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WHES, OTR Bellinzone e Alto Ticino

Interkantonale Zusammenarbeit: World Heritage Experience Switzerland – Kompetenzstelle im Welterbe-Tourismus

Interkantonale Projekte werden im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) gefördert und gefordert. Die Koordination ist allerdings anspruchsvoll: Regionale Bedürfnisse sind mit interkantonalen Bedürfnissen abzustimmen und die Ansprüche einer Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren sind zu berücksichtigen. Ein Beispiel für ein interkantonales NRP-Projekt ist «World Heritage Experience Switzerland» (WHES). Acht Kantone sind hier involviert und unterstützen die UNESCO-Welterbestätten in der Schweiz dabei, das vorhandene Synergiepotenzial trotz unterschiedlicher Ausrichtungen und Ausgangslagen auszuschöpfen.

Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle WHES erstellt.

«World Heritage Experience Switzerland» (WHES) bildet das Dach über dem Netzwerk der UNESCO-Welterbestätten in der Schweiz. Die Welterbestätten verteilen sich räumlich in der gesamten Schweizund sind thematisch sehr heterogen. Trotz der unterschiedlichen Ausrichtungen und Ausgangslagen liegen die Bedürfnisse und Ansprüche doch sehr nahe beieinander. Eine interkantonale Zusammenarbeit in Form einer Dachorganisation kann diese Bedürfnisse bündeln und entsprechend im Interesse aller Mitglieder koordinieren. Durch die Kooperation im Verein können so langfristig Synergien geschaffen werden. 

Aufbau mit Unterstützung von Innotour und NRP
Mit dem Ziel, die Angebotsentwicklung der Welterbestätten zu forcieren, wurde im Sommer 2010 beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) ein Innotour-Gesuch mit dem Titel «Premium Produkt «Einzigartige Schweiz erleben» eingereicht. Dank dieser finanziellen Unterstützung für die Jahre 2010 und 2011 konnte zusammen mit Partnern ein erstes modulares Angebotssystem entwickelt und so die Buchbarkeit der einzelnen Welterbestätten/ Biosphärenreservate verbessert werden. Parallel zur Buchbarmachung wurde die interkantonale Zusammenarbeit zwischen den Welterbestätten verstärkt und es wurden gemeinsame Plattformen sowie Kommunikationsaktivitäten durchgeführt.

Nach dem Abschluss des vorangegangenen Innotour-Projekts startete 2013 das vierjährige NRP-Projekt «Einzigartige Schweiz erleben». Dank der finanziellen Unterstützung von Bund und Kantonen konnte die Aufbauarbeit der Vorjahre gefestigt und strukturiert werden. Eine Geschäftsstelle wurde geschaffen, mit dem Ziel, vernetzte Angebote weiterzuentwickeln, Kooperationen zur Synergienutzung zu fördern sowie die Label-Träger bei der Umsetzung aktueller Themen wie Innovation und Qualitätssicherung zu unterstützen.

Der Aufbauprozess einer Geschäftsstelle in einem komplexen institutionellen Umfeld erforderte mehr Zeit und Ressourcen als ursprünglich angenommen. Zusätzliche Herausforderungen schaffte das stete Spannungsfeld zwischen Schützen und Nützen in den Welterbestätten mit komplett verschiedenen Ansprüchen der unterschiedlichen Akteure. Aus diesem Grund wurde für die Periode 2016–2019 ein neues interkantonales NRP-Projekt genehmigt, das den Aufbau der Kompetenzstelle im Welterbe-Umfeld festigte. In diesem Rahmen wurden die folgenden fünf Schwerpunkte definiert und darin die folgenden Meilensteine erzielt:

  • Networking
    • Vernetzung der touristischen Partner im Welterbe-Umfeld sowohl national als auch international
    • Zusammenarbeit mit Hochschulen und Universitäten
  • Wissensmanagement
    • Durchführung von repräsentativen Umfragen zum Welterbe in der Schweiz
    • Durchführung von Fachtagungen und Workshops
    • Aufbau einer Dokumentationsstelle / Literaturbeschaffung
  • Produkt- und Angebotsentwicklung
    • Initiierung und Durchführung der Welterbetage in der Schweiz (bis zu 10‘000 Besucherinnen und Besucher jährlich)
    • Einführung eines Online-Shops mit Angeboten aus dem Welterbe
    • Distribution von 20‘000 Voucher-Booklets jährlich, die mit attraktiven Rabatten und Mehrwerten zu Ausflügen in die Welterbestätten animieren
    • Lancierung von buchbaren Angeboten mit Tour Operators zum Thema UNESCO-Welterbe
  • Qualitätssicherung
    • Entwicklung und Implementierung eines Werkzeugkastens zur Gestaltung von nachhaltigen Angeboten im Welterbe
    • Periodisches Reporting und Dokumentation der Aktivitäten
  • Sichtbarmachung
    • Integration in Kampagnen von Schweiz Tourismus und der Grand Tour of Switzerland
    • Herausgabe des Buches «Schönste Schweiz! Unterwegs zu den Schweizer UNESCO-Welterbestätten» in Zusammenarbeit mit der Beobachter-Edition (3. Auflage) 
    • Aufbau einer Social-Media-Community 
    • 172‘500 Zugriffe auf Website www.whes.ch (Zeitraum: 01.01.2016-31.07.2019)

Interkantonale Zusammenarbeit
Im aktuellen NRP-Projekt sind nebst dem SECO die folgenden acht Kantone involviert: Bern, Glarus, Graubünden, Neuenburg, St. Gallen, Tessin, Waadt und Wallis. Für die interkantonalen NRP-Projekte wird jeweils ein Leadkanton als Ansprechstelle definiert. In den ersten vier Jahren war dies der Kanton Wallis, in den letzten vier Jahren der Kanton Graubünden. Dieser koordinierte die jährliche Festlegung der Ziele sowie deren Überprüfung mittels Zwischenberichten, dem Austausch zwischen der Geschäftsstelle und den involvierten Kantonen sowie den Zahlungen und Abrechnungen gemäss Vereinbarung. Einmal jährlich wurden zudem die Vertreterinnen und Vertreter der Kantone sowie des SECO an einem persönlichen Treffen über den Stand des Projektes informiert. Diese Treffen fanden stets in einer anderen Welterbestätte statt und wurden jeweils mit einem kurzen Besuch der Welterbestätte kombiniert. Dies ermöglichte einen unmittelbaren Einblick in die Projekte vor Ort. 

Learnings der interkantonalen Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit im Rahmen der NRP war für WHES entscheidend, um den Aufbau einer Kompetenzstelle realisieren zu können. Der Umstand, dass ein Leadkanton die Koordination für das interkantonale Projekt übernahm, war sehr hilfreich. So kam es denn auch nie zu Verzögerungen in der Projektumsetzung, obwohl so viele verschiedene Stellen darin involviert waren. Die interkantonale Zusammenarbeit funktionierte, weil alle involvierten Partner vom Nutzen der Stärkung einer WHES-Kompetenzstelle überzeugt waren und genügend Pragmatismus in formal-administrativer Hinsicht vorherrschte.

Ausblick
Das laufende NRP-Projekt «Ausbau und Entwicklung der Kompetenzstelle Welterbe-Tourismus» wird Ende 2019 erfolgreich abgeschlossen sein. WHES wird dann, aufgrund der erzielten Erfolge, auch weiterhin als Kompetenzstelle im Welterbe-Umfeld tätig bleiben. Die erarbeiteten Kooperationen und Partnerschaften werden künftig noch ausgebaut. Nebst dem Tourismus kommen neue Kooperationen in den Bereichen Vermittlung und Management dazu. Das ermöglicht der Geschäftsstelle neue Partnerschaften in diesen Bereichen einzugehen. 

 

 

Foto: WHES, OTR Bellinzone e Alto Ticino

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Bild: regiosuisse
19. März 2020

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