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Regionalökonomische Auswirkungen von COVID-19

Stand Dezember 2020

Coronavirus führt zu Konjunktureinbruch

Was Ende 2019 in China seinen Anfang nahm, hat die Welt seit März fest im Griff. Das neuartige Coronavirus hat sich global ausgebreitet und veranlasste Regierungen weltweit drastische Massnahmen zu ergreifen. So auch in der Schweiz: Nach dem Lockdown im Frühling konnten die Fallzahlen stark gesenkt werden. Die Entspannung der Situation war aber nur von kurzer Dauer. Bereits Mitte Oktober rollte eine zweite Infektionswelle über die Schweiz. 

Anders als in der ersten Welle wurde seitens der Landesregierung aber nicht mit einem «harten Lockdown» reagiert. Vielmehr wurde ein «Slowdown» verhängt: Die Öffnungszeigen von Restaurants wurden verkürzt, eine Maskenpflicht in öffentlichen Räumen erlassen und Einschränkungen für private und öffentliche Veranstaltungen bekannt gegeben. Zusätzlich hat man den Kantonen mehr Freiheiten bei der Ausgestaltung weitergehender Massnahmen gelassen.

Sowohl der harte Lockdown im Frühling als auch der Slowdown im Herbst haben die Schweizer Wirtschaft schwer getroffen. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen und die Anzahl Gesuche auf Kurzarbeit erreichte Rekordwerte. Auch die Konjunkturprognosen mussten erheblich nach unten korrigiert werden: Ging man vor der Krise noch von einem Wachstum aus, rechnet die Expertengruppe des Bundes für Konjunkturprognosen aktuell mit einem Rückgang von 3.3% des BIP im Jahr 2020

Diese Prognosen sahen vor einigen Monaten allerdings noch deutlich düsterer aus. Grund für die Verbesserung der Aussichten ist unter anderem die Entspannung über den Sommer. Ein Blick auf den vom SECO publizierten Index zur wöchentlichen Wirtschaftsaktivität (WWA-Index) zeigt zudem, dass der Ende Oktober beschlossene Slowdown die Wirtschaft bisher weniger hart trifft als der Lockdown im Frühling. Dabei gilt es aber festzuhalten, dass der Effekt des Slowdown auf die gemeldeten Fallzahlen ebenfalls schwächer ausfiel. Aus diesem Grund hat der Bundesrat am 11. Dezember weitere Verschärfungen der Massnahmen (z.B. frühere Sperrstunden für die Gastronomie) beschlossen, welche die Wirtschaftsaktivität zumindest kurzfristig wieder etwas abbremsen dürften. Ob strengere Massnahmen mittel- bis langfristig tatsächlich schädlicher für die Wirtschaft sind, ist umstritten. Beispielsweise haben 60 Schweizer Ökonomen Anfang November in einem offenen Brief einen strikten Lockdown gefordert.

Der Dienstleistungssektor leidet besonders unter der Krise

Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die von der Krise unmittelbar betroffenen Sektoren und Branchen zu werfen. Im 1. Wirtschaftssektor dürfte die Landwirtschaft vergleichsweise gut durch die Krise kommen. Die Versorgung mit Nahrungs- und Futtermitteln befriedigt Grundbedürfnisse und wurde daher durch die Massnahmen des Bundesrates nur geringfügig eingeschränkt. Die Corona-Krise hatte sogar positive Effekte auf die Einkommen in der Landwirtschaft. Daneben gibt es aber auch negative Effekte wie der mit Schutzkonzepten verbundene Aufwand oder die geringere Nachfrage von Restaurants.

Deutlich stärker leiden hingegen die Industrie und das verarbeitende Gewerbe. Gemäss einer Umfrage von Swissmechanic und BAK Basel plant jedes dritte Unternehmen aus der MEM-Branche einen Stellenabbau. Ein wichtiger Grund für die starke Betroffenheit der Industrie ist die gesunkene Exportnachfrage aus dem Ausland. Dies widerspiegelt sich auch in den Zahlen zu den Importen und Exporten. Im Aussenhandel kam es im Frühling zu einem historischen Einbruch: Im April sind die Exporte gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 11.7 Prozent zurückgegangen. Noch stärker als die Ausfuhren sind jedoch die Einfuhren eingebrochen: Saisonbereinigt sind die Importe im April um 21.9% zurückgegangen. Dadurch ergibt sich für den April 2020 der höchste je ausgewiesene monatliche Handelsbilanzüberschuss von 4.3 Mia. CHF. Nach diesem historischen Rückgang hat sich der Aussenhandel wieder etwas erholt. Im Oktober 2020 lagen die Exporte noch 7% unter dem Vorjahresniveau, bei den Importen betrug das Minus noch 11%.

Besonders stark betroffen ist auch der Dienstleistungssektor. Verschiedene Analysen zeigen, dass die meisten der von der Krise bzw. von den Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus stark betroffenen Branchen in diesem Sektor anzusiedeln sind. Der Grund dafür ist naheliegend: Viele Dienstleistungen erfordern einen persönlichen Kontakt zwischen Anbieter und Kunde und bergen daher ein Ansteckungsrisiko. Zu den stark betroffenen Branchen gehört unter anderem die Kultur- und Eventbranche, die insbesondere mit den Teilnehmerbeschränkungen für Veranstaltungen zu kämpfen hat. Ebenfalls stark leiden müssen die Gastronomie und die Beherbergungsbranche. So erschweren beispielsweise Sperrstunden und Abstandregeln einen wirtschaftlichen Betrieb für Restaurants. Zudem ist die Reisetätigkeit stark eingeschränkt (z.B. durch Quarantäneregelungen), wodurch kaum noch ausländische Gäste in Schweizer Hotels übernachten. Dementsprechend hoch ist auch der Leidensdruck in der Reisebranche. Weiter kam es auch in gewissen Sparten des Detailhandels zu hohen Umsatzausfällen.

Die Auswirkungen der Krise gehen aber weit über die direkt betroffenen Branchen hinaus. Im Endeffekt ist die ganze Wertschöpfungskette betroffen. Leidet beispielsweise die Eventbranche, so leiden die Zulieferbranchen ebenfalls – z.B. Anbieter von Bühnentechnik, Cateringfirmen.

Exkurs: Grosse Unterschiede in der Möglichkeit Homeoffice zu leisten

Eine Studie der Universität Basel hat untersucht, inwieweit die Beschäftigten innerhalb einer Branche in der Lage sind, ihren Tätigkeiten im Homeoffice nachzugehen.

In Branchen, in denen viele administrative oder auch kreative Aufgaben anfallen, können bis zu 90% aller Beschäftigten zumindest teilweise von zu Hause arbeiten. Beispiele für solche Branchen sind die Finanz- und Versicherungsbranche oder die IT-Branche. In anderen Wirtschaftszweigen besteht diese Möglichkeit hingegen kaum. Das betrifft z.B. die Gastronomie, die Hotellerie oder die Baubranche. Grund dafür ist die grosse Relevanz des persönlichen Kontakts bzw. der physischen Präsenz. Daher sind die stark unter dem Virus leidenden Unternehmen insbesondere jene, die ihre Tätigkeit nur geringfügig ins Homeoffice verlagern können.

Auch regional gibt es hier Unterschiede: In ländlichen Gebieten werden vermehrt Berufe ausgeübt, die sich weniger für Heimarbeit eignen.

Sämtliche Raumtypen betroffen

Die Auflistung der stark betroffenen Branchen legt nahe, dass sich die Corona-Krise je nach Region und Raumtyp unterschiedlich auswirkt. Denn wie die Analyse zu den regionalen Wirtschaftsstrukturen zeigt, unterscheidet sich der Branchenmix (Anteil verschiedener Branchen an der Gesamtbeschäftigung) der ländlichen und urbanen Räume teilweise stark. Allerdings durchdringt die Corona-Pandemie derart viele Branchen und Wertschöpfungsketten, so dass im Endeffekt sämtliche Raumtypen der Schweiz von der Krise betroffen sind.

Die Betroffenheit sämtlicher Raumtypen bestätigt sich beispielsweise bei einem Blick auf die Entwicklung des Transaktionsvolumens, das über Debitkarten in der Schweiz abgewickelt wurde: Zwischen städtischen und ländlichen Gebieten zeigen sich nur geringe Unterschiede – auch während des Lockdowns. Zudem zeigen auch diese Zahlen, dass der aktuelle Slowdown die Wirtschaft weniger hart trifft als noch der Lockdown. In der Zeit um den «Black Friday» Ende November hat das Volumen der Debitkartentransaktionen sogar nur knapp einen Jahreshöchststand verfehlt.

Die verschiedenen Raumtypen respektive Regionen leiden aber häufig nicht aus demselben Grund. Während die Städte beispielsweise stark mit dem dort wichtigen Dienstleistungssektor leiden, dürften die ländlichen Regionen den Leidensdruck der Industrie stärker spüren.

Teilweise kommt es sogar zu Stadt-Land-Unterschiede innerhalb einer einzelnen Branche. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Tourismus. Eigentlich würde man erwarten, dass insbesondere die Berggebiete stark leiden – weil viele der oben erwähnten Branchen tourismusnah sind und zahlreiche Destinationen ihren Fokus auf den Fremdenverkehr gelegt haben. Dem war während des «harten Lockdowns» im Frühling auch der Fall. Dank den Lockerungen in den Sommermonaten durften die Berggebiete aber eine verhältnismässig gute Sommersaison erleben. Grund dafür war die deutlich höhere Zahl inländischer Gäste, welche aufgrund des eingeschränkten internationalen Reiseverkehrs ihre Ferien in der Schweiz verbrachten. Gleichzeitig leidet der Tourismus in den Städten deutlich stärker, da dort typischerweise der Anteil ausländischer Gäste viel höher liegt und der Geschäftstourismus fast zum Erliegen kam (vgl. Exkurs weiter unten).

Die Betroffenheit einer Region hängt also einerseits von ihrer Branchenstruktur, andererseits aber auch von der Ausrichtung der regional wichtigen Branchen ab. Abgesehen davon gibt es kaum systematische Unterschiede zwischen Stadt und Land. Gesamthaft betrachtet lässt sich deshalb sagen, dass sowohl urbane wie auch ländliche Gebiete stark unter der Krise leiden. Dieses bedeutet aber nicht, dass einzelne Regionen nicht trotzdem härter betroffen sein können als andere (vgl. untenstehende Ausführungen zur Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit).

Eine Ausnahme von dieser Regel könnten potenziell die Grenzregionen sein. Bei Grenzschliessungen oder verschärften Einreisebestimmungen leiden diese aufgrund der starken Verflechtung mit dem Ausland besonders. Diese Problematik wurde aber erkannt. Entsprechend gelten für Grenzregionen häufig Sonderregelungen.

Exkurs: Die Corona-Krise trifft den Tourismus schwer

Im Tourismus hat sich die Krise in gravierendem Masse auf die Logiernächte ausgewirkt. Nach einem starken Einbruch in den Monaten März bis April hat sich die Situation in den Monaten Mai und Juni etwas erholt. Eine starke Erholung setzte anschliessend im Juli ein: Viele Schweizer wollten sich ihre Sommerferien nicht nehmen lassen und haben aufgrund der Reiserestriktionen ihren Urlaub im Inland statt im Ausland verbracht. Dies hat dazu geführt, dass die Logiernächte der Inländer seit Juli klar über dem Vorjahresniveau liegen. Dieser positive Effekt vermochte die wegbleibenden ausländischen Gäste jedoch bei weitem nicht kompensieren, so dass der Schweizer Tourismus trotz allem eine sehr schlechte Saison erlebt.

Der Boom der Inlandnachfrage wirkt sich regional unterschiedlich aus. Während das Total der Logiernächte von Januar bis Oktober in den Grossstädten und Städten 62% bzw. 35% unter dem Vorjahresniveau lag, waren es in den ländlichen Zentren und Gemeinden «nur» 18% respektive 13%.

Dabei sind es insbesondere die Bergregionen, die dank dem Inlandtourismus von einer verhältnismässig guten Sommersaison (Mai bis Oktober) profitieren konnten. Allerdings gibt es auch hier Unterschiede. Gemäss einer Umfrage von HotellerieSuisse hatten 61% der Betriebe im Kanton Graubünden eine bessere Sommersaison als 2019, im Kanton Wallis waren es 32% und im Berner Oberland nur 14%.

Im Gegensatz zu den Bergregionen konnten die Städte nur bedingt vom stärkeren Inlandtourismus profitieren. Gleichzeitig blieben die wichtigen ausländischen Gäste weg und der Geschäftstourismus kam fast zum Erliegen. Der grosse Leidensdruck der Tourismusbranche in den Städten hat Konsequenzen: Es mussten bereits diverse Hotels schliessen und es kommt vermehrt zu Entlassungen.

Wie die Wintersaison verlaufen wird ist derzeit ungewiss. Skigebiete und Bergbahnen haben Schutzkonzepte entwickelt und hoffen auf eine gute Saison. Das Potenzial dafür besteht angesichts der Zahlen aus den Sommermonaten auf jeden Fall. Ob dieses Potenzial auch ausgeschöpft werden, wird aber letztlich stark von der Entwicklung der Fallzahlen während den Wintermonaten abhängen. Mit einer vollständigen Erholung wird erst im Jahr 2022 gerechnet.

Rekordwerte bei der Kurzarbeit

Hinweis: Die in diesem Abschnitt gezeigte kantonale Verteilung der abgerechneten Kurzarbeit kann einzelne Fehlzuteilungen aufweisen (Mögliche Fehlerquelle: Alle Anträge eines bestimmten Unternehmens wurden im selben Kanton erfasst, obwohl das Unternehmen auch über Arbeitsstätten in anderen Kantonen verfügt). Die Daten entsprechen dem aktuellen Wissensstand, Änderungen vorbehalten.

Wie erwähnt beschränkt sich die Krise nicht nur auf die direkt  betroffenen Branchen, sondern hat viel weitreichendere Folgen. Dies zeigt der Blick auf die eingereichten Gesuche für Kurzarbeitsentschädigungen: Die Anzahl der Gesuche hat ein Rekordniveau erreicht und ist um ein Vielfaches höher als in der Finanzkrise. Am Anfang der Krise, kurz nach dem Lockdown, wurde für fast 40% der Beschäftigten (entspricht ca. 2 Mio. Personen) in der Schweiz ein Antrag auf Kurzarbeitsentschädigung gestellt. Dank der Entspannung über den Sommer ist dieser Wert bis im Oktober aber wieder auf 10% gesunken. Im Zuge der zweiten Welle kam es im November zu einem neuerlichen Anstieg der Anträge auf 13% der Beschäftigten (entspricht 670'000 Personen). Damit liegt der Wert aber noch weit entfernt von der Rekordmarke im Frühling.

Der Antrag bzw. die Bewilligung eines Kurzarbeitsgesuchs bedeutet allerdings nicht, dass die betroffenen Betriebe ihre Mitarbeitenden auch tatsächlich auf Kurzarbeit setzen, sondern nur, dass sie dies tun könnten. Dies zeigt sich in den Zahlen zur effektiv abgerechneten Kurzarbeit: Im Monat April wurden rund 1.3 Millionen Beschäftigte auf Kurzarbeit gesetzt. Es wurde also nur für etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten, für die ursprünglich ein Antrag gestellt wurde, tatsächlich auch Kurzarbeit abgerechnet. Danach sank die Zahl der Beschäftigten auf Kurzarbeit kontinuierlich. Im September wurde noch für 214’000 Beschäftigte Kurzarbeit abgerechnet. Damit blieben die Zahlen zwar unter den Erwartungen, haben aber trotzdem ein sehr hohes Niveau erreicht. Zum Vergleich: Während der Finanzkrise waren 90'000 Beschäftigte effektiv von Kurzarbeit betroffen.

Es gilt zu beachten, dass die Auswirkungen der zweiten Welle in diesen Zahlen noch nicht enthalten sind. 

Bei der kantonalen Betrachtung des Anteils der Beschäftigten, für die im September Kurzarbeit abgerechnet wurde, zeigt sich, dass die Kantone Neuenburg (11%), Jura (7%), Appenzell Ausserhoden (6%) und das Tessin (6%) am stärksten betroffen sind. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Im Kanton Jura ist die mit dem Einbruch der Exportnachfrage konfrontierte Industrie am stärksten betroffen, allen voran die Uhrenindustrie sowie die Metallindustrie. Entsprechend sind fast 70% der Arbeitnehmenden auf Kurzarbeit im verarbeitenden Gewerbe bzw. der Industrie beschäftigt. Ähnlich sieht es im Kanton Neuenburg aus. Auch hier sind mit Abstand am meisten Betroffene im verarbeitenden Gewerbe tätig. Daneben stammen aber auch viele Anträge aus dem Baugewerbe, der Gastronomie sowie dem Grundstücks- und Wohnungswesen. In Appenzell-Ausserrhoden ist es neben den touristischen Branchen u.a. die Industrie (insbesondere Textilindustrie), welche die Kurzarbeit nutzte. Im Tessin sind die treibenden Branchen das verarbeitende Gewerbe, die Bauindustrie, der Handel sowie die Gastronomie.

Arbeitslosigkeit steigt nur leicht

Die zuvor beschriebene Entwicklung lässt erahnen, dass im Zuge der Corona-Krise auch die Arbeitslosigkeit angestiegen ist. Während die Arbeitslosenquote im Januar 2020 bei 2.3% lag, stieg sie nach dem Ausbruch der Corona-Krise und dem Lockdown auf 3.4% im Mai. Normalerweise sinkt die Arbeitslosigkeit in dieser Jahreszeit, da die Aktivität verschiedener Branchen im Winter eingeschränkt ist (z.B. Baugewerbe). Anstelle des üblichen Rückgangs war in diesem Jahr aber ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu verzeichnen, und dies in sämtlichen Regionen der Schweiz.

Über den Sommer entspannte sich die Lage saisonal bedingt und aufgrund der tiefen Fallzahlen etwas. Es waren leicht weniger Arbeitslose zu verzeichnen, so dass die Quote im Juni auf 3.2% fiel und bis im Oktober auf diesem Niveau verharrte. Im November wurde nun aber erneut ein leichter Anstieg um 0.1 Prozentpunkte auf 3.4% bzw. 153'000 Personen registriert. Zum Vergleich: Im November 2019 lag die Quote mit 2.3% deutlich tiefer.

Die bis jetzt feststellbare Zunahme der Arbeitslosigkeit ist relativ moderat. Dies ist ein Indiz dafür, dass die Kurzarbeit und die vom Bund verbürgten Kredite – zumindest bisher – eine grosse Entlassungs- bzw. Konkurswelle verhindern konnten.

Exkurs: Nutzung der COVID-19-Überbrückungskredite

Zur Sicherstellung der Liquidität können Unternehmen, welche stark von der Corona-Krise betroffen sind sogenannte COVID-19-Überbrückungskredite beantragen. Diese Kredite können bei der Hausbank des jeweiligen Unternehmens bezogen werden und sind vom Bund abgesichert. Bis Anfang Dezember wurden 137'000 COVID-19-Überbrückungskredite an Unternehmen vergeben. Bei einem Gesamtvolumen von 16.9 Milliarden CHF entspricht dies einem durchschnittlichen Betrag von rund CHF 123'000 pro Kredit respektive mehr als CHF 4'000 pro Vollzeitäquivalente (VZÄ).

In der Nutzung dieser Kredite gibt es gewisse regionale Unterschiede. Beispielsweise ist das Kreditvolumen pro Arbeitskraft (gemessen in VZÄ) in der lateinischen Schweiz tendenziell höher als in der Deutschschweiz – auffallend ist insbesondere der hohe Wert im Kanton Tessin. Aber auch in der Deutschschweiz ist das Bild nicht einheitlich. So ist z.B. das Kreditvolumen pro VZÄ in den Kantonen Zug und Schwyz deutlich höher als in den Kantonen Zürich oder Luzern.

Neben den COVID-19-Überbrückungskrediten wurde Ende November 2020 zusätzlich ein Programm für Härtefälle aufgegleist. Zudem wurden à fonds perdu Beiträge für gewisse Branchen gesprochen. 

Bei regionaler Betrachtung der Arbeitslosenquote fällt auf, dass der Anstieg der Arbeitslosen in der französischsprachigen Schweiz etwas stärker ausfiel als im Rest der Schweiz. Die Arbeitslosenquote ist dort im Vergleich zum Vorjahr um ca. 1.5 Prozentpunkte gestiegen, während sich der Anstieg in der Deutschschweiz auf ca. 1 Prozentpunkt belief. Ein möglicher Grund für diesen Unterschied könnten die tendenziell etwas strengeren Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in den Kantonen der Westschweiz sein.

Vergleicht man Stadt und Land, zeigen sich wie zuvor nur relativ geringe Unterschiede. Am stärksten hat die Arbeitslosenquote mit einem Wachstum um 1 Prozentpunkt in den Grossstädten zugelegt. Am schwächsten war dieser Anstieg mit 0.5 Prozentpunkten in den ländlichen Gemeinden.

Zukunftsaussichten verhalten optimistisch

Die Analyse zeigt, dass sowohl Stadt wie auch Land unter der Corona-Krise leiden. Grund dafür sind die weitreichenden Auswirkungen der Krise. Es sind sehr viele Branchen betroffen – entweder direkt, oder dann indirekt über die Wertschöpfungsketten. Zu den stark betroffenen Branchen gehören insbesondere die Gastronomie, die Beherbergung, die Kultur- und Eventbranche der Handel sowie die Industrie. Wie schnell sich diese Branchen erholen werden ist ungewiss. In der Gastronomie, der Beherbergung sowie der Kultur und Eventbranche hängt dies allem voran davon ab, wie schnell die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wieder gelockert werden können. Demgegenüber wird die Situation in der stark exportorientierten Industrie auch massgeblich von der Erholungsgeschwindigkeit im Ausland abhängen.

Gewisse regionale Unterschiede sind aber dennoch auszumachen. So gibt es Hinweise darauf, dass die Westschweiz bisher etwas stärker unter der Krise gelitten hat als die Deutschschweiz. Dies äusserst sich unter anderem in einem stärkeren Anstieg der Arbeitslosenquote. Zudem wurde gezeigt, dass der Tourismus in den Städten grössere Einbussen zu verzeichnen hat als in den Bergregionen. Entscheidend für die Betroffenheit einer spezifischen Region ist letztlich die Branchenstruktur sowie die Ausrichtung der ansässigen Branchen.

In den nächsten Monaten muss – nicht zuletzt auch aufgrund der Verschärfung der Massnahmen Anfang Dezember – weiterhin von einer schwierigen wirtschaftlichen Situation ausgegangen werden. Dies dürfte in besonderem Masse für die Gastronomie, den Detailhandel und den Tourismus gelten. Weiter bestehen Befürchtungen, dass durch die Staatshilfen eine Konkurswelle nur aufgeschoben, nicht aber verhindert werden konnte. Wie lange die Folgen der Krise noch spürbar sind und wie stark die wirtschaftlichen Schäden schlussendlich sein werden, lässt sich aktuell nicht genau beziffern. Wie bereits erwähnt, wird dies massgeblich auch von der Entwicklung der Fallzahlen und den damit verbundenen Massnahmen abhängen.

Hoffnung macht indes, dass die Entwicklung der Impfstoffe mittlerweile weit fortgeschritten ist und bereits erste Zulassungen für Vakzine vorliegen. Damit rückt das Ende der Pandemie in Sichtweite und weitere Entlassungen können möglicherweise verhindert werden. Zudem hat uns die Entwicklung über den Sommer gezeigt, dass nach einer Lockerung der Einschränkungen relativ rasch eine Erholung eintreten kann. Ein weiterer Lichtblick ist, dass die effektiv beanspruchte Kurzarbeit bisher unter den Erwartungen blieb. All diese positiven Signale widerspiegeln sich auch in den Konjunkturprognosen. Sowohl die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich als auch das SECO rechnen für das Jahr 2021 bereits wieder mit einem BIP-Wachstum von ca. 3% Prozent.

 

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