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Fokusgruppe «Next Generation und Regional- und Stadtentwicklung» von regiosuisse

Fokusgruppe «Next Generation und Regional- und Stadtentwicklung» von regiosuisse

Um den Puls der Next Generation zu fühlen und herauszufinden, wie die Bedürfnisse der Next Generation vermehrt in die Regionalentwicklung einfliessen können hat regiosuisse zwei Fokusgruppengespräche mit acht jungen Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren durchgeführt. Die Teilnehmenden stammten aus dem Emmental, Berner Oberland, Surselva, Engadin, Agglomeration Zürich, Agglomeration Bern.
An zwei von regiosuisse moderierten zweistündigen Online-Sitzungen wurde zunächst diskutiert, was die Next Generation beschäftigt. Anschliessend lag der Schwerpunkt darauf, welche Räume für die «Next Generation» als Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum an Bedeutung gewinnen, wie diese Räume in Zukunft gestaltet werden sollten und wie sie von jungen Erwachsenen vermehrt mitgestaltet werden könnten. 

Verbindungen sicherstellen zwischen Stadt und Land

Die meisten Teilnehmenden stammen aus dem ländlichen Raum, halten sich aber inzwischen dauerhaft oder häufig auch in städtischen Räumen auf. Bei der Frage, für welche Aktivitäten die teilnehmenden jungen Erwachsenen die ländlichen und städtischen Räume benutzen, hat sich ein klares Bild abgezeichnet. Wie erwartet, hat sich in der ersten Besprechungsrunde die klassische Aufteilung ergeben: ländliche Räume als Naturraum, welcher für Erholung und Sport genutzt wird und der städtische Raum für Ausbildung, Arbeit, Kultur und Freizeitaktivitäten. 

Grundsätzlich wollen die jungen Erwachsenen nicht vom Stadt-Land-Graben sprechen. Gegenseitiges Verständnis und das Erkennen der spezifischen Stärken der verschiedenen Räume sei wichtig. Ein gutes ÖV-Angebot, welches auch die Verbindungen am Abend sicherstellt, kann dabei gerade den jungen Erwachsenen helfen, die städtischen und ländlichen Räume bedürfnisgerecht zu nutzen. 


Bedürfnisse und Wünsche

In den Diskussionen zeigte sich, dass den Teilnehmenden ihre Regionen am Herzen liegen. Sie haben spezifische Bedürfnisse und Ideen, wenn es darum geht, was eine für die jüngere Generation attraktive Region ausmacht. 

Im Detail wurden folgende Themen als wichtig erachtet, wobei zu beachten ist, dass die Mehrheit der Teilnehmenden aus Regionen in ländlichen Räumen stammen:

Ländlich, aber doch gute ÖV-Verbindungen in die Stadt
Die Nähe zur Natur und Naherholungsaktivitäten zeichnet den Lebensraum der teilnehmenden Personen aus. Diese wird geschätzt und auch als wertvoll betrachtet. Die Teilnehmenden betonten jedoch auch die Wichtigkeit der guten ÖV-Verbindungen in urbane Gebiete, in denen sie Ausbildungsstätten besuchen oder auch Teile ihre Freizeit verbringen. Dabei wäre es für sie auch wichtig, dass die Randzeiten gut durch den ÖV abgedeckt sind.
Attraktive Freizeitangebote 
Aktive Vereine werden als grosser Pluspunkt angesehen. Sportangebote seien meistens gut in ihrer Region vorhanden. Jedoch bemängeln sie insbesondere in ländlichen Regionen auch die etwas begrenzten weiteren Freizeitangebote für junge Erwachsene. Damit der ländliche Raum attraktiver für junge Erwachsene wird, sollte sich das Angebot betreffend Kultur und Freizeit vermehrt an Vorbildern aus den Städten orientieren. So könnten Räumlichkeiten geschaffen werden, in welchen Kultur erlebt und gestaltet werden kann. Auch wünschen sie sich Räume ohne Konsumzwang. Die Gemeinden sollten dabei zusammenarbeiten und versuchen die Angebote gut über die Region zu verteilen. In diesem Zusammenhang sehen sie es auch als wichtig an, das gesellschaftliche Engagement aufzuwerten (u.a. in Vereinen oder auch in der politischen Gemeinde). 
Zusammenleben und Treffpunkte
Gute Vernetzung im Dorf wird geschätzt und das soziale Miteinander wird als ein wichtiger Faktor angesehen, welcher auch noch gestärkt werden könnte. Die Gestaltung der öffentlichen Räume und Dorfplätze wird dabei als wichtig angesehen. Dabei wäre auch der Wunsch, dass an solchen Orten kein Kaufzwang besteht und verkehrsfrei wäre. 
Überkommunaler Austausch und Beteiligung
Die Teilnehmenden jungen Erwachsenen wünschten sich auch eine verstärkte Zusammenarbeit der Gemeinde und eine stärkere Vernetzung innerhalb der Region, um gemeinsam Probleme anzugehen. Dabei stehen besonders der Gemeinschaftsgedanke und der Zusammenhalt im Fokus. Der Austausch innerhalb einer Region sollte dabei vermehrt gefördert werden, damit sich Gruppen interessierter Menschen zusammenschliessen und Projekte initiieren und entwickeln. Das generationenübergreifende Lernen kann dabei auch einen Mehrwert generieren. Der Anstoss dabei sollte von der politischen Seite kommen. Junge Erwachsenen müssten in diesen Prozess einbezogen und auch überzeugt werden, daran teilzunehmen. Damit solche Zusammenarbeitsformen gestartet und aufrechterhalten werden können, ist eine enge Begleitung durch Fachpersonen wichtig. Die Gründung regionaler Jugendkommissionen könnte dabei hilfreich sein.
Bildungseinrichtungen
Die Schulen / Mittelschulen werden als wichtiger Ankerpunkt in ihrer Region angesehen und die Teilnehmenden hoffen, dass diese Institutionen in ihrer Region gehalten werden können. Auch Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sind wichtig. Bezüglich Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten wünschen sie sich neue Modelle, welche auch im ländlichen Raum funktionieren (z.B. hybrider Unterricht oder Popups von Hochschulen).
Attraktive Wohn- und Arbeitsorte
Von der Abwanderung und Überalterung sind besonders die Teilnehmenden betroffen, welche in den Bergregionen ihrer Kantone heimisch sind. Diese Situation beunruhigt sie. Für die Abschwächung dieses Problems sehen sie es als wichtig, dass passender Wohnraum und neue Arbeitsmodelle und -formen (Vereinbarkeit Familie/Beruf, Teilzeitarbeit, Homeoffice, Co-Working Spaces, Innovationszentren, Kindertagesstätten) gefördert werden. Zudem könnten die Bedingungen für Start-ups und bestehende Firmen optimiert werden. Arbeitsplätze sollten nicht nur in Städten und urbanen Ortschaften geschaffen werden, sondern auch in ländlicheren Gebieten. Zudem sei es auch wichtig, dass Arbeitsplätze (z.B. Handwerk, Gewerbe) erhalten werden. Mit diesen Lösungsansätzen könnte die Diversifizierung der Wirtschaft vorangetrieben und somit die ländlichen Regionen als geeigneter Arbeits- und Lebensort für junge Erwachsene aufgewertet werden.
Professionelle und kompetente öffentliche Verwaltung
Die Fokusgruppenteilnehmenden sehen zudem die Wichtigkeit einer professionellen und kompetenten öffentlichen Verwaltung, welche einerseits Digitale Instrumente einführen sowie (hybride) partizipative Prozesse umsetzen kann, mit welchen die Bedürfnisse aller Altersgruppen berücksichtigt werden können. Der Zugang zu der jungen Bevölkerung über Apps oder auch Einbindung von Schulklassen sind dabei als Ideen genannt worden. Die Gemeindepolitik sollte in diesem Zusammenhang auch vermehrt proaktiv Themen bearbeiten und nicht nur reaktiv Handeln. 


Einbindung der Next Gen in die Entwicklung der Gemeinden, Städte und Regionen

Um die Attraktivität der verschiedenen Räume für junge Erwachsene zu verbessern, sehen die Teilnehmenden die Notwendigkeit von vermehrter regionaler Zusammenarbeit und auch, dass sie und ihre Bedürfnisse eingebunden werden. Dazu wären aus ihrer Sicht Einrichtungen hilfreich, welche die jungen Erwachsenen bei Projektideen unterstützen und beraten sowie Wegleitungen für eine Projektumsetzung zur Verfügung stellen. Dabei sollten die (administrativen) Hürden nicht zu hoch sein. Die teilnehmenden jungen Erwachsenen haben besprochen, dass ein Coaching durch Regionalentwicklerinnen und Regionalentwickler eine Möglichkeit wäre. Dabei entstehen jedoch auch Verpflichtungen, die wiederum abschreckend sein könnte. Eine Anleitung mit der Möglichkeit für Rückfragen würde sich daher evtl. besser eignen. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage, ob die Projektunterstützung von erfahrenen jungen Erwachsenen gemacht werden kann, damit eine direkte Verbundenheit entsteht («von und für NextGen»). Dabei könnte auch ein Götti/Gotti-System eingeführt werden, welche die Funktionen und Arbeitskultur in der Regionalentwicklung der NextGen näherbringen. Grundsätzlich sollten aber auch die erwachsenen Personen und Verantwortungstragende hinter Projektideen stehen.

Um junge Erwachsene zu erreichen, sehen die Fokusgruppenteilnehmenden regionale Jugendkommissionen als eine Möglichkeit. In einer Jugendkommission können die Interessen eingebracht werden, sind jedoch zeitlich nicht zu aufwändig. Auch könnten Regionalentwicklerinnen und Regionalentwickler vermehrt mit Jugendorganisationen (z.B. Jungmannschaften im Kanton Graubünden) zusammenarbeiten. 


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