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Digitalisierung und regionale Entwicklung

Es vergeht kaum ein Tag, ohne dass ein Artikel zur Digitalisierung der Wirtschaft publiziert oder eine Konferenz angekündigt wird oder Staat und Behörden sich zum Thema äussern. Die Herausforderungen sind mannigfaltig und branchenübergreifend: von Tourismus über Medien, Finanzen oder öffentlichen Verwaltungen bis hin zur Industrie sind sämtliche Sektoren direkt oder indirekt betroffen. Wie wird dem Phänomen in den Programmen für die regionale Entwicklung begegnet? Welche Projekte und Initiativen wurden bereits aufgegleist? Ein Überblick.

Die vierte industrielle Revolution ist im Gange: jene der Digitalisierung. Sie zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie sämtliche wirtschaftlichen Aktivitäten betrifft. Sie soll Produktivitätssteigerungen ermöglichen, bringt aber auch neue Herausforderungen, besonders in Bezug auf die Beschäftigung, die Ausbildung oder die Anpassung der Rahmenbedingungen. Es gibt zwar immer mehr Initiativen und Anlässe zum Thema Digitalisierung – deren Auswirkungen aus Sicht der regionalen Entwicklung wurden bislang allerdings noch nicht tiefgreifend untersucht. Um diese Lücke zu schliessen, rief regiosuisse eine Wissensgemeinschaft ins Leben. Diese hat zum Ziel, Know-how zu bündeln und Empfehlungen abzugeben, um Akteurinnen und Akteuren der Regionen zu unterstützen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen müssen.

Digitalisierung, Neue Regionalpolitik (NRP) und Tourismus: 2 Studien des SECO

Die Wissensgemeinschaft wird koordiniert mit und läuft parallel zu einer Studie des SECO, welche gezielt die Digitalisierung in der NRP thematisiert. Die Studie unterscheidet vier Typen von Regionen: nichtmetropolitane Agglomerationen, stadtnahe Regionen, alpine Tourismuszentren und Randregionen. Es geht darum, für diese verschiedenen Regionen die Risiken und Chancen der Digitalisierung und deren Bedürfnisse im Hinblick auf die Anpassung der Ziele und Massnahmen der NRP zu identifizieren. Die Studie soll Ende 2017 abgeschlossen sein und insbesondere analysieren, welche Voraussetzungen für die von Region zu Region unterschiedliche Entwicklung der Digitalisierung gegeben sein müssen: Ausbildungsniveau, IT-Anschluss oder auch die regionale Kultur. Diese Voraussetzungen werden zusätzlich beeinflusst durch Struktur- und Standorteffekte.

Eine weitere, vom SECO in Auftrag gegebene Studie thematisiert die Digitalisierung in der Tourismusbranche. Die Universität St. Gallen, die HES-SO Wallis, die Hochschule Luzern und die Universität Bern führen sie gemeinsam durch. Die Studie fokussiert auf die Sharing Economy, auf die Frage nach der Infrastruktur, auf neu aufkommende Geschäftsmodelle und Plattformen, aber auch auf die Anpassung bestehender Geschäftsprozesse, welche potenziell die Gesamtheit der Branchenakteure betrifft. Gewisse Destinationen wie Zürich beispielsweise richten ihre Tourismusstrategie auf digitale Kanäle aus und entwickeln Online-Services. Es werden ebenfalls sektorübergreifende Modelle studiert, indem z. B. die Praxis des Coworkings – die sich auf digitale Technologien stützt –mit Freizeit- und Bergtourismus verbunden wird, um neue Besucherprofile ansprechen zu können. Die Studie wird 2018 abgeschlossen.

NRP-Projekte und Digitalisierung

Mehrere Projekte mit Bezug zur Digitalisierung geniessen bereits die Unterstützung der NRP. Einige davon stellen die Digitalisierung ins Zentrum, so etwa Alp ICT. Das Westschweizer Interface für digitale Innovation sammelt und verbreitet Informationen, organisiert unterschiedliche thematische Anlässe und fördert die Vernetzung verschiedener Akteurinnen und Akteure. Andere Projekte wiederum nutzen spezifische Werkzeuge, die mithilfe von digitalen Tools entwickelt wurden, etwa zur strategischen Analyse der Besucherflüsse im Zürcher Oberland. Weitere Beispiele sind ein System zur Dokumentation von Käufen oder Importen von Produkten für den Pflanzenschutz oder kollaborative Online-Tourismusplattformen wie dzin.ch.

«Mia Engiadina» ist ein weiteres richtungsweisendes NRP-Projekt. Das Unterengadin wird dank dem Bau einer neuen Hochspannungsleitung in 10 bis 15 Jahren über ein Glasfasernetz verfügen. 85 % der Gebäude haben dadurch die Möglichkeit, an das Hochgeschwindigkeits-Internet angeschlossen werden zu können. Ergänzend entwickelt das Engadin auch neue Arbeitsformen mit Coworking-Räumen. Der erste derartige Raum wurde 2016 in Scuol eröffnet.

Die Akteurinnen und Akteure der regionalen Entwicklung sind sich also durchaus bewusst, welche Herausforderungen die Digitalisierung der Wirtschaft mit sich bringt, und es fehlt nicht an innovativen Projekten. Die Transformation, die wir zur Zeit erleben, ist allerdings noch lange nicht abgeschlossen, und die Regionalpolitik muss sich weiterhin anpassen und die Bedürfnisse der Wirtschaftsakteurinnen und -akteure antizipieren.

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