Gender-Fragen in der Regionalentwicklung – Österreich ist uns einen Schritt voraus

Während die Gleichstellung von Frau und Mann in der Schweizer Regionalentwicklung noch ausbaufähig ist, sind die Österreicherinnen und Österreicher schon weiter. Ein Blick über die Landesgrenze…

Wo Frauen partizipieren, bereichern sie Projekte mit anderen Ideen und Perspektiven. Nur: In der Schweizer Regionalpolitik und Regionalentwicklung steckt die Gleichstellung von Mann und Frau noch in den Kinderschuhen (regiosuisse berichtete, siehe Link zum Artikel). 

Gleichbehandlung fördern, Diskriminierung unterbinden
Anders ist die Situation in Österreich. Dort werden bereits seit über zehn Jahren − auch im Rahmen verschiedener EU-Programme − ambitionierte Gleichstellungsmassnahmen verfolgt. Diese zielen darauf ab, einerseits Chancengleichheit und Gleichbehandlung zu gewährleisten und andererseits jedwede Diskriminierung aufgrund des Geschlechts zu vermeiden.
Viele Massnahmen fokussieren dabei auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. «In der österreichischen Regionalentwicklung setzen wir bewusst bei konkreten Projekten, aber auch in den eigenen Organisationen an», erläutert Doris Hagspiel, Regionalmanagerin für Arbeit und Wirtschaft im Bundesland Oberösterreich.

Prozesse und Projekte verbessern
Hagspiel betont: «In unserer täglichen Arbeit mit Projektträgern und -beteiligten berücksichtigen wir auch Themen betreffend Gleichstellung». Im Regionalmanagement Oberösterreich wird die Genderthematik nach aussen kommuniziert und nach innen bewusst gelebt. Genaue Resultate liessen sich jedoch nicht in Zahlen ausdrücken: «Die Strategie der Chancengleichheit zwischen Mann und Frau bewirkt, dass sich Prozesse und auch die einzelnen Projekte qualitativ verbessern». Die Regionalmanagerin erwähnt beispielhaft, dass bei verschiedenen Lösungsfindungen Frauen oft einen kreativen, weniger technikorientierten Ansatz einbringen. Für den Erfolg regionaler Entwicklungsprojekte ist entscheidend, dass die Ideen und Bedürfnisse beider Geschlechter mit einbezogen werden. Beispiele aus der Planung und Umsetzung von Freizeitanlagen, aus der Gemeindeverkehrsplanung oder im Rahmen von Bürgerbeteiligungsmethoden zeugen vom praktischen Nutzen.

Familie und Beruf im Zentrum
Eine zentrale Rolle bei der Gleichstellung spielt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In der österreichischen Regionalentwicklung wird deshalb ein grosses Augenmerk auf flexible Arbeitszeiten und Teilzeitpensa gelegt, die es Frauen und Männern ermöglichen ihre berufliche Tätigkeit entsprechend ihrer privaten Bedürfnisse auszurichten. Ein hoher Stellenwert kommt auch Einrichtungen zur Kinderbetreuung zu. Sie helfen Vätern und Müttern bei der Vereinbarkeit, was angesichts der zunehmenden Aufteilung der Familienpflichten wichtig ist für beide.
Im direkten Vergleich bezüglich der Gleichstellung von Mann und Frau hat Österreich einen Vorsprung. Laut Doris Hagspiel dürfen jedoch keinesfalls Modelle einfach übernommen werden. Ein Austausch über gemeinsame Anliegen, wie zuletzt bei der internationalen Fachtagung «Frauen am Land» in Wien mit Teilnehmenden aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, schärft jedoch den Blick auf Ungleichheit und Verbesserungspotenzial. Das nutzt wiederum Frauen und Männern. 

Kontakt für Rückfragen
Regionalmanagement Oberösterreich
Doris Hagspiel
doris.hagspiel@rmooe.at
+ 43 732 79 30 38 17 

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Bild: regiosuisse.

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