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«Braucht es in Zukunft noch Tourismusorganisationen?»

Der Druck auf Tourismusorganisationen steigt: Mehr Effizienz und messbare Ergebnisse sind gefordert. Wie müssen sich diese Organisationen entwickeln? Welche Rolle spielt dabei die Schweizer Regionalpolitik? Ein Beitrag von Frank Reutlinger – diskutieren Sie mit!

Die Forderungen nach mehr Effizienz und messbaren Ergebnissen stellen Tourismusorganisationen vermehrt unter Druck. Hinzu kommt die Konkurrenz durch Online Travel Agencies wie «airbnb» oder «booking.com» und anderer, immer professioneller agierender Leistungsträger vor Ort. Die Firma Kohl & Partner Schweiz hat sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt und die Broschüre «Destination 2030 – Die Zukunft der touristischen Organisationen» veröffentlicht.

Zentrale Probleme und Herausforderungen

Auf Grund des steigenden Drucks auf Tourismusorganisationen stellt sich immer häufiger die Frage: «Brauchen wir in Zukunft noch eine Tourismusorganisation?» Und wenn ja, welche Funktionen und Aufgaben soll sie übernehmen? Wie können ländliche Räume und Berggebiete agieren? Tourismusorganisationen stecken in vielerlei Hinsicht im Zwiespalt und in der Zwickmühle. Eine komplexe Situation mit steigenden Anforderungen und meist geringen budgetären Mitteln. Und das unter einer oft von Basisdemokratie gelähmten Struktur. Das birgt hohes Frustrationspotenzial. Oft werden sie nur als Verkaufsorganisation gesehen. Ihre Aufgaben übersteigen aber bei weitem die sichtbaren Tätigkeiten. Doch stehen den Tourismusorganisationen auch die entsprechenden Durchgriffsrechte zu? Destinationen kennzeichnen sich zudem oft durch Probleme aus betrieblichen Nachfolgen, falschen Erwartungen, genereller Mittelmässigkeit, mangelnder Innovation und fehlender Motivation und Perspektiven. Solche Probleme finden sich nicht nur in ländlichen Räumen und Berggebieten, sondern allgemein in touristisch schwach erschlossenen Gebieten.
Sind solche Krisensymptome erkennbar, ist es Zeit, einen neuen Business-Plan, eine neue Strategie, ja sogar eine völlig neue Struktur für die touristische Organisation zu entwickeln. Um 2030 erfolgreich zu sein, müssen in den Destinationen diese grossen und zentralen Probleme bzw. Herausforderungen gemeistert werden. Es braucht allerdings gewissen Mut, einen neuen Zugang anzudenken.

«Erfolgreich sein» – was bedeutet das für die Tourismusorganisation 2030?

Jede Organisation steht in Abhängigkeit zu ihren Leistungsträgern: Einerseits geht der Erfolg einer Destination vom Zusammenspiel toller Einzelkämpfer vor Ort aus, andererseits von den touristischen Betrieben, die die Destination immer wieder aufladen. «Gesunde Destinationen» zeichnen sich durch Konfliktfähigkeit und Lernfähigkeit der Akteure, Kontinuität in der Entwicklung, Kooperationsfähigkeit der Leistungsträger oder Innovationsfähigkeit aus. Die Herausforderungen bis 2030 erzwingen deshalb ein komplettes Neuverständnis für das Wesen der Tourismusorganisation. Im Fokus steht die Stärkung der Region und der Innovation, ebenso wie die Vermeidung von Parallelaktivitäten auf allen Stufen der touristischen Organisation und das zielgerichtete, professionelle Zusammenspiel aller Akteure.
Um in Zukunft die Kraft relativ geringer Mittel wirkungsvoll einzusetzen, bedarf es einer Rollen- und Aufgabenteilung. Die Mindestgrösse einer Tourismusorganisation wird wachsen müssen. Destinationen benötigen zudem drei bis fünf starke Leistungsträger – Persönlichkeiten, die Entwicklung, Innovation und das Netzwerk vorantreiben. Auch die Schweizer Regionalpolitik leistet hier einen wesentlichen Beitrag: Mit ihrem Förderprogramm der Neuen Regionalpolitik (NRP) und deren Ausrichtung auf Innovation und Wertschöpfung oder Synergien und Kooperationen, unterstützt sie punktuell Projekte und Programme (z.B. das Programm San Gottardo), die einer Tourismusorganisation helfen, sich entsprechend entwickeln zu können.

Die Tourismusorganisation als Netzwerkorganisation mit Entwicklungsaufgaben

Es besteht also die Notwendigkeit, dass eine erfolgreiche regionale Tourismusorganisation zu einer Netzwerkorganisation mit Entwicklungsaufgaben mutiert. Touristische Organisationen wird es auch 2030 geben, aber die Strategie der Organisation geht eindeutig in Richtung Destinations- und Standortentwicklung. Tourismusorganisationen im klassischen Sinne werden 2030 so also nicht mehr existieren – oder sie sind wirkungslos.

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1 Kommentar

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René Bart 23.11.2016

Avant le tourisme étaient la ... découverte, l'aventure, la recherche d'autres cultures. Avec le tourisme, il y a maintenant "mon plaisir d'abord". Est-ce qu'en 2030 nous aurons encore besoin de tourisme ? N'aurons-nous pas plutôt envie de "marcher autour de la maison" et de visiter l'autre hémisphère par la réalité augmentée ou les reportages de drones ?

Ein Diskussionsbeitrag von Frank Reutlinger

Bild: zVg.

Frank Reutlinger ist Managing Partner bei der Firma Kohl & Partner Schweiz, die Hotel- und Tourismus-Consulting betreibt. Er ist einer der Autoren der Broschüre «Destination 2030 – Die Zukunft der touristischen Organisationen», die einen Blick in die Zukunft von touristischen Organisationen wirft und acht Thesen zur Entwicklung von Destinationen aufzeigt, basierend auf den Erfahrungen der Firma bei der Begleitung von touristischen Organisationen. Die Broschüre kann direkt über zuerich@kohl-int.ch angefordert werden.

Kontakt:

Kohl & Partner AG
Josefstrasse 59
8005 Zürich
Tel.: +41 44 533 50 42
frank.reutlinger@kohl-int.ch
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