Die Plattform für Regionalentwicklung in der Schweiz

Das Wichtigste in Kürze
  • Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind wichtige Arbeitgeber und tragen zur Attraktivität ländlicher Regionen und Berggebiete bei. Industrie und Gewerbe bilden ein Förderschwerpunkt der NRP.
  • Nebst der direkten Projektförderung sind die «Regionalen Innovationssysteme (RIS)» ein wichtiger Pfeiler zur Innovationsförderung in den Regionen.  Sechs RIS decken einen Grossteil der Schweiz ab und unterstützen die KMU bei ihren Innovationsvorhaben. 
  • Die NRP-Projekte tragen zu Produkt-, Prozess- oder Geschäftsinnovationen bei. Auch entstanden Kompetenzzentren, die wiederum mit Beratung und Unterstützung die Innovationsvorhaben der KMU begleiten. Weiter konnten durch die NRP zum Beispiel in der Holzwirtschaft Wertschöpfungsketten geschlossen und die Zusammenarbeit innerhalb der Branche gefördert werden. 
  • Die Wirkungsmessungen haben gezeigt, dass durch die Industrieprojekte zahlreiche innovative Ideen von der Laubholzverarbeitung bis zur Fischzucht realisiert werden konnten. Die Projektergebnisse werden über die Förderung hinaus von den Unternehmen weitergeführt und schaffen längerfristig Arbeitsplätze. 

Industrie und Gewerbe als wichtiger Wirtschaftspfeiler

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) müssen sich im zunehmenden nationalen und internationalen Wettbewerb behaupten. Dazu sind häufig strukturelle Reformen und Weiterentwicklungen nötig. Zudem kommt den KMU in ländlichen Regionen und den Berggebieten eine wichtige Rolle als wirtschaftliche Entwicklungsträger zu. Industrie und Gewerbe bilden nebst dem Tourismus einer von zwei Förderschwerpunkten der NRP. 

Regiosuisse hat rund 15 Projekte der Industrie und des Gewerbes untersucht. Die nachfolgenden Erkenntnisse geben einen Einblick in die Projektinhalte und Wirkungspotenziale. Die inhaltliche Vielfalt der Projekte widerspiegelt sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Wirkungen.

Projektliste

 

KMU bei innovativen Vorhaben unterstützen

Die NRP fördert den Wissenstransfer und die Innovationsfähigkeit von KMU. Dies kann auf zwei Arten geschehen – direkt über Projekte oder über die Regionale Innovationssysteme (RIS). Diese werden über die NRP finanziell unterstützt und bieten Dienstleistungen zur Wettbewerbs- und Innovationsförderung der KMU an (vgl. Exkurs zu RIS).

Exkurs: Regionale Innovationssysteme (RIS)

RIS sind Organsationen mit einer eigenen Trägerschaft, die die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der KMU fördern. Sie tun dies, indem sie koordinierte Unterstützungsangebote und Dienstleistungen in den Bereichen Information, Beratung und Coaching, sowie Vernetzung anbieten. Zudem bündeln sie andere, bereits bestehende Förderangebote und vermitteln KMU bei Bedarf an andere Förderstellen. Insgesamt gibt es sechs RIS in der Schweiz.

RIS

Die Evaluation des Mehrjahresprogramms NRP (2022) und die OECD-Studie zur Innovation in ländlichen Gebieten der Schweiz haben die Bedeutung des RIS-Ansatzes bestätigt. Die Studie ortete gleichzeitig auch Optimierungspotenziale zum Beispiel in der Abstimmung der RIS mit anderen Innovationsförderinstrumenten oder bezüglich der Transparenz der Angebote und Wirkungen.

Als Ergebnis dieser Analysen hat das SECO unter Einbezug des RIS-Netzwerks das RIS-Konzept 2020+ überarbeitet und das RIS-Konzept 2024+ erstellt.

Bei den untersuchten Projekten hat sich gezeigt, dass dank der NRP innovative Produkte und Prozesse wie z.B. eine Pfahlkopffräse oder ein Laubholzverarbeitungsprozess entwickelt werden konnte. An diesen Industrieprojekten sind häufig auch Partner von technischen Hochschulen beteiligt, was den Wissenstransfer in die Industrie verstärkt. 

Weiter haben die Wirkungsmessungen gezeigt, dass die RIS punktuell projejktspezifische Unterstützung zum Beispiel im Rahmen eines Coachings zur Verfügung stellen können und so die Produkte und Prozesse der KMU voranbringen. Beim Projekt der Pfahlkopffräse wirkte das RIS «zentralschweiz innovativ » bei der Erarbeitung eines Businessplans mit. 

Exkurs: RIS-Regionen mit Monitoring-Tool

Auch im Regionenmonitoring sind die RIS abgebildet. Dadurch ist es möglich Indikatoren wie die Branchenstruktur, die Arbeitsplatzdichte oder das Beschäftigungswachstum für die Perimeter der sechs RIS auszuwerten.

BRC Brextor (Pfahlkopffräse)

  • BRC Brextor (Pfahlkopffräse)
  • Das KMU hat über zehn Jahren eine Fräse zur Serienreife entwickelt, die eine effiziente und hochstehende Pfahlkopf-bearbeitung ermöglicht.
  • Seit 2007 ist der Brextor in mehr als 60 Projekten zum Einsatz gekommen.
  • Das RIS «zentralschweiz innovativ» hat die Firma bei der Erarbeitung eines Buissness Plans für seine Pfahlkopffräse «Brextor» unterstützt mit dem Ziel den Brextor in Serie zu produzieren und ihn auch im Ausland vermarkten zu können.

Bildquelle: BRC Engineering AG

Brextor

KEEST

  • KEEST ist das Kompetenz-Zentrum für Erneuerbare-Energie-Systeme Thurgau
  • Hauptangebot waren ursprünglich Energie-Effizienz-Analysen. Im Zeitverlauf kamen weitere Angebote dazu z.B. Photovoltaik Eigenverbrauchsstudien. 
  • KEEST hate bei der Wirkungsmessung im Jahr 2017 bereits rund 150 Kunden und leistete einen Beitrag zu Energieeinsparungen von 19 Mio. kWh, was dem Energiebedarf von 3’800 Haushalten entspricht.

Bildquelle: KEEST

KEEST

 

Unternehmen vernetzen und Wertschöpfungsketten stärken

Die NRP kann einen Beitrag zur Vernetzung und Stärkung von Wertschöpfungsketten leisten. Dies hat sich in den untersuchten Projekten im Bereich Holzwirtschaft deutlich gezeigt. Durch die NRP-Projekte gelang es, die gesamte Wertschöpfungskette zu vereinen und professionelle Strukturen aufzubauen. Zudem konnten innovative, moderne Produktionsketten realisiert werden. 

FAGUS

FAGUS

  • Bau einer modernen Produktionskette für innovative Laubholzverarbeitung in Les Breuleux (JU)
  • Zusammenarbeit mit technischen Hochschulen wie ETHZ oder Berner Fachhochschule. Interkantonales Projekt mit sechs Partnerkantonen.
  • Schaffung eines schweizweiten Unternehmens FAGUS SUISSE SA mit 8 Arbeitsplätzen.
  • Lancierung der Produktion 2017. Fünf Jahre später ist FAGUS das Schweizer Kompetenzzentrum für Laub- und Buchenkonstruktionsholz.

Bildquelle: FAGUS Suisse AG

Holzverarbeitung

Initiative Holz I BE (BE) / Innovationszelle Wald und Holz (TG)

  • Zwei ähnliche Projekte, die die Zusammenarbeit und Bündelung entlang der gesamten Holz-Wertschöpfungskette erreichten.
  • Positive Zukunftsvision und Attraktivitätssteigerung der Branche.
  • Zudem Professionalisierung und Neuausrichtung der jeweiligen Verbandsstrukturen und Nutzung von Synergien.
  • Beitrag zu einer Nachhaltigen Entwicklung über die Nutzung von Holz als Bau- und Werkstoff.

Bildquelle: Lignum Ost

 

Wertschöpfungsorientierte industrielle Angebote und Infrastrukturen realisieren

Industrielle Angebote und Infrastrukturen können ein wichtiges wirtschaftliches Rückgrat für ländliche Region sein sowie dies im Tourismus die Bergbahnen sind. So hat sich bei den Wirkungsmessungen gezeigt, dass die über die NRP zur Verfügung gestellten Darlehen die Realisierung innovativer Industrieprojekte ermöglichten. Im Falle des Kompetenzzentrums Fischzucht Erstfeld hat das Projekt zu einer Diversifizierung der regionalen Wirtschaft beigetragen und die Region als innovativen Wirtschaftsstandort positioniert. 

Basis57 - Kompetenzzentrum Fischzucht Erstfeld

  • Innovative Nutzung des warmen Wassers aus dem Gotthard-Basistunnel zur Fischzucht. Bau einer Satzfischzucht und Aufbau eines Fischzuchtbetriebs. 
  • Etablierung eines neuen Industriezweigs, Schaffung von 20 Arbeitsplätzen bei der Basis57 AG 
  • Gründung eines Start-ups, das Schlacke der Fischzucht verwendet und Potenzial zur Ansiedlung weiterer Zuliefer- und Abnehmerbetriebe. 
  • Zukünftige weitere Angebote im Sinne der Kreislaufwirtschaft geplant (v.a. Verwendung der Abfälle).

Bildquelle: ZVG

Fischzucht

Entwicklung und Erschliessung des Areals Gebenloo-Tüfi

  • Im Rahmen des NRP-Projekts konnte das Areal Gebenloo-Tüfi entwickelt und soweit vorbereitet werden, dass es für bestehende und neue Unternehmen mit hoher Wertschöpfung bereitsteht.
  • Damit konnte das bis anhin im Kanton St. Gallen eher knappe Angebot an für Unternehmen direkt verfügbaren Industrieflächen ausgeweitet werden.
  • Mittlerweile bestehen auf dem Areal über 200 Arbeitsplätze.

Bildquelle: Cicor

Gebenloo-Tüfi

 

Ein Innovations- und Vernetzungsschub für die Industrie

Industrie und Gewerbe werden innovativer, …

Durch die NRP-Förderung konnten zahlreiche innovative Ideen realisiert werden.  Wie bei allen innovativen Vorhaben bestehen auch bei den NRP-Industrieprojekten Risiken. So haben die Wirkungsmessungen gezeigt, dass Prototypen nicht wie gewünscht funktionierten oder Akteure innerhalb einer Wertschöpfungskette gegenläufige Interessen hatten. Die Projekte haben aber auch veranschaulicht, dass für die meisten Herausforderungen eine Lösung gefunden wurde.

…können sich Spezialwissen bei den RIS holen,

Die «Regionalen Innovationssysteme (RIS)» können hier einen zusätzlichen Nutzen stiften. Die RIS konnten die kleinen und mittleren Unternehmen dort unterstützten, wo diese mit ihren internen Ressourcen nicht mehr weiterkamen und punktuelles Spezialwissen benötigen – zum Beispiel bei der Erstellung von Businessplänen oder der Bearbeitung eines Absatzmarkts.

…. agieren gemeinsam statt allein,

Damit auf dem Markt alle Unternehmen gleiche Voraussetzungen haben und keines bevorzugt wird, können über die NRP ausschliesslich Projekte mit verschiedenen Partnern (Kriterium der «Wettbewerbskonformität»)  und keine einzelnen Betriebe gefördert werden. Dieses Kriterium zu erfüllen, ist eine Herausforderung. Die durchgeführten Wirkungsmessungen haben aber gezeigt, dass es bei zahlreichen Projekten gelingt und die Zusammenarbeit von Unternehmen, Hochschulen und weiteren Forschungsakteure zu innovativen Lösungen führt. Auch ermöglichen die NRP-Projekte, ganze Wertschöpfungsketten besser zu koordinieren. 

… und führen die Projekte nach der Förderung weiter.

Für den Projekterfolg und die Weiterführung des Erarbeiteten ist die Zusammensetzung der Projektträgerschaft entscheidend. Die Industrieprojekte werden häufig von Unternehmen initiiert und über die NRP-Förderung hinaus weitergeführt, da sie direkt relevant für den Geschäftserfolg und das wirtschaftliche Fortbestehen sind.

Etwas anders ist die Situation bei den Netzwerkorganisationen. Diese müssen es schaffen, während der NRP-Förderung ein attraktives Angebot aufzubauen und Nutzen für ihre Kunden zu stiften. Die Wirkungsmessungen haben gezeigt, dass es für diese Projekte schwieriger ist, sich ausschliesslich zum Beispiel über Mitgliederbeiträge selbst zu finanzieren und teilweise Kantone, der Bund oder weitere Finanzierer einspringen. 
 



Kurzberichte der regiosuisse Wirkungsmessungen

 

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