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Grindelwald

Repräsentative Umfrage: Schweizer Bevölkerung will gute wirtschaftliche Entwicklungsperspektiven für die Berggebiete

Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung spricht sich für gute Entwicklungschancen in allen Regionen der Schweiz und ausdrücklich auch in den Berggebieten aus. Der Bund soll dafür wo sinnvoll und nötig geeignete Fördermassnahmen zur Verfügung stellen. Ein besseres Angebot für Familien und verkehrstechnische Verbesserungen sehen die Einwohnerinnen und Einwohner der Berggebiete sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft als die zwei wichtigsten Prioritäten des Bundes in der Berggebietspolitik. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Umfrage von gfs-zürich zu den Entwicklungsperspektiven der Schweizer Berggebiete, die im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) durchgeführt wurde. 

Wie nimmt die Bevölkerung in den Berggebieten ihren Lebensraum wahr? Wie präsentiert sich ihr Blick in die Zukunft? Welche Bedeutung haben die Berggebiete für den Rest der Schweiz und welche Rolle attestiert diese dem Bund in der Entwicklung der Bergregionen? Diese Fragen hat eine repräsentative Umfrage des SECO im Herbst 2019 ergründet, um Anhaltspunkte zu erhalten, in welche Richtung sich die Berggebietspolitik des Bundes in den nächsten Jahren weiterentwickeln soll. Die Umfrage offenbart sowohl zu erwartende wie auch überraschende Ergebnisse.

Wenig überraschend ist, dass sich die Attraktivität der Berggebiete als Arbeitsraum in der Wahrnehmung ihrer Bevölkerung in den letzten fünf bis zehn Jahren tendenziell verschlechtert hat. Schliesslich leiden die Schweizer Berggebiete ausgeprägter als andere Regionen unter dem wirtschaftlichen Strukturwandel. Ihre Hoffnungen setzt die Mehrheit der rund 1000 befragten Personen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in den Sommertourismus, gefolgt von der Entwicklung der Berggebiete als Wohnregion für Pendlerinnen und Pendler, die gerne naturnah wohnen und in den nahegelegenen Zentren arbeiten. Immerhin etwas mehr als 40 Prozent sehen auch Chancen im Wintertourismus.

Chancen durch steigende Attraktivität als Tourismus- und Wohnregion 
Ihre Attraktivität als Tourismus-, Natur- und Wohnregion konnten die Berggebiete bereits in vergangenen Jahren steigern, sagen die Befragten. Hier sehen sie weitere Entwicklungschancen. Eine gute Lebensqualität vor allem für Familien scheint dabei besonders wichtig zu sein. Selbst die befragten Unternehmerinnen und Unternehmer erachten eine Verbesserung des Angebots für Familien als gleich wichtig wie eine bessere Verkehrserschliessung und noch wichtiger als Steuersenkungen. Ebenfalls wird eine stärkere Förderung von Unternehmensansiedlungen und Start-ups häufig als staatliche Massnahme genannt, die sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken könnte.

In der Digitalisierung sieht die befragte Bevölkerung in den Berggebieten ebenfalls Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung. Neue Technologien erleichtern und befördern ortsunabhängiges Arbeiten und standort- und betriebsübergreifendes Zusammenarbeiten. Dies weckt die Hoffnung, dass die Abwanderung von Unternehmen künftig eingedämmt werden kann und das Berggebiet als Arbeits- und Wohnort weiter an Attraktivität gewinnt.

Engagement des Bundes zugunsten der Berggebiete wird befürwortet
Doch wie steht die Bevölkerung in anderen Landesteilen zu Unterstützungsmassnahmen für die Berggebiete? Die Ergebnisse der Umfrage zeugen von einer positiven Grundhaltung. Mehr als drei Viertel der befragten Personen aus anderen Landesteilen erachten es als wichtig, dass sich die Schweizer Berggebiete positiv entwickeln. Eine deutliche Mehrheit befürwortet entsprechend eine proaktive Rolle des Bundes und weitergehende Unterstützungsmassnahmen zugunsten der wirtschaftlichen Entwicklung der Berggebiete. Eine Mehrheit teilt die Ansicht, dass der Bund dafür sorgen soll, dass sowohl die verkehrstechnische als auch die digitale Erreichbarkeit verbessert und dafür die notwendigen Mittel eingesetzt werden. Eine Mehrheit spricht sich auch dafür aus, dass Berggebiete in den Genuss von Ausnahmeregelungen kommen, wenn dies der wirtschaftlichen Entwicklung hilft. Etwas mehr als die Hälfte befürwortet zudem eine Unterstützung der Berggebiete mit zusätzlichen finanziellen Mitteln. Nur jeder Fünfte stimmt der Aussage zu, dass der Bund schon mehr als genug für die Berggebiete macht.

Weitere Verwendung der Umfrageergebnisse
Die Ergebnisse dieser Umfrage fliessen in die Überlegungen zur Weiterentwicklung berggebietsrelevanter Politiken wie zum Beispiel der Politik des Bundes für die ländlichen Räume und Berggebiete (P-LRB) und der Neuen Regionalpolitik (NRP) ein. 

 

Einzelheiten zu den Ergebnissen der Umfrage:

 

Die Umfrage wurde vom Markt- und Sozialforschungsinstitut gfs-zürich in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Hanser Consulting erarbeitet. 

 

Foto: Julian Villella, Unsplash

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