukultur aktiv genutzt werden. Die NRP versteht natürliche, landschaftliche und baukulturelle Qualitäten nicht ausschliesslich als Schutzgüter, sondern auch als Entwicklungspotenziale. Insbesondere in ländlichen Räumen, Berggebieten und Tourismusregionen bilden attraktive Landschaften und die lokale Baukultur häufig die Grundlage für einzigartige Erfahrungen. Touristische Angebote, regionale Produkte, natur- und kulturlandschaftsbezogene Dienstleistungen oder innovative Freizeit- und Kulturangebote können dazu beitragen, diese Potenziale nachhaltig zu erschliessen. Cercle régional – Gemeinsam für starke Regionen  | Regionalentwicklung | regiosuisse

Die ökologische Dimension der nachhaltigen Regionalentwicklung schafft die Voraussetzungen dafür, dass regionale Wertschöpfung mit Rücksicht auf die Umwelt erfolgt und gleichzeitig auf den spezifischen natürlichen Potenzialen einer Region aufbaut. Im Rahmen der NRP werden damit Klima, Energie, Biodiversität und Landschaft nicht nur als Herausforderungen, sondern vor allem als strategische Chancen verstanden.

Landschaftsbezogene Regionalentwicklung und Impuls-Landschaftsberatung

Die landschaftsbezogene Regionalentwicklung beschäftigt sich mit der Frage, wie Landschaftsqualitäten, Biodiversität und Baukultur regionalwirtschaftlich in Wert gesetzt und gesichert werden können.

Wie eine auf Landschaftsaspekten basierende Regionalentwicklung gestaltet werden kann, zeigen verschiedene Berichte und Pilotprojekte. Die Studie «Landschaft als Leitthema für eine nachhaltige Regionalpolitik» analysierte 14 Beispiele, mit denen landschaftsbezogene Regionalentwicklung in den verschiedensten Räumen, Dimensionen und Ausprägungen landschaftsbezogene Regionalentwicklung konkretisiert wurde – im ländlichen Raum und in Berggebieten ebenso wie in Städten und Agglomerationen, in der Peripherie und in Zentren, in kleinen Gemeinden genauso wie in grösseren Regionen. Im Fokus stehen in erster Linie die Landschaftsleistungen «Standortattraktivität», «Erholung» und «ästhetischer Genuss» (Davos Qualitätssystem für Baukultur) als Fundament für die Inwertsetzung durch den Tourismus (Baukultur im Tourismus und ISOS). Die landwirtschaftliche Produktion und die Baukultur sind weitere wichtige Elemente der Inwertsetzung von Landschaft, meist verbunden mit Aspekten wie «regionale Produkte», «Esskultur», «Ortsplanung» oder «Digitalisierung». Eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema «Landschaft» auf regionaler oder lokaler Ebene bildet die Grundlage für die Inwertsetzung. Auf diese Weise bietet Landschaft als Handlungsraum der Regionalentwicklung einen Ausweg aus dem sektoriellen Ansatz von «Schutz» und «Nutzung» und einen Ansatz zur Synthese der beiden. 

Das vom SECO und vom BAFU gemeinsam publizierte Vademecum «Qualitäten und Werte von Landschaften auf der Spur» ordnet bisherige Erkenntnisse und Erfahrungen zur landschaftsbezogenen Regionalentwicklung in Form eines praxisorientierten Reiseführers ein. Anhand von sechs Stationen zeichnet er eine Route, wie dieser Weg begangen werden kann, zeigt Methoden auf und vermittelt Tipps und Beispiel aus der Praxis.

 

Interaktive Grafik: ID 20

 

Die Schnittmenge zwischen wirtschaftlich und ökologisch nachhaltiger Projekte stellt eine Herausforderung dar, die oft Fachkenntnisse oder den Beizug von Fachpersonen benötigt. Aus diesem Grund bieten das SECO und BAFU gemeinsam zwei Beratungsangebote an.

Impuls-Landschaftsberatungen können Gemeinden, Regionen und private Trägerschaften dabei unterstützen, landschaftliche Qualitäten zu analysieren, Infrastrukturen umweltverträglicher zu gestalten und konkrete Handlungsoptionen für Planungen und Projekte abzuleiten. Dabei stehen nicht nur Naturschutzaspekte im Vordergrund, sondern auch Fragen der regionalen Attraktivität, der touristischen Inwertsetzung und der langfristigen Standortentwicklung. Jede Beratung erfolgt individuell und auf die konkreten Bedürfnisse zugeschnitten.

 

Interaktive Grafik: ID 23

 

Kurzportraits der vom SECO beauftragten Beraterinnen und Berater für private Akteurinnen und Akteure

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Géraldine Regolini (DE/FR/IT)

Géraldine Regolini ist Mitbegründerin des Bureau d’étude Relief und promovierte Geografin der Universität Lausanne. Sie ist auf die Evaluation, das Management, die Inwertsetzung und Kommunikation von Natur- und Landschaftswerten spezialisiert. Sowohl beruflich als auch privat ist Sie in der ganzen Schweiz unterwegs. Sie spricht fliessend Deutsch, Französisch und Italienisch und verfügt über ein tiefgehendes Verständnis der kulturellen und landschaftlichen Besonderheiten des Landes. 

Géraldine Regolini
Geografin, Dr. Geowissenschaften
Bureau d’étude Relief
1860 Aigle / 6959 Piandera Paese
077 510 91 41 (Mo-Do)
geraldine.regolini@bureau-relief.ch
www.bureau-relief.ch

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Peter Marty (DE)

Landschaftsqualität und eine reiche Biodiversität sind wichtige Standortvorteile. Gleichzeitig brauchen ländliche Regionen und Berggebiete Gestaltungs- und Entwicklungsspielraum. Konkurrierende Raumnutzungsinteressen in Projekten gewinnbringend zu verknüpfen, stärkt Regionen in ihrer Gesamtheit.
Bedürfnis- und anwendungsorientiert begleitet und unterstützt Peter Marty landschaftsorientierte Regionalentwicklungsprojekte. Dabei stützt er sich auf seine langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Gemeinden, Tourismusorganisationen und weiteren öffentlich-rechtlichen Institutionen und Projektträgerschaften. Sein Schwerpunkt liegt auf der Erschliessung regionaler Potenziale in engem Austausch mit den betroffenen Anspruchsgruppen.
Mit seinem Hintergrund als Kulturingenieur ETH arbeitet Peter Marty seit 20 Jahren als Dozent und Projektleiter an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil im Bereich Umwelt und natürliche Ressourcen.

Peter Marty
Dozent und Projektleiter
+41 58 934 59 42
peter.marty@zhaw.ch
www.zhaw.ch

Dunja Kovari

Dunja Kovari-Binggeli (DE/FR)

Dunja Kovari-Binggeli, Gründerin und Mitinhaberin von sa_partners, einer Agentur für Planung in Zürich, verfügt über langjährige Erfahrung in der Gemeinde- und Regionalentwicklung. Schwerpunkt ihrer Arbeit bilden nicht zuletzt die Inwertsetzung von Landschaften für eine nachhaltige und prosperierende Entwicklung sowie der Einsatz für mehr Biodiversität und ein besseres Stadtklima. Sie ist Mitglied der Kommission für Fragen des Naturschutzes und der Freiraumplanung der Stadt Zürich und tritt regelmässig am Weltklima-Gipfel mit Themen rund um eine integrative Landschaftsentwicklung auf.

Dunja Kovari-Binggeli
sa_partners Agentur für Städtebau und Planung
Dufourstrasse 95, 8008 Zürich
+41 44 515 25 21
dunja.kovari-binggeli@sapartners.ch
www.sapartners.ch

 

Projektbeispiele

Projektkollektion: ID 59

 

Weiterführende Informationen

Foto: Stefan Somogyi Photography

 

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