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«Goodies» für Touristen

Ein einfaches Rezept für einen erfolgreichen und zukunftsfähigen Schweizer Tourismus gibt es nicht. Doch die Tourismusbranche hat in den letzten zwei Jahren neue Angebote in Form von Gästekarten lanciert – im Tessin das Ticino Ticket, in der Ostschweiz «Oskar».

Als 2011 der Frankenkurs im Vergleich zum Euro stark zulegte, liess sich das Walliser Feriendorf Grächen etwas einfallen: Wer im Januar und März touristische Leistungen bar in Euro bezahlte, profitierte von einem fixen Wechselkurs. Ein Euro entsprach 1.35 Franken. An der Aktion beteiligten sich Hotels, Ferienwohnungsanbieter, die Bergbahnen, Restaurants und Souvenirläden. Der fixe Wechselkurs bescherte Grächen viel Medienpräsenz, etwa in der «Süddeutschen Zeitung», der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» oder auf der Titelseite des renommierten «Wall Street Journal». Ab 2016 galt in Grächen ein fixer Wechselkurs von 1 zu 1.30. Auch in der kommenden Wintersaison profitieren die Gäste davon, wenn sie im Januar und März 2018 bar in Euro bezahlen.

Gotthardbasistunnel – Steilpass für das Ticino Ticket 

Durch die Neue Regionalpolitik (NRP) geförderte Tourismusprojekte berücksichtigen häufig auch den öffentlichen Verkehr. Im Tessin beispielsweise lancierten der Kanton, die Transportunternehmen und die Tourismusbranche Anfang 2017 das Ticino Ticket, das zu kostenlosen Fahrten auf dem Netz des öffentlichen Verkehrs berechtigt und bei vielen Bergbahnen, etwa jenen auf den San Salvatore oder den Monte Generoso, und bei Erlebnisangeboten wie Swissminiatur Vergünstigungen von 30 Prozent bietet. Vom Ticino Ticket, das nur in Kombination mit einer Übernachtung in einem Hotel, einer Jugendherberge oder auf einem Campingplatz erhältlich ist, profitierten bis Ende August 370'000 Gäste, wie Stefano Rizzi, Direktor der Abteilung Wirtschaft im Departement für Finanzen und Ökonomie des Kantons Tessin, ausführt. «Die Lancierung des Ticino Ticket ist mit der Eröffnung des Gotthardbasistunnels zusammengefallen und leistet einen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität im Tourismus», betont Rizzi.

Die Kosten dieses Projekts belaufen sich auf 5,65 Millionen Franken, wovon die Hälfte über die Gästetaxe finanziert wird, die um 1.10 Franken erhöht wurde. Einen Viertel tragen Sponsoring und Partnerschaften bei, 13 Prozent die Tourismusorganisationen. Der Kanton steuert aus dem kantonalen NRP-Budget insgesamt 500'000 Franken bei. Weitere 250'000 Franken stammen aus dem Bundesprogramm zur Förderung von Innovation, Zusammenarbeit und Wissensaufbau im Tourismus (Innotour).

Einen «Oskar» für die Ostschweiz

Auf Initiative des Verbandes «hotelleriesuisse – Ostschweiz» ist 2016 die Ostschweizer Gästekarte «Oskar» entstanden, die ab zwei Übernachtungen in Hotels erhältlich ist, die bei «Oskar» mitmachen. Dank der Karte haben die Gäste freie Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr und mehreren Seilbahnen in sechs Ostschweizer Kantonen und in Liechtenstein. Zusätzlich profitieren sie von freien Eintritten in zahlreiche Museen, Erlebnis- und Freizeiteinrichtungen. «Die Vielzahl kostenloser Angebote ist einmalig», unterstreicht Rolf Müller von der Geschäftsstelle «Oskar», die bei Thurgau-Bodensee Tourismus angesiedelt ist. Das Interesse, mitzumachen, sei bei den Leistungserbringern im Freizeit- und Kulturbereich jedoch grösser als bei den Hotelbetrieben, von denen bisher fünfzehn mitmachen – eine Zahl, die laut Müller in den nächsten Jahren deutlich wachsen soll. «Wir überlegen uns auch, wie wir Parahotellerie, Jugendherbergen und Campingplätze miteinbeziehen können.»

Die Gästekarte kostet pro Tag 10 Franken für Erwachsene und 5 Franken für Kinder. Sie ist mindestens für drei Tage zu lösen, kann aber auch für die An- und Abreise benutzt werden. An die Kosten der Gästekarte bezahlen die Hotelbetriebe einen Franken pro Übernachtung, und zwar unabhängig davon, ob ein Gast vom Angebot Gebrauch macht oder nicht. Die übrigen touristischen Leistungserbringer erhalten von der «Oskar»-Geschäftsstelle die Hälfte der Eintrittspreise zurückerstattet.

«Nach der Pilotphase ist nun eine mehrjährige Umsetzungsphase vorgesehen», erläutert Thomas Reinhard, Projektleiter beim Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen. Als Stärke des Projekts hebt er dessen integrativen Charakter hervor, ist die Gästekarte doch interkantonal ausgerichtet. Neben dem Kanton St. Gallen sind auch der Thurgau, Graubünden und Appenzell Ausserrhoden mit im Boot; weitere Ostschweizer Kantone könnten in einer späteren Phase dazustossen. Die NRP-Beiträge des Bundes betrugen für die einjährige Pilotphase 200'000 Franken. Zum kantonalen Äquivalenzbeitrag steuerten St. Gallen und Thurgau den grössten Anteil bei. 

Der Deal von Saas-Fee

Für Aufsehen sorgten im Herbst 2016 auch die Bergbahnen im Saastal. Einen Saisonpass fürs Skigebiet boten sie für 222 Franken an – allerdings unter dem Vorbehalt, dass innerhalb von fünf Wochen bis zum Saisonstart mindestens 99 000 Pässe via Internet gebucht würden. Die ungewöhnliche Aktion, bei der keine NRP-Gelder fliessen, mobilisierte die Wintersportler. Kurz vor Ablauf der Frist gaben die Bergbahnen bekannt, dass das Angebot zustande komme, obwohl mit 75'000 gebuchten Wintercards das für den «Deal» gesetzte Ziel nicht erreicht wurde. 

Für die Bergbahnen war die Aktion mit über 50 Prozent mehr Ersteintritten ins Skigebiet ein Erfolg. Die Hotels erzielten bei den Logiernächten ein Plus von 15 Prozent. Anlässlich einer Veranstaltung des Tourismusforums Alpenregionen sprach Rainer Flaig, der Delegierte des Verwaltungsrates der Saastal Bergbahnen AG, Ende März 2017 von einer erzielten Ertragssteigerung von rund 20 Prozent. Die Initialzündung der Kampagne schlug mit vier bis fünf Millionen Franken zu Buche, generierte aber 67 Millionen Kundenkontakte. Auch in der Saison 2017/2018 gibt es den vergünstigten Ski-Saisonpass. Die Tourismusbranche beurteilt die Aktion wegen des Ruchs von Preisdumping allerdings kontrovers. Ob sie ein betriebswirtschaftlich nachhaltiges Modell für die Zukunft ist, wird sich zeigen.

Dieser Artikel erschien erstmals in der regioS-Ausgabe 13/17.

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NRP-Projektdatenbank

Die Datenbank bietet eine Übersicht über die Projekte der Neuen Regionalpolitik (NRP). Ab 2016 werden alle NRP-Projekte veröffentlicht und aus den Vorperioden steht eine grosse Auswahl zur Verfügung.