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Regionalökonomische Auswirkungen von COVID-19

Stand März 2021

Coronavirus führt zu Konjunktureinbruch

Was Ende 2019 in China seinen Anfang nahm, hat die Welt seit März fest im Griff. Das neuartige Coronavirus hat sich global ausgebreitet und veranlasste Regierungen weltweit drastische Massnahmen zu ergreifen. So auch in der Schweiz, wo – nach dem Lockdown im Frühling 2020 und den darauffolgenden Lockerungen im Herbst 2020 ein «Slowdown» und anschliessend ab Januar 2021 zum zweiten Mal ein mehrwöchiger Lockdown verhängt wurde.

Sowohl der erste Lockdown im Frühling 2020 als auch der zweite im Winter 2021 haben die Schweizer Wirtschaft schwer getroffen. Die Arbeitslosigkeit ist im vergangenen Jahr gestiegen und die Anzahl Gesuche für Kurzarbeit erreichte Rekordwerte. Auch die Konjunkturprognosen mussten erheblich nach unten korrigiert werden: Ging man vor der Krise noch von einem Wachstum aus, rechnet die Expertengruppe des Bundes für Konjunkturprognosen aktuell mit einem Rückgang von 3.0% des BIP im Jahr 2020. Um die Wirtschaft in dieser schwierigen Zeit zu stützen, wurden milliardenschwere Hilfsprogramme aufgegleist. Diese umfassen u.a. Überbrückungskredite, Bürgschaften, Härtefallprogramme sowie die Ausweitung der Kurzarbeitsentschädigung.

Ein Blick auf den vom SECO publizierten Index zur wöchentlichen Wirtschaftsaktivität (WWA-Index) gibt einen Hinweis darauf, wie einschneidend die Massnahmen die Wirtschaft getroffen haben. Der Verlauf des WWA-Index zeigt, dass ein Lockdown die Wirtschaft deutlich stärker trifft als dies bei den übrigen Massnahmen der Fall ist. Erfreulicherweise scheint der Effekt des zweiten Lockdowns aber weniger stark zu sein, als dies noch im Frühling der Fall war.

Ob strengere Massnahmen mittel- bis langfristig tatsächlich schädlicher für die Wirtschaft sind, ist allerdings umstritten. Beispielsweise haben 60 Schweizer Ökonomen Anfang November in einem offenen Brief einen strikten Lockdown gefordert. Auch die COVID-Taskforce des Bundesrates kam in einer Studie zum Schluss, dass ein Lockdown mehr Nutzen als Kosten generieren kann. 

Der Dienstleistungssektor leidet besonders unter der Krise

Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die von der Krise unmittelbar betroffenen Sektoren und Branchen zu werfen. Im 1. Wirtschaftssektor dürfte die Landwirtschaft vergleichsweise gut durch die Krise kommen. Die Versorgung mit Nahrungs- und Futtermitteln befriedigt Grundbedürfnisse und wurde daher durch die Massnahmen des Bundesrates nur geringfügig eingeschränkt. Die Corona-Krise hatte sogar positive Effekte auf die Einkommen in der Landwirtschaft. Daneben gibt es aber auch negative Effekte wie der mit Schutzkonzepten verbundene Aufwand oder die geringere Nachfrage von Restaurants.

Deutlich stärker leiden hingegen die Industrie und das verarbeitende Gewerbe. In der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) gingen 2020 6.5% weniger Aufträge ein als noch im Jahr 2019. Da dadurch auch die Umsätze zurückgingen, sind allein in der MEM-Industrie über 6'000 Stellen weggefallen. Im gesamten sekundären Sektor gingen die Umsätze im Jahr 2020 um 5.2 Prozent zurück. Ein wichtiger Grund für die starke Betroffenheit der Industrie ist die gesunkene Exportnachfrage aus dem Ausland. Dies widerspiegelt sich auch in den Zahlen zu den Importen und Exporten. Im Aussenhandel kam es im Frühling zu einem historischen Einbruch: Im April 2020 sind die Exporte gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 11.7 Prozent zurückgegangen. Noch stärker als die Ausfuhren sind jedoch die Einfuhren eingebrochen: Saisonbereinigt sind die Importe im April 2020 um 21.9 Prozent zurückgegangen. Dadurch ergibt sich für den April 2020 der höchste je ausgewiesene monatliche Handelsbilanzüberschuss von 4.3 Mia. CHF. Über das gesamte vergangene Jahr betrachtet gingen die Exporte um gut 7 Prozent zurück, die Importe gar um mehr als 11 Prozent.

Besonders stark betroffen ist auch der Dienstleistungssektor. Verschiedene Analysen zeigen, dass die meisten der von der Krise bzw. von den Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus stark betroffenen Branchen in diesem Sektor anzusiedeln sind. Der Grund dafür ist naheliegend: Viele Dienstleistungen erfordern einen persönlichen Kontakt zwischen Anbieter und Kunde und bergen daher ein Ansteckungsrisiko. Zu den stark betroffenen Branchen gehört unter anderem die Kultur- und Eventbranche, die insbesondere mit Verboten und Teilnehmerbeschränkungen für Veranstaltungen zu kämpfen hat. Ebenfalls stark leiden müssen die Gastronomie und die Beherbergungsbranche. Neben Restaurantschliessungen erschweren weitere Massnahmen wie Sperrstunden und Abstandregeln einen wirtschaftlichen Betrieb für Restaurants. Zudem ist die Reisetätigkeit stark eingeschränkt (z.B. durch Quarantäneregelungen), wodurch kaum noch ausländische Gäste in Schweizer Hotels übernachten. Dementsprechend hoch ist auch der Leidensdruck in der Reisebranche. Weiter kam es auch in gewissen Sparten des Detailhandels zu hohen Umsatzausfällen. Stark getroffen wurden beispielsweise Tankstellen, Spielwarengeschäfte oder Kleidergeschäfte. Andere Sparten des Detailhandels profitierten hingegen von der Krise, so z.B. die Lebensmittelhändler sowie der Online-Bereich der Elektronikhändler. Gesamthaft konnte der Detailhandel im Jahr 2020 gar ein Umsatzplus von 0.1% (real 0.8%) gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. 

Die Auswirkungen der Krise gehen aber weit über die direkt betroffenen Branchen hinaus. Im Endeffekt ist die ganze Wertschöpfungskette betroffen. Leidet beispielsweise die Eventbranche, so leiden die Zulieferbranchen ebenfalls – z.B. Anbieter von Bühnentechnik, Cateringfirmen.

Exkurs: Grosse Unterschiede in der Möglichkeit Homeoffice zu leisten

Eine Studie der Universität Basel hat untersucht, inwieweit die Beschäftigten innerhalb einer Branche in der Lage sind, ihren Tätigkeiten im Homeoffice nachzugehen.

In Branchen, in denen viele administrative oder auch kreative Aufgaben anfallen, können bis zu 90% aller Beschäftigten zumindest teilweise von zu Hause arbeiten. Beispiele für solche Branchen sind die Finanz- und Versicherungsbranche oder die IT-Branche. In anderen Wirtschaftszweigen besteht diese Möglichkeit hingegen kaum. Das betrifft z.B. die Gastronomie, die Hotellerie oder die Baubranche. Grund dafür ist die grosse Relevanz des persönlichen Kontakts bzw. der physischen Präsenz. Daher sind die stark unter dem Virus leidenden Unternehmen insbesondere jene, die ihre Tätigkeit nur geringfügig ins Homeoffice verlagern können.

Auch regional gibt es hier Unterschiede: In ländlichen Gebieten werden vermehrt Berufe ausgeübt, die sich weniger für Heimarbeit eignen.

Pandemie trifft nicht alle Regionen gleich

Die Corona-Pandemie durchdringt derart viele Branchen und Wertschöpfungsketten, dass im Endeffekt sämtliche Regionen und Raumtypen der Schweiz von der Krise betroffen sind. Es sind aber nicht alle Regionen gleichermassen betroffen. Hauptgrund dafür sind die regionalen Unterschiede in der Branchenzusammensetzung – stark betroffene Branchen haben in gewissen Regionen mehr Gewicht als in anderen. Eine pauschale Betrachtung anhand der betroffenen Branchen als Ganzes würde aber zu kurz greifen, da es auch innerhalb einer spezifischen Branche zu regional unterschiedlichen Betroffenheitsmustern kommen kann. So kann in einer Region beispielsweise ein Cluster eines schwer getroffenen Industriezweigs angesiedelt sein, während in einer anderen Region ein krisenresistenterer Zweig derselben Branche stark vertreten ist.

Dass die Branchenstruktur eine wichtige Rolle hinsichtlich der regionalen Betroffenheit spielt, bestätigt ein Blick auf den Anteil der Beschäftigten, deren Arbeitsstätte aufgrund der COVID-19-Verordnung im Januar 2021 schliessen musste.

Die Karte zeigt, dass insbesondere Bergregionen stark von der COVID-Verordnung getroffen wurden. Diese Regionen weisen überdurchschnittlich hohe Beschäftigungsanteile in den leidenden tourismusnahen Branchen auf (vgl. Exkurs weiter unten). Natürlich gehen die Auswirkungen der Pandemie weit über die direkt von der COVID-Verordnung betroffenen Branchen hinaus. Die obige Darstellung zeigt aber, dass die Coronakrise gewisse Regionen aufgrund ihrer Branchenstruktur stärker trifft als andere.

Wie eingangs erwähnt, würde eine reine Betrachtung der betroffenen Branchen als Ganzes zu kurz greifen, da es auch innerhalb einer Branche zu regionalen Unterschieden kommen kann.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Tourismus. Zwar wiegt die Tourismuskrise für die Bergregionen aufgrund des hohen Beschäftigungsanteils in tourismusnahen Branchen sehr schwer, der grösste Rückgang hinsichtlich der Logiernächte ist aber in den Städten zu verzeichnen. Dies weil in den Städten typischerweise der Anteil ausländischer Gäste höher liegt – diese blieben aber im letzten Jahr aufgrund der Reiseeinschränkungen fast komplett aus. Hinzu kommt, dass auch der Geschäftstourismus fast zum Erliegen kam. Gleichzeitig profitierte der Tourismus in den Bergregionen davon, dass viel mehr Schweizerinnen und Schweizer als üblich ihre Ferien im Inland verbrachten (vgl. Exkurs weiter unten).

Der Tourismus stellt damit keine Ausnahme dar. Auch innerhalb der Industrie gibt es regionale Unterschiede. Ein Beispiel hierfür ist die Textilindustrie in der Ostschweiz. Diese erwirtschaftet ca. 70 Prozent ihres Umsatzes im Ausland und leidet daher stark unter dem Rückgang der Exportnachfrage. Auch andere Exportbranchen wie die Uhrenindustrie spüren die Krise stark. Demgegenüber zeigten sich andere exportorientierte Industriezweige wie z.B. die Pharmabranche eher robust gegenüber der Krise. Die erwähnten Unterschiede zeigen sich auch bei einem Blick auf den Anteil, welchen die verschiedenen Branchen zum Anstieg der Arbeitslosigkeit beigetragen haben. So ist beispielsweise die Arbeitslosigkeit im Industriesektor der Kantone Jura, Neuenburg (Uhrenindustrie, Metallindustrie) und St. Gallen (Textilindustrie, MEM-Industrie) überproportional stark angestiegen.

Aus der Grafik lassen sich weitere – teilweise bereits erwähnte – regionale Unterschiede herauslesen: Die starke Betroffenheit des Gastgewerbes in den Bergkantonen Tessin und Wallis, die leidende Baubranche im Kanton Graubünden sowie der überdurchschnittliche Zuwachs der Arbeitslosigkeit in der Handelsbranche in den Kantonen Thurgau und in Zug. Hierbei gilt es festzuhalten, dass sich der totale Zuwachs der Arbeitslosen in den gezeigten Kantonen zum Teil stark unterscheidet (siehe Abschnitt zur Arbeitslosigkeit weiter unten).

Gesamthaft betrachtet lässt sich somit sagen, dass sämtliche Regionen der Schweiz unter der Krise leiden, gewisse Regionen aber stärker betroffen sind als andere. Die Betroffenheit einer spezifischen Region hängt dabei einerseits von ihrer Branchenstruktur und andererseits von der Ausrichtung der ansässigen Branchen ab. Vor diesem Hintergrund erscheint es auch sinnvoll, dass die Härtefallregelung kantonal umgesetzt wird.

Exkurs: Die Corona-Krise trifft den Tourismus schwer

Im Tourismus hat sich die Krise in gravierendem Masse auf die Logiernächte ausgewirkt. Nach einem starken Einbruch in den Monaten März bis April 2020 hat sich die Situation in den Monaten Mai und Juni etwas erholt. Eine starke Erholung setzte anschliessend im Juli ein: Viele Schweizer wollten sich ihre Sommerferien nicht nehmen lassen und haben aufgrund der Reiserestriktionen ihren Urlaub im Inland statt im Ausland verbracht. Dies hat dazu geführt, dass die Logiernächte der Inländer seit Juli klar über dem Vorjahresniveau liegen. Dieser positive Effekt vermochte die wegbleibenden ausländischen Gäste jedoch bei weitem nicht zu kompensieren. Zudem fiel auch die Wintersaison aufgrund der zweiten Pandemiewelle sehr schlecht aus. Dies führte dazu, dass der Schweizer Tourismus im Jahr 2020 eines der schlechtesten Jahre der Geschichte erlebte.

Von der kurzzeitigen Erholung über den Sommer konnten insbesondere die Bergregionen profitieren. Allerdings gibt es auch hier Unterschiede. Gemäss einer Umfrage von HotellerieSuisse hatten 61% der Betriebe im Kanton Graubünden eine bessere Sommersaison als 2019, im Kanton Wallis waren es 32% und im Berner Oberland nur 14%.

Im Gegensatz zu den Bergregionen konnten die Städte nur bedingt vom stärkeren Inlandtourismus profitieren. Gleichzeitig blieben die wichtigen ausländischen Gäste weg und der Geschäftstourismus kam fast zum Erliegen. Der grosse Leidensdruck der Tourismusbranche in den Städten hat Konsequenzen: Es mussten bereits diverse Hotels schliessen und es kommt vermehrt zu Entlassungen.

Mit einer vollständigen Erholung wird frühestens im Jahr 2022 gerechnet. 

Rekordwerte bei der Kurzarbeit

Hinweis: Die in diesem Abschnitt gezeigte kantonale Verteilung der abgerechneten Kurzarbeit kann einzelne Fehlzuteilungen aufweisen (Mögliche Fehlerquelle: Alle Anträge eines bestimmten Unternehmens wurden im selben Kanton erfasst, obwohl das Unternehmen auch über Arbeitsstätten in anderen Kantonen verfügt). Die Daten entsprechen dem aktuellen Wissensstand, Änderungen vorbehalten.

Wie erwähnt beschränkt sich die Krise nicht nur auf die direkt  betroffenen Branchen, sondern hat viel weitreichendere Folgen. Dies zeigt der Blick auf die eingereichten Gesuche für Kurzarbeitsentschädigungen: Die Anzahl der Gesuche hat im Frühling 2020 ein Rekordniveau erreicht und lag um ein Vielfaches höher als in der Finanzkrise. Am Anfang der Krise, kurz nach dem Lockdown, wurde für fast 40% der Beschäftigten (entspricht ca. 2 Mio. Personen) in der Schweiz ein Antrag auf Kurzarbeitsentschädigung gestellt.

Der Antrag bzw. die Bewilligung eines Kurzarbeitsgesuchs bedeutet allerdings nicht, dass die betroffenen Betriebe ihre Mitarbeitenden auch tatsächlich auf Kurzarbeit setzen, sondern nur, dass sie dies tun könnten. Dies zeigt sich in den Zahlen zur effektiv abgerechneten Kurzarbeit: Im Monat April wurden rund 1.3 Millionen Beschäftigte auf Kurzarbeit gesetzt. Es wurde also nur für etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten, für die ursprünglich ein Antrag gestellt wurde, tatsächlich auch Kurzarbeit abgerechnet. Danach sank die Zahl der Beschäftigten auf Kurzarbeit kontinuierlich. Im September wurde noch für 250’000 Beschäftigte Kurzarbeit abgerechnet.

Mit der zweiten Welle ist der Leidensdruck der Wirtschaft aber erneut gestiegen, was zu einem Wiederanstieg der abgerechneten Kurzarbeitsentschädigungen auf über 300'000 Beschäftigte im Dezember 2020 führte. Zum Vergleich: Während der Finanzkrise waren 90'000 Beschäftigte effektiv von Kurzarbeit betroffen. Es ist davon auszugehen, dass die Zahlen aufgrund des neuerlichen Lockdowns weiter ansteigen werden. Aktuell sind Sie aber noch weit entfernt vom Rekordwert im April 2020.

Bei der kantonalen Betrachtung des Anteils der Beschäftigten, für die im Dezember 2020 Kurzarbeit abgerechnet wurde, zeigt sich, dass die Kantone Graubünden (8.4%), Tessin (8.2%), Neuenburg (7.5%) und Zürich (7.4%) am stärksten betroffen sind. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Im Kanton Graubünden stammt die Hälfte der betroffenen Beschäftigten aus der Gastronomie sowie der Hotellerie. Die andere Hälfte verteilt sich über verschiedenste Branchen. Etwas anders sieht es im Kanton Neuenburg aus. Dort ist die mit einem Einbruch der Exportnachfrage konfrontierte Industrie stark betroffen, allen voran die Uhrenindustrie sowie die Metallindustrie. Daneben wurden aber auch hier viele Beschäftigte aus der Gastronomie auf Kurzarbeit gesetzt. Im Tessin sind die treibenden Branchen vor allem die Hotellerie, die Gastronomie, der Handel sowie das verarbeitende Gewerbe.

In einer etwas anderen Ausgangslange befindet sich der Kanton Zürich. Dort spürt die Luftfahrtindustrie wegen den Reiseeinschränkungen die Auswirkungen der Krise – mehr als 11'000 Personen aus dieser Branche waren im Dezember auf Kurzarbeit gesetzt. Daneben sind es vor allem die Gastronomie, Verpflegungsdienstleistungen und Fitnesscenter, welche Kurzarbeit anmelden mussten.

Arbeitslosigkeit steigt

Die zuvor beschriebene Entwicklung lässt erahnen, dass im Zuge der Corona-Krise auch die Arbeitslosigkeit angestiegen ist. Während die Arbeitslosenquote im Januar 2020 bei 2.3% lag, stieg sie nach dem Ausbruch der Corona-Krise und dem Lockdown auf 3.4% im Mai 2020. Normalerweise sinkt die Arbeitslosigkeit in dieser Jahreszeit, da die Aktivität verschiedener Branchen im Winter eingeschränkt ist (z.B. Baugewerbe). Anstelle des üblichen Rückgangs wurde im Frühling 2020 aber ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen verzeichnet, und dies in sämtlichen Regionen der Schweiz.

Über den Sommer entspannte sich die Lage saisonal bedingt und aufgrund der tiefen Fallzahlen etwas. Seit Beginn der zweiten Welle hat sich die Arbeitslosenquote aber wieder erhöht und stand im Februar 2021 bei 3.6%, was 168'000 bei den RAV registrieren Personen entspricht.

Die bis jetzt feststellbare Zunahme der Arbeitslosigkeit ist relativ moderat. Insbesondere dank dem massiven Einsatz der Kurzarbeit sowie der weiteren Hilfsmassnahmen konnte – zumindest bisher – eine grosse Entlassungs- bzw. Konkurswelle verhindert werden.

Exkurs: Nutzung der COVID-19-Überbrückungskredite

Zur Sicherstellung der Liquidität können Unternehmen, welche stark von der Corona-Krise betroffen sind sogenannte COVID-19-Überbrückungskredite beantragen. Diese Kredite können bei der Hausbank des jeweiligen Unternehmens bezogen werden und sind vom Bund abgesichert. Bis Anfang Dezember wurden 137'000 COVID-19-Überbrückungskredite an Unternehmen vergeben. Bei einem Gesamtvolumen von 16.9 Milliarden CHF entspricht dies einem durchschnittlichen Betrag von rund CHF 123'000 pro Kredit respektive mehr als CHF 4'000 pro Vollzeitäquivalente (VZÄ).

In der Nutzung dieser Kredite gibt es gewisse regionale Unterschiede. Beispielsweise ist das Kreditvolumen pro Arbeitskraft (gemessen in VZÄ) in der lateinischen Schweiz tendenziell höher als in der Deutschschweiz – auffallend ist insbesondere der hohe Wert im Kanton Tessin. Aber auch in der Deutschschweiz ist das Bild nicht einheitlich. So ist z.B. das Kreditvolumen pro VZÄ in den Kantonen Zug und Schwyz deutlich höher als in den Kantonen Zürich oder Luzern.

Neben den COVID-19-Überbrückungskrediten wurde Ende November 2020 zusätzlich ein Programm für Härtefälle aufgegleist. Zudem wurden à fonds perdu Beiträge für gewisse Branchen gesprochen. 

Bei regionaler Betrachtung der Arbeitslosenquote fällt auf, dass der Anstieg der Arbeitslosen in der französischsprachigen Schweiz etwas stärker ausfiel als im Rest der Schweiz. Die Arbeitslosenquote ist im Februar 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 1.4 Prozentpunkte gestiegen, während sich der Anstieg in der Deutschschweiz auf ca. 1 Prozentpunkt belief. Ein möglicher Grund für diesen Unterschied könnten die zeitweise strengeren Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in den Kantonen der Westschweiz sein.

Vergleicht man Stadt und Land, zeigt sich, dass die urbanen Gebiete die Krise hinsichtlich der Arbeitslosigkeit etwas stärker zu spüren scheinen als die ländlichen Räume. Am stärksten hat die Arbeitslosenquote mit einem Wachstum um 1.3 Prozentpunkten in den Grossstädten zugelegt. Am schwächsten war dieser Anstieg mit 0.7 Prozentpunkten in den ländlichen Gemeinden.

Zukunftsaussichten verhalten optimistisch

Die Analyse zeigt, dass sämtliche Regionen der Schweiz von der Krise betroffen sind. Grund dafür sind die weitreichenden Auswirkungen der Krise. Es sind sehr viele Branchen betroffen – entweder direkt, oder dann indirekt über die Wertschöpfungsketten. Zu den stark betroffenen Branchen gehören insbesondere die Gastronomie, die Beherbergung, die Kultur- und Eventbranche der Handel sowie die Industrie. Wie schnell sich diese Branchen erholen werden, ist ungewiss. In der Gastronomie, der Beherbergung sowie der Kultur und Eventbranche hängt dies allen voran davon ab, wie schnell in der Schweiz eine Rückkehr zur Normalität möglich sein wird. Demgegenüber wird die Situation in der stark exportorientierten Industrie auch massgeblich von der Erholungsgeschwindigkeit im Ausland abhängen.

Es sind aber längst nicht alle Regionen gleichermassen von der Krise betroffen. Entscheidend für die Betroffenheit einer spezifischen Region ist die Branchenstruktur sowie die Ausrichtung der ansässigen Branchen. Je gewichtiger die unter der Krise stark leidenden Branchen in einer Region sind, desto stärker sind die Auswirkungen der Krise spürbar. Zudem sind innerhalb einzelner Branchen (z.B. im Tourismus) regionale Unterschiede hinsichtlich der Betroffenheitsmuster zu beobachten.

In den nächsten Monaten muss weiterhin von einer schwierigen wirtschaftlichen Situation ausgegangen werden. Es bestehen Befürchtungen, dass durch die Staatshilfen eine Konkurswelle nur aufgeschoben, nicht aber verhindert werden konnte. Wie lange die Folgen der Krise noch spürbar sind und wie stark die wirtschaftlichen Schäden schlussendlich sein werden, lässt sich aktuell nicht genau beziffern. Wie bereits erwähnt, wird dies massgeblich auch von der Entwicklung der Fallzahlen und den damit verbundenen Massnahmen abhängen.

Es besteht aber auch Hoffnung. So dürften, die steigenden Temperaturen im Frühling sowie der Fortschritt bei der Impfung der Bevölkerung zu einer Entspannung der Lage führen.

Ebenfalls positiv zu werten sind die Beobachtungen aus dem letzten Sommer, die uns gezeigt haben, dass nach einer Lockerung der Einschränkungen rasch eine Erholung eintreten kann. All diese positiven Signale widerspiegeln sich auch in den Konjunkturprognosen. Sowohl die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich als auch das SECO rechnen für das Jahr 2021 bereits wieder mit einem BIP-Wachstum von ca. 3 bis 4 Prozent.

 

Möchten Sie mehr Informationen über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Ihre Region? Kontaktieren Sie uns!

 

Bild: regiosuisse

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