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Interreg im Terrain: micelab:bodensee – der Weg zur innovativen Veranstaltungsregion

Seit 25 Jahren kümmert sich das Netzwerk BodenseeMeeting um die Vermarktung des Vierländerecks als hochwertige Kongressregion. Mit dem Interreg-Projekt micelab:bodensee gingen die 13 Partner – Kongresszentren, Convention Bureaus und Tourismusbetriebe um den Bodensee – einen grossen Schritt weiter: Die erste interaktive Forschungs- und Weiterbildungsplattform für Veranstalter im deutschsprachigen Raum richtet sich an Mitarbeitende dieser Betriebe mit dem Ziel, eine neue Begegnungskultur zu schaffen. 

Wenn sich die MICE-Branche (Meeting, Incentive, Congress, Exhibition) der Forschung und Weiterbildung widmet, geht es meist um neue Veranstaltungsformate, Präsentationstechniken, digitale Entwicklungen oder verbesserte Registriersysteme. micelab:bodensee beschäftigt sich hingegen mit dem Menschen, mit Haltungen, Werten, dem Lernen und lebendigen Begegnungen.«Ein missglückter Kundenevent vor einigen Jahren und spürbare Unzufriedenheit bei Veranstaltungen haben uns aufgerüttelt», verrät Gerhard Stübe, Geschäftsführer Kongresskultur Bregenz und Leadpartner des micelab:bodensee. «Ein Vortrag nach dem anderen, Reihenbestuhlung und kaum Zeit für persönliche Begegnungen – dieses Modell war längst überholt», verdeutlicht er. Frischer Wind sollte durch Kongresssäle und Seminarräume wehen, damit die Leute wieder gerne teilnehmen und Wissen, Ideen und neue Kontakte mitnehmen, die sie beruflich wie persönlich weiterbringen.

Selbsttragende Weiterführung ab 2019
In diesem Bewusstsein rief das Netzwerk BodenseeMeeting 2013, mit Unterstützung des Interreg-V-Programms Alpenrhein–Bodensee–Hochrhein, das Forschungsprojekt «Kongress der Zukunft» ins Leben. Es stellte Fragen wie: Wie lernen Menschen? Wie können sie sich austauschen? Wie können wir gute Gastgeber sein? Ins «Labor» wurden Forscherinnen und Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen eingeladen: aus Architektur, Soziologie, Kirche, Theater, Hirn- und Jugendforschung, Psychologie und andere. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der ersten Interreg-Förderphase (2013–2015) mündeten schliesslich in der ersten interaktiven Weiterbildungsplattform für Veranstalter micelab:bodensee. Sie richtet sich an die «MICE-Community» der Region. Teilnehmende sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Gewerke – von Projektleitung, Technik, Licht, Marketing, Verkauf, Personal bis zu Catering. micelab:bodensee erforscht und vermittelt, wie lebendige Veranstaltungen gelingen. Mit Ablauf der zweiten Förderphase (2016–2018) wird es durch Mitgliedsbeiträge des Netzwerks auf eigenen Beinen stehen. 

Forschen, Lernen, Vermitteln
Das micelab:bodensee umfasst mehrere Module: micelab:explorer ist das weiterentwickelte Forschungslabor, die Ideenschmiede mit Impulsgebern aus unterschiedlichen Disziplinen. Die daraus gewonnen Erkenntnisse werden im Weiterbildungsmodul micelab:experts auf ihre Praxistauglichkeit erprobt. Dabei geht es im Wesentlichen um Haltungen und Wertevorstellungen in der Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen, Partnerinnen und Partner und Kundinnen und Kunden und um die Konzeptionierung und Dramaturgie von Veranstaltungen. micelab:experts richtet sich an Mitarbeitende aus dem Netzwerk. Als Community stehen sie in ständigem Austausch und profitieren voneinander.

Im micelab:extract – einem handlichen und ansprechend gestalteten Büchlein – fliessen die Forschungsergebnisse eines Jahres ein. Der erste Band zum Thema «Angst & Vertrauen» ist im Sommer 2017 erschienen. Band II «Eros & Resonanz» ist für Ende 2018 geplant. 

Know-how teilen
«Das Netzwerk wirkt nicht nur nach innen, auch nach aussen. Den Wissens-Pool wollen wir mit anderen teilen. Immer mehr Interessierte fragen auch direkt an», verrät Stübe. Erfahrungen aus dem micelab:bodensee sind in viele Veranstaltungen eingeflossen, etwa in die EVVC-Management-Fachtagung im September 2017, die Kongresskultur Bregenz und Inselhalle Lindau gemeinsam ausgerichtet haben. 

Kulturwandel greift
«Starke Erfolgsmomente spüren wir bei jedem micelab:explorer. Hier geht jeder in die Auseinandersetzung mit sich selbst. Jene, die dabei waren, stecken die Kolleginnen und Kollegen im eigenen Betrieb an, jene anderer Häuser und auch Kundinnen und Kunden, weil sie begriffen haben, was es heisst, aus einer gewissen Haltung heraus zu kommunizieren, zu handeln und zu leben», erzählt Jürg Putzi vom Würth Haus Rorschach. Urs Treuthardt, Geschäftsführer Convention Partner Vorarlberg und Kommunikationsverantwortlicher des micelab:bodensee, ergänzt: «Sie setzen einen Kulturwandel in Gang, betreiben Bewusstseinsbildung auch bei Kunden und Partner. Das Netzwerk ist den Weg vom Marketing zur Forschung hin zur Werteentwicklung gegangen.»

Gestärkt durch Erfolge
Das micelab:bodensee hat bereits zwei Innovationspreise gewonnen: Im November 2017 holte es den Tourismus-Innovationspreis «Bodensee17» in der Kategorie «Massnahmen für Mitarbeiter» vom Verband der Tourismuswirtschaft Bodensee e.V. 2018 folgte der Hauptpreis der Vorarlberger Tourismus-Innovationen. Lob gab es insbesondere für die grenzüberschreitende Entwicklung der Veranstaltungsbranche. 

«Ein Grund für den Erfolg ist sicherlich, dass die Initiatoren einander seit über zwanzig Jahren kennen. Wir sind vom Projekt überzeugt. Das trägt uns – auch unabhängig von der Förderung», erklärt Urs Treuthardt. Ideal ergänzt durch die Partner: zwei Kuratoren mit ihrem grossen Netzwerk aus wertvollen Impulsgebern, einem Beirat mit kritischen Köpfen aus der MICE-Branche und anderen Branchen, die Projektkoordination und die Presseagentur.

Gemeinsam statt einsam
Das länderübergreifende Arbeiten im Netzwerk sei zugleich die grosse Herausforderung, meint der gebürtige Schweizer Treuthardt. «Der Bodenseeraum tickt nicht einheitlich. Mit den 13 Partnern treffen verschiedene Kulturen, Strukturen und Aufgaben aufeinander. Auch die Entscheidung, hierarchiebefreit zu arbeiten, ist nicht so einfach wie es klingt. Jeder bringt sich ein, wo seine Stärken liegen.»

Letztlich soll der Bodensee als innovative Veranstaltungsregion noch bekannter werden, um langfristig am Markt zu bestehen und Wertschöpfung für die Region zu lukrieren. «Dazu wollen wir die Vision auf alle Partnerinnen und Partner und Mitarbeitende unseres Netzwerks übertragen. Wir müssen zusammenarbeiten, das ist der einzige Weg. Die Herausforderungen sind zu komplex, um sie in kleinteiligen Hierarchien bewältigen zu können», ist Treuthardt überzeugt.

Netzwerk BodenseeMeeting / Partner micelab:bodensee
•    Insel Mainau
•    Graf-Zeppelin-Haus Friedrichshafen
•    Lindau Tourismus und Kongresse
•    Meersburg Tourismus
•    Milchwerk Radolfzell
•    Singen Congress
•    Bodenseeforum Konstanz
•    Convention Partner Vorarlberg
•    Kongresskultur Bregenz GmbH
•    Säntis-Schwebebahn
•    St. Gallen-Bodensee Convention
•    Würth Haus Rorschach
•    SAL – Saal am Lindenplatz Schaan

 

 

Foto: Copyright: micelab:bodensee/Anja Köhler

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Bild: regiosuisse
19. März 2020

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