1. Themendossier Nachhaltige Entwicklung
  2. Chancengleichheit und sozialer Zusammenhalt
Nachhaltigkeit in der Regionalentwicklung
 

Soziale Dimension der nachhaltigen Entwicklung im Kontext der Neuen Regionalpolitik (NRP)

Die NRP hat die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen in den Regionen, die Erhaltung einer dezentralen Besiedlung und den Abbau regionaler Disparitäten zum Ziel. Als wirtschaftspolitisches Instrument soll dies über die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und die Erhöhung der Wertschöpfung in den Regionen erfolgen. Der Zweckartikel selbst offenbart jedoch, wie eng wirtschaftliche und gesellschaftliche Ziele beieinander liegen.

Im Rahmen der NRP bedeutet soziale Nachhaltigkeit zunächst, die aktive Beteiligung der relevanten Akteurinnen und Akteure an regionalen Entwicklungsprozessen sicherzustellen. Regionale Entwicklung kann nur dann langfristig erfolgreich sein, wenn die von ihr betroffenen Personen und Organisationen frühzeitig in Planungs-, Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse einbezogen werden. Gemeinden, Unternehmen, Vereine, Interessengruppen sowie die Bevölkerung verfügen über wertvolles Wissen zu den Potenzialen und Herausforderungen ihrer Region. Ihre Mitwirkung erhöht nicht nur die Qualität von Projekten und Strategien, sondern stärkt auch deren Legitimität und Akzeptanz. Entsprechend sollen die Akteurinnen und Akteure in den NRP-Zielgebieten ihre Projekte zunehmend so ausgestalten, dass sie die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Teilhabe möglichst vieler gesellschaftlicher Gruppen fördern und zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts beitragen.

 

Regionalentwicklung als gemeinschaftliche Aufgabe

Die NRP versteht regionale Entwicklung zudem als gemeinschaftliche Aufgabe unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure. Die Herausforderungen, vor denen Regionen heute stehen – wie etwa Abwanderung oder die demografische Entwicklung –, können von einzelnen Organisationen allein kaum bewältigt werden. Deshalb gewinnt die partnerschaftliche Zusammenarbeit über institutionelle, fachliche und sektorale Grenzen hinweg zunehmend an Bedeutung. Die Förderung solcher Kooperationen entspricht sowohl den Nachhaltigkeitszielen des Bundes als auch den Grundprinzipien der NRP. Wenn Unternehmen, öffentliche Institutionen, Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Organisationen ihre Kompetenzen bündeln, entstehen neue Ideen, Innovationen und Lösungsansätze. Gleichzeitig werden Netzwerke gestärkt, Vertrauen aufgebaut und gemeinsame Verantwortung für die Entwicklung der Region übernommen. Gerade in diesem gemeinsamen Aushandeln unterschiedlicher Interessen liegt eine wichtige Verbindung zur Baukultur: Die Qualität unseres Lebensraums ist nicht allein eine Frage der gebauten Umwelt, sondern auch eine Frage des gesellschaftlichen Prozesses, durch den Vorstellungen über seine zukünftige Entwicklung entstehen und ausgehandelt werden. Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Branchen und Disziplinen trägt somit nicht nur zur wirtschaftlichen Entwicklung bei, sondern fördert auch soziale Kohäsion und gegenseitiges Verständnis.

Die Schweizer Regionen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Struktur, ihrer Bevölkerungsentwicklung und ihrer Erreichbarkeit teilweise erheblich. Gleichzeitig entstehen auch innerhalb der Regionen unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse zwischen Generationen, gesellschaftlichen Gruppen oder Wohn- und Arbeitsräumen. Nachhaltige Regionalentwicklung zielt deshalb auch darauf ab, Brücken zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen sowie zwischen ländlichen und städtischen Räumen zu schlagen. Der Austausch von Wissen, Erfahrungen und Ressourcen über räumliche und soziale Grenzen hinweg schafft gegenseitiges Verständnis und ermöglicht die gemeinsame Nutzung von Entwicklungspotenzialen. Insbesondere die stärkere Vernetzung von urbanen und ruralen Akteursgruppen kann dazu beitragen, komplementäre Stärken besser zu nutzen und regionale Wertschöpfungs- und Innovationssysteme zu stärken.

Die soziale Dimension der nachhaltigen Regionalentwicklung leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung einer zukunftsorientierten Regionalpolitik. Durch die aktive Beteiligung regionaler Akteurinnen und Akteure, die Förderung partnerschaftlicher und sektorübergreifender Zusammenarbeit sowie den gezielten Abbau gesellschaftlicher und räumlicher Disparitäten werden die Voraussetzungen geschaffen, damit regionale Entwicklungsprozesse breit abgestützt und langfristig tragfähig sind. Damit schafft die NRP auch Räume für die Aushandlung und Gestaltung unseres Lebensraums – und berührt damit eine zentrale Dimension der Baukultur. Auf diese Weise verbindet die NRP wirtschaftliche Entwicklung mit gesellschaftlichem Zusammenhalt und trägt dazu bei, die Regionen als attraktive Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsräume nachhaltig zu stärken.

 

Projektbeispiele

Projektkollektion: ID 61

Weiterführende Informationen

 

Foto: Place du marché Renens (c) BAK I Rolf Siegenthaler

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