Die Plattform für Regionalentwicklung in der Schweiz

Regionalökonomische Auswirkungen von COVID-19

Stand September 2020

Coronavirus führt zu Konjunktureinbruch

Was Ende 2019 in China seinen Anfang nahm, hat sich mittlerweile auf der ganzen Welt ausgebreitet. Das neuartige Coronavirus veranlasste Regierungen weltweit drastische Massnahmen zu ergreifen. So auch in der Schweiz: Der Bundesrat hat am 16. März die «ausserordentliche Lage» ausgerufen und hat mit der COVID-19-Verordnung 2 einschneidende Restriktionen für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in der Schweiz beschlossen. Die Anzahl Neuinfektionen konnten dadurch erheblich reduziert werden, seit Mai nach und nach Lockerungen stattgefunden haben und die ausserordentliche Lage Mitte Juni beendet werden konnte.

Die verhängten Massnahmen haben die Wirtschaft hierzulande schwer getroffen. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen und die Anzahl Gesuche auf Kurzarbeit erreichte Rekordwerte. Auch die Konjunkturprognosen mussten erheblich nach unten korrigiert werden: Die Expertengruppe des Bundes für Konjunkturprognosen rechnet aktuell mit einem Rückgang von 6.2% des BIP im Jahr 2020. 

Der Dienstleistungssektor leidet besonders unter der Krise

Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die von der Krise unmittelbar betroffenen Sektoren und Branchen zu werfen. Im 1. Wirtschaftssektor dürfte die Landwirtschaft vergleichsweise gut durch die Krise kommen. Die Versorgung mit Nahrungs- und Futtermitteln befriedigt Grundbedürfnisse und wurde daher durch die Massnahmen des Bundesrates nur geringfügig eingeschränkt. 

Stärker leiden die Industrie und das verarbeitende Gewerbe. So wurde die Tätigkeit auf Baustellen zum Teil eingestellt oder durch Abstandsregeln erschwert. Weiter ist die Exportnachfrage in einigen Branchen eingebrochen und es gibt Lieferengpässe für Materialien aus dem Ausland. Die Zahlen zu den Importen und Exporten zeigen denn auch einen historischen Einbruch: Im April sind die Exporte gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 11.7 Prozent zurückgegangen. Die grössten Einbussen verbuchten dabei die Sparten Bijouterie und Juwelierwaren sowie Uhren, die jeweils um über 70% einbrachen (insgesamt minus 1.6 Mia. CHF). Noch stärker als die Ausfuhren sind jedoch die Einfuhren eingebrochen: Saisonbereinigt sind die Importe um 21.9% zurückgegangen. Dadurch ergibt sich für den April 2020 der höchste je ausgewiesene monatliche Handelsbilanzüberschuss von 4.3 Mia. CHF. Nach diesem historischen Rückgang des Aussenhandels findet aktuell eine Erholung statt: Die Importe stiegen im Mai wieder um fast 10% an, während die Exporte nochmals leicht zurückgingen (minus 1.2 Prozent). Im Juni konnten sowohl Importe wie auch Export wieder ein Wachstum verzeichnen.
Schätzungen gehen davon aus, dass sich das verarbeitende Gewerbe mittelfristig robuster zeigen dürfte als andere Wirtschaftsbereiche (z.B. Analyse der UBS). Dies hängt aber massgeblich von der konjunkturellen Situation im Ausland ab, weshalb präzise Vorhersagen schwierig sind.

Zumindest kurz- bis mittelfristig dürfte jedoch der Dienstleistungssektor noch stärker als die Industrie unter der Krise leiden. Verschiedene Analysen zeigen, dass die meisten der von der Krise stark betroffenen Branchen in diesem Sektor anzusiedeln sind:

  • Detailhandel: Der Detailhandel wurde von den Massnahmen der COVID-19-Verordnung 2 stark getroffen. Unzählige Detailhändler mussten ihre Läden schliessen, nur «essentielle» Geschäfte (z.B. des Lebensmittelhandels) durften weiterbetrieben werden. Wenig überraschend hat dies – trotz einer gewissen Kompensation durch den Online-Handel – für viele der betroffenen Unternehmen starke Umsatzeinbussen zur Folge. So lagen die Umsätze des gesamten Detailhandels im April rund 20% unter dem Vorjahresmonat. Nach diesem historischen Einbruch haben sich die Detailhandelsumsätze aber schnell wieder erholt. So lagen die Detailhandelsumsätze im Juni bereits wieder 0.4% über dem Vorjahresmonat.
  • Kultur- und Unterhaltungsbranche: Kinos, Museen, Bibliotheken und ähnliche Betriebe mussten aufgrund der COVID-19-Verordnung 2 ebenfalls schliessen, auf die Durchführung von Grossevents musste verzichtet werden. Diese Branche musste relativ stark leiden, da es kaum Möglichkeiten zur Schadensbegrenzung gibt. Mittlerweile sind Veranstaltung von bis zu 1’000 Personen zwar wieder erlaubt, dennoch dürfte es noch eine Weile dauern, bis wieder ein «normaler» Betrieb wie vor der Krise möglich ist.
  • Gastronomie: Ebenso von der Verordnung betroffen waren Restaurants, Bars, Diskotheken und verwandte Betriebe. Innerhalb weniger Wochen kam es zu Umsatzausfällen von mehreren hundert Millionen Franken. Zudem leidet diese Branche auch nach der Lockerung der Corona-Massnahmen unter den weiterhin bestehenden Abstandregelungen und Hygienevorschriften, welche zu Umsatzeinbussen führen. Entsprechend rechnet die Branche auch im dritten Quartal 2020 noch mit einer vergleichsweise tiefen Nachfrage.
  • Beherbergung: Hotels und ähnliche Betriebe wurden zwar im Rahmen der COVID-19-Verordnung 2 nicht zu einer Schliessung gezwungen, sind aber trotzdem mit einem enormen Einbruch der Gästezahlen konfrontiert. Dies nicht zuletzt deshalb, weil viele Staaten von Ferien im In- und Ausland abgeraten haben. Entsprechend dürfte vor allem das Geschäft mit den ausländischen Gästen noch längere Zeit leiden.
  • Reisebranche: Ebenfalls nicht zur Schliessung gezwungen wurde die Reisebranche (inkl. Luftfahrt). Trotzdem wird sie hart von der Krise getroffen. Da sowohl der nationale wie auch internationale Flugverkehr eingeschränkt wurde, war die Branche mit einer Stornierungswelle konfrontiert. Gleichzeitig sind die Neubuchungen eingebrochen. Obwohl Anzeichen für eine Erholung ersichtlich sind, liegt ein Volumen in der Nähe des Vorkrisen-Niveaus noch in weiter Ferne.

Weiter gehören auch die Transportbranche, das Bildungswesen, die (Print)Medien sowie persönliche Dienstleistungen zu den Branchen, die stark unter der Corona-Krise leiden.

Wie stark die Wertschöpfungseinbrüche aufgrund der Krise sind, lassen Schätzungen des SECO erahnen. Die Zahlen zeigen, dass viele der oben genannten Branchen im April 2020 Wertschöpfungseinbrüche von 80 bis fast 100% hinnehmen mussten. Auf das ganze Jahr gesehen wird der Einbruch zwar weniger hoch ausfallen, mit 15 bis 35% in den am stärksten betroffenen Branchen (z.B. Beherbergung oder Gastronomie) wird er aber noch immer substanziell sein.

Avenir Suisse hat zur Abschätzung der Krisenfestigkeit der stark betroffenen Branchen deren Eigenfinanzierungs- und Liquiditätsgrad analysiert. Dabei zeigte sich, dass viele Firmen nur dank den vom Bund verbürgten Krediten liquide bleiben können. Zusätzlich wurde deutlich, dass vor allem die Beherbergungs- und die Reisebranche nur über geringe Eigenkapitalreserven verfügt.

Exkurs: Grosse Unterschiede in der Möglichkeit Homeoffice zu leisten

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Basel hat untersucht, inwieweit die Beschäftigten innerhalb einer Branche in der Lage sind, ihren Tätigkeiten im Homeoffice nachzugehen.

In Branchen, in denen viele administrative oder auch kreative Aufgaben anfallen, können bis zu 90% aller Beschäftigten zumindest teilweise von zu Hause arbeiten. Beispiele für solche Branchen sind die Finanz- und Versicherungsbranche oder die IT-Branche. In anderen Wirtschaftszweigen besteht diese Möglichkeit hingegen kaum. Das betrifft z.B. die Gastronomie, die Hotellerie oder die Baubranche. Grund dafür ist die grosse Relevanz des persönlichen Kontakts bzw. der physischen Präsenz. Daher sind die stark unter dem Virus leidenden Unternehmen insbesondere jene, die ihre Tätigkeit nur geringfügig ins Homeoffice verlagern können.

Auch regional gibt es hier Unterschiede: In ländlichen Gebieten werden vermehrt Berufe ausgeübt, die sich weniger für Heimarbeit eignen.

Starke Betroffenheit der Berggebiete

Die Auflistung der stark betroffenen Branchen legt nahe, dass sich die Corona-Krise je nach Region und Raumtyp unterschiedlich auswirkt. Denn wie die Analyse zu den regionalen Wirtschaftsstrukturen zeigt, unterscheidet sich der Branchenmix (Anteil verschiedener Branchen an der Gesamtbeschäftigung) der ländlichen und urbanen Räume teilweise stark. Betrachtet man die Anzahl der betroffenen Beschäftigten, deren Arbeitsstätte aufgrund der COVID-19-Verordnung 2 schliessen musste, zeigt sich, dass die Berggebiete schwerer von der Krise getroffen werden als andere Regionen. Der Grund liegt darin, dass die stark von der Krise getroffenen tourismusnahen Branchen in den Berggebieten einen überdurchschnittlich hohen Beschäftigungsanteil aufweisen (vgl. Exkurs weiter unten). Zudem ist die Branchenstruktur der Berggebiete vergleichsweise weniger diversifiziert. Wenig überraschend führen daher das Wallis und Graubünden die Liste der am stärksten betroffenen Kantone an.

Basierend auf diesen Beobachtungen allein müsste man schliessen, dass ländliche Regionen insgesamt stärker von der COVID-19-Verordnung 2 getroffen werden als urbane Gebiete. Die Betrachtung nach den fünf regiosuisse-Raumtypen zeigt aber, dass dies nicht der Fall ist. Dies lässt sich dadurch erklären, dass tourismusnahe Branchen (z.B. Gastgewerbe) in den ländlichen Gebieten zwar wichtiger sind, dafür aber in den Städten mehr Leute in anderen stark betroffenen Branchen (z.B. der Kultur- und Unterhaltung oder Detailhandel) arbeiten. Auf Ebene Schweiz zeigen sich daher keine eigentlichen Stadt-/Land-Unterschiede. Vielmehr ist es so, dass die Betroffenheit einer Region von der lokalen Branchenstruktur abhängt.

Exkurs: Die Corona-Krise trifft den Tourismus schwer

Viele der stark betroffenen Branchen sind tourismusnah. Im Tourismus hat sich die Krise in gravierendem Masse auf die Logiernächte ausgewirkt. Nach einem starken Einbruch in den Monaten März und April hat sich die Situation in den Monaten Mai und Juni leicht erholt. Ein starke Erholung setzte anschliessend im Juli ein. Viele Schweizer wollten sich ihre Sommerferien nicht nehmen lassen, und haben anstatt im Ausland im Inland Urlaub gemacht. Dadurch lagen die Logiernächte der Inländer im Juli rund 30% über dem Vorjahresmonat. Demgegenüber war die ausländische Nachfrage mit minus 69% weiterhin sehr tief. Gesamthaft lag die Zahl der Logiernächte im Juli deshalb immer noch 26.4% unter dem Vorjahresniveau.

Der Boom der Inlandnachfrage wirkt sich regional unterschiedlich aus. Während die Logiernachtzahlen im Juli in den Grossstädten und Städten immer noch 67% bzw. 20% unter dem Vorjahresniveau lagen, waren es in den ländlichen Zentren nur noch -2% und in den ländlichen Gemeinden sogar +2%. Dabei sind es insbesondere die Bergkantone, die profitieren, während vor allem die Städte im Flachland unter den ausbleibenden ausländischen Gästen und dem Einbruch des Geschäftstourismus leiden. 

 

Da der Tourismus in den Bergregionen aber höhere Anteile bei der Beschäftigung und der Wertschöpfung aufweist als in den Städten, wiegen die Folgen der Corona-Krise – trotz Verschnaufpause über die Sommerferien – für die Berggebiete als Ganzes trotzdem schwerer.

Angesichts der steigenden Fallzahlen dürfte aber sowohl für die ländlichen Gebiete wie auch für die urbanen Räume eine schwierige Zwischensaison bevorstehen. Die Wintersaison wird stark davon abhängen, ob die Fallzahlen weiter steigen und welche Massnahmen und Schutzkonzepte damit verbunden sein werden. Besonders kritisch würde es dann, wenn eine weitere Infektionswelle die Wintersaison zum Erliegen brächte. Das Potenzial für eine gute Saison in den Berggebieten besteht angesichts der Zahlen aus den Sommerferien auf jeden Fall.

Eine vollständige Erholung wird erst in mehreren Jahren erwartet. Diese Einschätzung basiert auf Erfahrungswerten aus der Finanzkrise. Entsprechend rechnet Schweiz Tourismus für die Tourismusbranche mit Umsatzeinbussen von bis zu 35% im Jahr 2020. 

Über 20% der Beschäftigten im April auf Kurzarbeit

Hinweis: Die in diesem Abschnitt gezeigte kantonale Verteilung der abgerechneten Kurzarbeit kann einzelne Fehlzuteilungen aufweisen (Mögliche Fehlerquelle: Alle Anträge eines bestimmten Unternehmens wurden im selben Kanton erfasst, obwohl das Unternehmen auch über Arbeitsstätten in anderen Kantonen verfügt). Die Daten entsprechen dem aktuellen Wissensstand, Änderungen vorbehalten

Die Krise beschränkt sich nicht nur auf die direkt von der COVID-19-Verordnung 2 zur Schliessung gezwungenen Branchen, sondern hat viel weitreichendere Folgen. Dies zeigt der Blick auf die eingereichten Gesuche für Kurzarbeitsentschädigungen: Die Anzahl der Gesuche hat ein Rekordniveau erreicht und ist um ein Vielfaches höher als in der Finanzkrise. Bis im Monat Mai wurde für fast 40% der Beschäftigten (entspricht ca. 2 Mio. Beschäftigten) in der Schweiz ein Antrag auf Kurzarbeitsentschädigung gestellt. Die allermeisten dieser Gesuche gingen im März ein. Danach blieb die Zahl weitgehend stabil.

Der Antrag bzw. die Bewilligung eines Kurzarbeitsgesuchs bedeutet allerdings nicht, dass die betroffenen Betriebe ihre Mitarbeitenden auch tatsächlich auf Kurzarbeit setzen, sondern nur, dass sie dies tun könnten. Dies zeigt sich nun auch in den Zahlen zur effektiv abgerechneten Kurzarbeit. Im Monat April wurden rund 1.2 Millionen Beschäftigte auf Kurzarbeit gesetzt (im Mai noch gut 0.9 Millionen Beschäftigte). Es wurde also nur für ca. die Hälfte der Beschäftigten, für die ursprünglich ein Antrag gestellt wurde, tatsächlich auch Kurzarbeit abgerechnet. Damit blieben die Zahlen zwar unter den Erwartungen, haben aber trotzdem ein sehr hohes Niveau erreicht. Zum Vergleich: Während der Finanzkrise waren 90'000 Beschäftigte effektiv von Kurzarbeit betroffen.

Bei der kantonalen Betrachtung des Anteils der Beschäftigten, für die Kurzarbeit abgerechnet wurde, zeigt sich, dass die Kantone Tessin (33%), Neuenburg (29%) und Jura (28%) klar am stärksten betroffen sind. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Im Kanton Jura ist die mit dem Einbruch der Exportnachfrage konfrontierte Industrie am stärksten betroffen, allen voran die Uhrenindustrie sowie die Metallindustrie. Auch im Kanton Neuenburg ist die Industrie stark betroffen. Daneben stammen aber auch viele Anträge aus dem Baugewerbe, der Gastronomie sowie dem Grundstücks- und Wohnungswesen. Im Tessin – dem Kanton, der die stärksten Massnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus ergriffen hat – sind mit fast 80'000 Beschäftigten klar am meisten Personen von Kurzarbeit betroffen. Die treibenden Branchen sind hier insbesondere das verarbeitende Gewerbe, die Bauindustrie, der Handel sowie die Gastronomie. 

Exkurs: Hoher Anteil Grenzgänger in einigen der stark betroffenen Regionen

Die vergleichsweise stark von der Krise getroffenen Kantone Neuenburg, Tessin und Jura weisen allesamt einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Grenzgänger an der Gesamtbeschäftigung auf. Die Entscheidung des Bundesrates, die Grenzen für Grenzgängerinnen nicht zu schliessen, hat dazu beigetragen, dass diese Regionen nicht einen noch stärkeren Einbruch in ihrer wirtschaftlichen Aktivität verkraften mussten.

Arbeitslosigkeit steigt nur leicht

Die zuvor gesehenen Zahlen lassen erahnen, dass im Zuge der Corona-Krise auch die Arbeitslosigkeit angestiegen ist. Normalerweise sinkt diese im Frühling, da die Aktivität verschiedener Branchen im Winter eingeschränkt ist (z.B. Baugewerbe). Anstelle des üblichen Rückgangs ist in diesem Jahr aber ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu verzeichnen, und dies in sämtlichen Regionen der Schweiz. Ende Juli waren 3.2% aller Erwerbspersonen bzw. 150'200 Personen in der Schweiz bei einem RAV angemeldet. Zum Vergleich: Im Juni 2019 waren es 2.1%. 

Trotz dieser vergleichsweise schlechten Zahlen zeigt sich aber auch bei der Arbeitslosigkeit ein Lichtblick. Im Vergleich zum Mai (3.4%) ist die Arbeitslosigkeit im Juni nämlich überraschend um 0.2 Prozentpunkte zurückgegangen und im Juli auf diesem Niveau verharrt. Ob es sich hierbei bereits um eine Trendumkehr handelt ist aber höchst ungewiss und dürfte nicht zuletzt von der Anzahl der künftigen Neuinfektionen und allenfalls damit verbundenen neuerlichen Einschränkungen abhängen.

Verglichen mit dem Anteil der Beschäftigten, deren Arbeitsstätte aufgrund der COVID-19-Verordnung 2 geschlossen werden musste oder auch mit der Anzahl der Kurzarbeitsanträge, scheint die bis jetzt feststellbare Zunahme der Arbeitslosigkeit noch moderat zu sein. Dies ist ein Indiz dafür, dass die Kurzarbeit und die vom Bund verbürgten Kredite bisher eine grosse Entlassungs- bzw. Konkurswelle verhindern konnten.

Die regionale Betrachtung zeigt ein ähnliches Bild wie zuvor: Die Berggebiete und allen voran der Kanton Wallis verzeichnen überdurchschnittlich starke Anstiege in den Arbeitslosenzahlen, dies erwartungsgemäss vor allem in tourismusnahen Branchen.

Auffällig ist aber auch der Anstieg der Arbeitslosenquoten in der Westschweiz. Auch dort leiden vor allem der Handel, die Gastronomie und die Beherbergung. Zusätzlich ist das Baugewerbe in dieser Region überdurchschnittlich stark betroffen. Dies könnte damit zusammenhängen, dass z.B. die Kantone Genf und Waadt während des Lockdowns sämtliche Baustellen geschlossen haben. Im Vergleich dazu haben die Zentral- und Nordostschweizer Kantone nur moderat steigende Arbeitslosenzahlen zu verzeichnen.

Vergleicht man Stadt und Land, zeigen sich wie zuvor nur relativ geringe Unterschiede. Am stärksten hat die Arbeitslosenquote mit einem Wachstum um 0.9 Prozentpunkte in den Grossstädten zugelegt. Am schwächsten war dieser Anstieg mit 0.3 Prozentpunkten in den ländlichen Gemeinden. 

Zukunftsaussichten verhalten optimistisch

Die Analyse hat gezeigt, dass die Berggebiete aufgrund der starken Abhängigkeit vom Tourismus vergleichsweise stark von der Corona-Krise getroffen werden. Es ist davon auszugehen, dass dort erst mittelfristig eine Erholung einsetzen wird, weil der Tourismus, und hier vor allem der grenzüberschreitende, mehrere Jahre Zeit brauchen dürfte, um sich vollständig zu erholen. In den Schweizer Sommerferien ist zwar mit einer gewissen Verbesserung der Situation durch mehr inländische Gäste zu rechnen, die Auslastung ausserhalb der Ferienzeiten wird aber zu einer Herausforderung werden. 

Auch die Westschweiz leidet stärker unter der Krise als andere Regionen. Betroffen sind neben der Gastronomie, der Beherbergung und dem Detailhandel vor allem die Industrie und die Baubranche. Wie schnell sich diese Branchen erholen werden, ist ungewiss. Dies hängt in der Gastronomie und der Beherbergung vor allem davon ab, wie schnell Abstandregeln weiter gelockert werden können und wie rasch die Bevölkerung in das gewohnte Konsumverhalten zurückfallen wird. In der stark exportorientierten Industrie wird die Situation massgeblich von der Erholungsgeschwindigkeit im Ausland abhängen. Auch für die Baubranche sind Prognosen schwierig, es besteht aber die Gefahr, dass aktuell geplante Projekte vermehrt zurückgestellt werden, was mittelfristig zu einem Nachfragerückgang führen könnte.

In den nächsten Monaten ist weiterhin von einer schwierigen wirtschaftlichen Situation auszugehen. Wie lange die Folgen der Krise noch spürbar sind und wie stark die wirtschaftlichen Schäden schlussendlich sein werden, lässt sich aktuell noch nicht genau beziffern. Viele Firmen zeigen sich aber verhalten optimistisch für die weitere Entwicklung, wie eine Umfrage der UBS zeigt. Dafür spricht auch, dass – einhergehend mit der Lockerung der Lockdown-Massnahmen – wieder steigende Detailhandelsumsätze, sinkende Arbeitslosenzahlen und sich langsam erholende Logiernachtzahlen verzeichnet werden konnten. Auch blieb die effektiv beanspruchte Kurzarbeit unter den Erwartungen. Hoffen lässt weiter, dass die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich sowie auch das SECO für das Jahr 2021 bereits wieder ein BIP-Wachstum von ca. 5% Prozent prognostizieren.

Diese Auswertungen basieren auf unseren Grundlagen, die wir im Rahmen des Regionenmonitorings erarbeiten. Im Regionenmonitoring finden Sie eine Reihe von statistischen Auswertungen zur sozioökonomischen Entwicklung der Regionen in einem längeren Zeitverlauf.

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