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regioS 16: Bergbahn-Erlebnisse mit Zukunft?

Die Bergbahnbranche in der Schweiz befindet sich seit Jahren in einem heftigen Strukturwandel. Die neue Ausgabe des Magazins «regioS» wirft einen Blick auf die Herausforderungen und zeigt Lösungsansätze auf, die Bergbahnerlebnisse auch in Zukunft sichern sollen.

Jährlich strömen Millionen von Touristinnen und Touristen und Erholungssuchenden in die Schweizer Alpen und den Jura: zum Skifahren, Snowboarden, Wandern, Klettern, Biken oder einfach, um die atemberaubende Aussicht und die frische Luft zu geniessen. Die Bergbahnen sind dabei ein wichtiges Mittel zum Zweck. Sie helfen, die touristische Ressource «Berg» einem breiten Publikum zu erschliessen und touristisch zu bewirtschaften. Gleichzeitig dienen viele Bahnen auch der lokalen Bevölkerung als Verkehrsmittel, um anderweitig schlecht erschlossene Gebiete zu erreichen. 

Zentrale Bedeutung für Tourismusregionen

Mit rund 2500 Anlagen ist das Angebot im Gebirgsland Schweiz aussergewöhnlich dicht. Laut dem Branchenverband Seilbahnen Schweiz (SBS) erwirtschafteten die 366 Unternehmen, die diese Anlagen betreiben, im Jahre 2017 einen Umsatz von insgesamt 1,36 Milliarden Franken und beschäftigten 16 000 Personen. 
In vielen Regionen sind die Bergbahnen der eigentliche Motor der touristischen Wertschöpfungskette. Doch kämpfen viele Unternehmen mit hohen Investitions- und Betriebskosten, einer unbefriedigenden Auslastung und einer rückläufigen Nachfrage. Die Zahl der Ersteintritte in Schneesportgebiete sank seit der Jahrtausendwende um rund ein Drittel, auf noch 21,2 Millionen im Winter 2016/2017. Mit 23,4 Millionen Ersteintritten setzte in der Folgesaison 2017/2018 zwar ein Aufwärtstrend ein, der sich im vergangenen Winter fortgesetzt hat. Ob der leichte Aufschwung in jüngster Zeit bereits eine Trendumkehr signalisiert, bleibt abzuwarten. Ein bedrohlicher Unsicherheitsfaktor stellt sich mit dem Klimawandel. 

Hoher Investitionsbedarf

Die Bergbahnunternehmen begegnen den Herausforderungen mit technischen Massnahmen, vor allem mit Beschneiungsanlagen. Zudem optimieren sie die Schneesportgebiete durch schnellere, leistungsfähigere und komfortablere Bahnen, sodass der Betrieb effizienter und profitabler wird. Viele versuchen, ihr bislang schneeabhängiges Geschäft besser aufs ganze Jahr zu verteilen und das Sommer- und Herbstgeschäft mit neuen Attraktionen und Angeboten zu stärken. Die öffentliche Hand beteiligt sich vielerorts an den dafür notwendigen Vorarbeiten und Investitionen. Nur wenige Bergbahnunternehmen sind in der Lage, die hohen Investitionen in die Zukunft aus eigener Kraft zu stemmen. Dazu zählen beispielsweise die Titlis Bergbahnen, die ihre Standortgunst unter anderem dank konsequenter Investitionspolitik und Ausrichtung auf den globalen Markt zu nutzen wissen. Heute boomt das Geschäft mit Tour-Operators und Gruppenreisenden aus China, Indien, Korea oder Thailand. Dank dessen ist die Sommerauslastung über die Jahre kontinuierlich gestiegen und liegt bei nunmehr schweizweit aussergewöhnlichen 50 Prozent.

NRP als zentrales Förderinstrument von Bund und Kantonen

Aufgrund der grossen Bedeutung für die Tourismuswirtschaft und die regionale Wirtschaft generell fördern Bund und Kantone Bergbahnprojekte und damit verbundenen Strukturen im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP).
Mit NRP-Darlehen wird von Bund und Kantonen zum Beispiel der Bau von Transportanlagen und Infrastruktur wie Beschneiungsanlagen unterstützt, die den touristischen Betrieb ergänzen. Vorwettbewerbliche Leistungen wie die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, Kooperationsprojekte, Konzepte und Machbarkeitsstudien sowie Qualifizierungsmassnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit der (alpinen) Tourismuswirtschaft stärken, können im Rahmen der NRP auch mit À-fonds-perdu-Beiträgen unterstützt werden. 

Touristischer Strukturwandel und Gesamtkonzepte im Fokus

Damit die NRP-Mittel fokussiert, transparent und nachhaltig eingesetzt werden, hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) Leitlinien erlassen. Gefördert werden nur Vorhaben, die den Strukturwandel im Schweizer Tourismus klar vorantreiben. Als weitere Voraussetzung müssen die Projekte die Bergbahnen als Motor der touristischen Wertschöpfungskette und damit die gesamte Destination stärken. Kantone mit mehr als sechs Bergbahnunternehmen sind zudem verpflichtet, eine Bergbahn-Förderstrategie zu entwickeln. 
Touristische Gesamtkonzepte sollen zudem die Koordination mit anderen Nutzungen und den Schutzanliegen aufzeigen. Besonders letzteres ein Thema, das immer wieder zu Diskussionen führt und auch bei den Teilnehmenden des regioS-Round-Table-Gesprächs ‒ Franziska Grossenbacher von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL), Christoph Egger, Geschäftsführer der Schilthornbahn AG und Toni von Grünigen, Gemeindepräsident in Saanen ‒ zu reden gibt.

Engagement von Gemeinden und Mäzenen

Die NRP-Darlehen machen bei den Bergbahnprojekten in der Regel lediglich einen kleinen Teil der notwendigen Gesamtinvestitionen aus. Bund und Kantone setzen zumutbare Eigenleistungen der Unternehmen sowie Drittleistungen voraus, die häufig rund zwei Drittel des Investitionsvolumens ausmachen. Je nach Destination engagieren sich auch die Gemeinden substanziell an der Finanzierung der Bergbahnen. Sie bürgen beispielsweise für die gewährten NRP-Darlehen und müssen bei allfälliger Rückzahlungsunfähigkeit der Bergbahnen für sie aufkommen. Sie beteiligen sich zum Teil zusätzlich – ausserhalb der NRP – an den Betriebskosten oder leisten manchmal gar Finanznothilfe. Und wie das Beispiel der Ferrovia Monte Generoso zeigt, können manche Bergbahnen gar auf Mäzene zählen, dank deren Unterstützung sie die Attraktivität und regionalwirtschaftliche Bedeutung ihrer Anlagen sichern und steigern können.

«regioS 16 ‒ Bergbahn-Erlebnisse» gratis bestellen oder downloaden

Download «Leitlinien des SECO für Förderstrategien der Kantone im Bergbahnbereich»

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Bild: regiosuisse
19. März 2020

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